2009 vs 2019

Die „zehn-Jahres-Challenge“ schwappte durch Instagram und klar, da muss ich mitmachen, immerhin trage ich das schwarze Kleid nach wie vor, auch wenn es ein bißchen knapper sitzt.

2009 war ein Jahr mit Magengeschwür und drei Knie-Operationen und die unheilbare Krankheit meiner Schwiegermutter wurde diagnostiziert.

Die Kindelein rutschten langsam Richtung Pubertät, doch das war längst nicht so dramatisch, wie das immer behauptet wird. (ich fand diese ganze Pubertätssache ganz toll) Trotzdem gab es die eine oder andere Schulsache, die mir Schlaf und Nerven raubte. Ich wünschte mir sehr, nur ganz kurz in die Zukunft schauen zu können, so zehn Jahre weiter. Wirklich nur mal durchs Schlüsselloch lunsen!

Was hätte ich mich beruhigt zurücklehnen können, denn alles wurde gut.

Der Gatte hat nach wie vor einen grandiosen Job, alle Kindelein tun das, was sie glücklich macht, ich auch. Und das Knie spielt auch mit.

Mal kurz zehn Jahre in die Zukunft schauen ist kein dringender Wunsch mehr. Aber neugierig wäre ich doch! Werde ich weiterhin so glücklich sein wie gerade? Ob ich dann Oma bin? Welche Farbe haben meine Haare? Trage ich das schwarze Kleid noch? Wie wird es sich anfühlen, fast SECHZIG zu sein?

Freitag

Sturmfreie Bude. Hat mindestens genauso viel Reiz wie zu Teenie-Zeiten. Der Große ist bis Sonntag unterwegs, der Jüngste kommt irgendwann heute nacht heim. Wir feiern das mit einem guten Riesling und Dinkelvollkornnudeln. Opulent.

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Morgen müssen wir in die große Stadt fahren, das neue Besteck, das wir uns zu Weihnachten geschenkt haben, bekommt merkwürdige Schlieren, die müssen wir reklamieren. Immerhin ist es das Besteck eines namhaften Herstellers und teuer war es obendrein. Lästig so etwas. Obendrein formuliere ich schon den ganzen Tag Antworten auf skeptische Verkäuferantworten und steigere mich so systematisch in schlechte Laune hinein.

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Ich habe mir vorgenommen, regelmäßig einen Wochen-Kochplan zu erstellen. Die erste Woche hat nun prima geklappt und tatsächlich dazu geführt, dass ich diese ganze Kocherei sehr entspannt anging. Jetzt ist eine Woche natürlich nix, womit sich angeben ließe, doch motivierend ist es halt schon. Und so habe ich direkt den nächsten Wochenplan erstellt und gleichzeitig die Einkaufsliste aktualisiert. Fühle mich äußerst organisiert und erwachsen.

Geplant ist übrigens, jede Woche ein neues Rezept auszuprobieren. Kommende Woche wird es die Kichererbsensuppe mit geröstetem Sauerkraut aus Tim Mälzers „Greenbox“ sein. Wir sind alle gespannt.

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Das morgendliche Schneechaos in Form von sieben Schneeflocken hat sich im einsetzenden Regen aufgelöst und jetzt schmolle ich. Ich will dringend Schnee!

Gartenrundgang

An einem der letzten warmen Herbsttage schrieb ich mir eine to-do-Liste für den Winter. Weil an einem warmen Herbsttag ist usseliges, kaltes Winterwetter fern und unvorstellbar, allenfalls sind da ein paar vage Bilder eines romantisch-verschneiten Gartens, durch den ich in eine kuschelige Wolljacke gehüllt, natürlich mit passender Mütze und Schal, und vergnügt den verdörrten Zierjohannisbeerstrauch aus der Erde zerre und den wuchernden Holunder aus der Weide schneide. Vergnügt pfeifend, mit roten Wangen und später säßen der Gatte und sein holdes Weib auf Schaffellen am lodernden Feuer im Garten, ein Tasse mit dampfender Flüssigkeit (Kakao oder auch Glühwein) in Händen. Hund und Kater säßen malerisch neben uns und leise fiele der Schnee.

Pffft.

Meine Lust auf Gartenarbeit liegt bei Null, was vermutlich mit dem Matschwetter da draußen zusammenhängt. Trotzdem müssen die verschiedenen Punkte abgearbeitet werden. Insbesondere der Rückschnitt der verschiedenen Gehölze, bevor da wieder irgendwelche Vögel nisten. Außerdem wartet da ein Nußbaum in einem großen Blumentopf auf einen Platz im Garten. Am Wochenende dann. Schnee bekommen wir sowieso keinen. (gemein)

Die Bienen habe ich heute auch besucht und ich glaube, da ist Leben in der Beute. Den Deckel habe ich nicht abgehoben, denn die Wärme, die die Bienen erzeugen, ist kostbar und soll nicht entweichen! Aber mein Ohr habe ich an den Kasten gehalten. Gehört habe ich nichts, aber es vibriert. Ich bin nun ziemlich optimistisch, dass Ende Februar, Anfang März Bienen nach draußen krabbeln werden!

Für die Vögel habe ich mit Fettfutter gefüllte Tassen rausgehängt und weil ich wirklich viel Fettfutter zubereitet habe, habe ich ein bißchen davon mit zur Hunderunde genommen und in die Hecken neben den Wingerten gehängt.

Für diese kleinen „Anhänger“ schmelze ich Kokosfett und rühre dann jede Menge Erdnußbruch, Sonnenblumenkerne, Hanfsamen, Hirse und Rosinen hinein. Die Masse fülle ich in Silikon-Muffinförmchen. Ganz wichtig: mit einem Stäbchen ein Loch zu aufhängen puhlen. Wenn die „Anhänger“ ausgekühlt und hart sind, ziehe ich eine Sisalschnur durch das Loch. Knoten drauf, aufhängen. Schnell gemacht, sieht hübsch aus und vermeidet obendrein Müll, weil herkömmliche Meisenknödel meistens in einem Plastiknetz stecken. Welches außerdem eine fiese Fußangel für Vögel werden kann.

Ich habe noch eine große Schüssel mit der Samen/Nuß-Mischung. So viel können die Vögel in unserem Garten gar nicht fressen! Deshalb werde ich die Mischung nach und nach zu „Anhängern“ verarbeiten und bei den verschiedenen Hunderunden verteilen. Guerilla-Fütterung, quasi.

Plagen und Folgen

Als ich heute morgen mit der Kaffeetasse in der Hand versonnen zu Decke schaute, sah ich sie: die Made. Ein kleine weiße Made. Total unschuldig. Unglücklicherweise zieht eine solche kleine Made eine gigantische Putzaktion nach sich, denn eine kleine Made bedeutet einen großen Befall von Mehlmotten. Und da diese Drecksviecher einfach überall sitzen können und ich jede Menge „überall“ in der Küche habe, stand mein heutiges Beschäftigungsprogramm fest.

Das Programm passte auch prima zu meinem eher etwas sinnlosen Aktionismus am Morgen, als ich rasch das Chilisalz in der Mühle nachfüllen wollte, dabei entdeckte, dass auch der ungarische Paprika fast aufgebraucht und wieder befüllt werden kann, die Dosen mit Kreuzkümmel und Kurkuma ziemlich klebrig sind und überhaupt, wie sieht denn die Gewürzkiste aus … und ich plötzlich den gesamten Tresen vllgeräumt hatte, zwei Minuten vor acht. Um acht wartete die Mittwochsrundenfreundin auf mich und somit ließ ich alles stehen und liegen und verdrängte das „ich mag gar kein Chaos in der Küche, wenn ich das Haus verlasse“-Gefühl.

Um kurz nach zehn war ich wieder daheim, im Chaos und in Madengesellschaft. Zuerst sortierte ich Gewürze, wusch und wischte Gewürzdosen und das Gewürzdosenregal ab, überlegte, warum ich ein sehr großes Glas Kümmel habe, wo doch niemand im Haus Kümmel mag und wagte mich dann an die Schublade mit den Backzutaten (Mandeln, Nüsse, Schokolade etc.) und Trockenvorräten (Linsen, Quinoa, Hirse, etc.). Erfreulicherweise erfolglos.

Im Vorratsregal wischte ich das gesammte Plastikdosensortiment ab und füllte bei der Gelegenheit Reis (Mich- und Risottoreis) wieder auf und beschloss, dass nächste Woche ein Risotto auf den Kochplan muss.

Im Regal darunter wurde ich dann fündig. Hinter den Gläsern mit Hafeflocken (grob und blütenzart), gepufftem Amaranth. Cashewkernen und geknackten Walnüssen stand ein Dose mit Weetabix samt einer sehr aktiven Mehlmottenpopulation. Urx. Immerhin war damit die Suche (hoffentlich) schnell beendet, das Regal ausgewischt und weil ich schon mal dabei war, sortierte ich noch rasch meine Teevorräte aus und trennte mich von den ganzen merkwürdigen Einzelbeuteln, die sich seit drei Tee-Adventskalendern hier angesammelt haben. Alle Grünteesorten, alles mit Fenchel, Anis oder Salbei.

Weil ich immer noch so drin war, sortierte ich diese eine Schublade, in der ein wildes Gewühl aus diversen Folien und Gefrierbeuteln liegt, garniert von Haushaltsgummis in allen Größen, Verschlussclipps und diesen weißen Plastikstreifen mit Draht, die man garantiert niemals braucht, aber doch immer aufhebt. Ich hab sie heute weggeschmissen, endlich.

Jetzt ist die Küche wieder ordentlich! Allerhöchste Zeit, ihr wieder ein neues Kleid zu spendieren, die Lackdose mit verheißungsvollem Inhalt steht im Flur!

 

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Einen kleinen Anfall von Hausfraulichkeit am Nachmittag nutzte ich, um mir ein bißchen Chai-Sirup zu kochen. Chai Latte mag ich im Winter nämlich sehr, gerne auch als Alternative zu Nachmittagskaffee mit Keks oder Schokolade, weil Süßgier.

Für den Sirup koche ich in einem Liter Wasser ungefähr zehn Beutel (oder eben die entsprechende Menge an losem) Darjeeling, zusammen mit einem guten Stück in Scheiben geschnittenem Ingwer, einigen Kardamomkapseln, ziemlich viel Pfeffer, ein bißchen Muskat, Zimt nach Laune und einem Schuss Vanilleextrakt. (wer mag, kann auch noch Sternanis und/oder Nelken und/oder Zitronen- oder Orangenzesten mitkochen.) Ich koche auf und lasse dann eine Viertelstunde ziehen. Das Gebräu wird durch einen Teefilter abgegossen, mit etwa 200g Zucker und etwas Honig zu Sirup eingekocht und heiß in saubere Schraubgläser eingefüllt. Angebrochene Schraubgläaser bewahre ich im Kühlschrank auf! Am Besten schmeckt der Sirup in heißer, evtl. zu Schaum geschlagener Milch, ein Schwapps genügt.

Tja. Und genauer wird das Rezept nicht, spielen Sie einfach 🙂

 

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Weil Sie nach Rezepten oder verschiedensten Artikeln fragten: ich habe ganz viel vom alten Blog freigeschaltet, jeden Tag ein bißchen mehr, denn ich muss alles nochmal durchlesen und mich dann entscheiden, ob mir das damals Geschriebene nun sehr peinlich ist oder ob ich es gerade noch aushalten kann. Für Leser, die hier ganz neu sind, dies ist das alte Blog: Frau Mutti

Ladendienstag

Dreieinhalb Stunden lang habe ich heute erneut Weihnachtsschnickeldi bruchsicher verpackt. Diesmal im Weltladen. Und damit der Einkauf von neuen Weihnachtsartikeln im August etwas planvoller stattfinden kann, haben Oma Eis und ich sehr säuberlich notiert, wovon wir wieviel haben und was wir auf gar keinen Fall mehr bestellen müssen, weil wir früoh sind, dass der Bestand nun endlich bei Null liegt. Fünf Umzugskisten voller Weihnachtsartikel habe ich vor dem ersten Advent im Weltladen verteilt, ein einizger Karton wurde mit Restbeständen für nächstes Weihnachten voll. Entweder haben wir bei der Auswahl des Sortiments genau die Geschmacksnerven der Kundschaft getroffen oder das Geld saß sehr locker. Oder beides.

Jetzt ist der Laden ziemlich kahl und das darf natürlich so nicht bleiben. Deshalb haben wir heute im Anschluss an jede Menge Räumerei und Putzerei Osterartikel aus den Katalogen ausgewählt. Das macht mich ein klitzekleines Bißchen kirre, aber so ist das halt, der Einkauf muss geplant sein und die Ware muss rechtzeitig im Lager stehen.

Neben der Räumerei und Dekoriererei findet natürlich auch der reguläre Verkauf auf und es zeigt sich immer wieder sehr deutlich, wie sehr ein Supermarkt in der Ortsmitte fehlt. Die großen Märkte am Ortsrand sind für die Senioren nur schwer zu erreichen und das nimmt ihnen nicht nur die Möglichkeit einzukaufen, sondern kappt auch jede Menge soziale Kontakte. Zu unseren Stammkunden gehören mittlerweile sehr viele alte Menschen, die Kaffee, Tee oder Schokolade bei uns kaufen und obendrein einfach nur ein Schwätzchen halten wollen. Das ist gleichermaßen schön wie herzzrerreißend, denn unsere Lebensmittel sind natürlich teurer als die im Supermarkt und somit für schmale Rentengeldbeutel nicht wirklich erschwinglich. Am Weltladen hängt das Schild „Fachgeschäft für fairen Handel“, doch er ist halt noch viel mehr als das, er versucht ein bißchen so zu sein, wie diese Tante-Emma-Lädchen waren.

Tja. Und wie lange dieser Weltladen noch existiert, das ist beinahe abzusehen. Wir haben keine „Geldsorgen“. Die Miete ist gering, die Nebenkosten auch. Der Umsatz ist stabil, sogar steigend. Doch die MitarbeiterInnen werden immer älter. Drei sind über achzig, ein davon fällt nun wegen Demenz aus. Die anderen Mitarbeiterinnen marschieren fröhlich auf die siebzig zu oder sind schon drüber. Die paar Jüngeren (zu denen ich mit fast fünfzig gehöre!) sind voll berufstätig und knappsen sich eben ein bißchen Zeit ab. Die Arbeit ist ehrenamtlich und sehr wahrscheinlich werden die finanziellen Mittel des Ladens nie für eine festangestellte Kraft reichen, obwohl das kurz angedacht war. Ehrenamtlicher Nachwuchs findet sich nicht. Weltläden sind altmodisch geworden, beinahe das gesamte fair gehandelte Lebensmittelsortiment findet sich in Supermärkten, ist alltäglich geworden.

Gegründet wurde der Weltladen von Schülern, Studenten und Auszubildenden, das Ganze war politisch motiviert und beinahe ein bißchen rebellisch. Heute ist die politische Arbeit im und um den Weltladen in den Hintergrund gerückt und eben für Jugendliche langweilig. Schade, aber völlig verständlich. (ich würde als Jugendliche auch nicht mit diesen ganzen alten Leuten zu tun haben wollen)

Ich hoffe, der Laden hält sich noch ein paar Jahre!

friedfertig, milde, altersweise

Seit drei Tagen will ich einen fiesen, scharfzüngigen Artikel übers Aufräumen schreiben. Doch je mehr ich im Kopf formuliere, je sarkastischer der Text wird, desto ungerechter wird er auch. Denn nur weil ich diese Aufräumsache mittlerweile* im Griff habe und meine Kleidung nicht in Rechtecke falten mag … heißt das halt nicht, dass es doof ist, wenn es bei anderen anders ist. Doof ist nur, dass ich damit kein Geld verdienen kann, denn mal GANZ ehrlich, was uns Frau Kondo in ihrer Netflix-Serie erzählt ist wahrlich nix Neues. Runtergebrochen auf das Wesentliche sagt sie eigentlich nur: schaut, was ihr braucht und trennt euch vom Rest. Und lasst den Kram nicht rumliegen. Das esotherische Gefasel und Getue Drumherum ist dann die Verkaufsmasche, denke ich.

Ich persönlich würde ja im Zuge meiner neugewonnenen Nachhaltigkeitsmanie ergänzen: Und schafft euch erst gar nicht so viel Kram an, womöglich auch nicht fünfzig verschiedene Kisten und Kästen, um euren Krusch und Krempel zu verstauen. Aber das ist eben ein ganzer Schritt weiter und ich glaube zu verstehen, dass es wirklich schwer sein kann, einen Weg aus dem Chaos zu finden, einfach weil die schiere Menge an Durcheinander einschüchtert. Wenn Frau Kondo es dann schafft, einen Anfang zu zeigen oder gar zum ersten Schritt zu motivieren, dann soll mir das recht sein und jeder scharfzüngige Kommentar dazu wäre nur fieses Gelästere.

Was mich aber wirklich zum Lästern bringt, ist jede einzelne Folge der Kondo-Serie auf Netflix. Und ich habe sie mir alle angesehen, teilweise saßen wir alle (auch die Söhne) Tränen lachend da. Zum Beispiel die Folge, in der es dem jungen Mann wirklich wichtig ist, dass seine Eltern auf Grund seiner aufgeräumten Wohnung nun erkennen, dass er wirklich und echt erwachsen geworden ist. Und deshab zeigt er ihnen, als sie ihn besuchen, direkt nach der Begrüßung seinen Kleiderschrank. Und seine reduzierten Küchenutensilien. Woraufhin sein Vater ganz brav spricht: Ja, er ist wirklich erwachsen geworden! Gescriptetes Trash-TV, Lachgarantie. Das LAchen bleibt mir aber angesichts der Menge an Kram, hauptsächlich Kleidung, den die Menschen anschaffen im Halse stecken. BERGE von Klamotten. Schuhe. Zeug! Selbst wenn das kein hochpreisiges Zeug ist: welche Werte sich da ansammeln! So viel, da kann ja nix mehr joy sparkeln! Dieses Anhäufen und immer-mehr-kaufen ist unfassbar für mich.

Ich hab die Serie jetzt durch und kann das Thema informiert abhaken.

 

*Und „mittlerweile“ ist das Stichwort, denn als die Kindelein klein waren oder wir hier in der Grünen Villa mit Baustellencharme lebten, war Ordnung halten ein echter Kampf. Heute gibt es eine Grundordnung, die schon deshlab leicht zu halten ist, weil jeder sie kennt und die meisten Menschen der Familie sowieso den größten Teil des Tages außer Haus sind.

 

Entweihnachten

Das Weihnachtsschnickeldi ist ordentlich wieder in Kisten und Kästen verpackt und im Regal in der Halle verstaut. Und weil ich dieses Jahr besonders streberhaft bin, sind die Lichterketten auf leere Klopapierrollen gewickelt. Die noch streberhaftere Tochter hat die defekten Lämpchen mit Maskingtape markiert, so dass sie leicht ausgetauscht werden können, der organisierte Gatte hat direkt neue bestellt. Wir sind für die nächste Weihnachtszeit gerüstet!

Vor ein paar Jahren habe ich übrigens beschlossen, dass wir nun genug Weihnachtsschnickeldi besitzen und ich wirklich, wirklich nichts Neues mehr kaufen muss. Diesen Entschluss habe ich beinahe gut eingehalten, denn unglücklicherweise werde ich schon ab August den allerschlimmsten Verführungsversuchen ausgesetzt! Im August beginnen wir nämlich das Weihnachtssortiment für den Weltladen zusammenzustellen. Während man bei dreißig Grad auf der Terrasse sitzt, lässt es sich prima prahlen, dass diese entzückenden Kugeln, diese filigranen Glasornamente oder diese witzigen Schallplattenengel toll anzusehen sind, dass die eigenen Schnickeldikisten aber ausreichend befüllt sind. Wenn ich dann kurz vor dem ersten Advent den Weltladen einmal komplett auf Weihnachten krempele und gleich drei Weihnachtsbäume für die Schaufenster schmücke, kommt meine Entschlossenheit stark ins Wanken und wenn dann womöglich aus dem Vorvorjahr ein Glitzerengel übrig ist, so ganz ohne zugehörige Krippe oder Glitzerengelfreunde und er deshalb auch noch reduziert wird … naja. Glitzernde Engel müssen gerettet werden.

Grundsätzlich halte ich mich aber an meinen Vorsatz und es ist ja auch so, dass die Grüne Villa nicht größer wird oder sich neue Fenster wachsen lässt. Irgendwann ist alles voll. Obendrein versuche ich diese Nachhaltigkeitssache ein bißchen hochzuhalten und dazu gehört eben auch, nicht jeder Versuchung, jedem Kaufimpuls nachzugeben. Mit Klamotten und Schuhen klappt das schon seit Jahren gut, die anderen Bereiche meines Lebens sollen da nun endlich nachziehen. Mein Klamottenkaufverhalten hat übrigens nicht nur dazu geführt, dass mein Kleiderschrank übersichtlich ist, sondern auch dazu, dass ich beinahe nur Kleidungsstücke besitze, die ich sehr mag und wertschätze.  Außer in akuten, womöglich hormongebeutelten „ich hab nie irgendwas Schönes anzuziehen“-Phasen hat sich mein Tagesbeginn damit erheblich erleichtert. (und mittlerweile ist es mir ziemlich egal geworden, was gerade Mode ist. Hauptsache ich finde noch irgendwo Ersatz für zerfallende Lieblingsteile gibt.)

Vor der absoluten Nachhaltigkeits-Heiligsprechung gibt es aber noch eine Menge zu unterlassen. Spontan Geschirr zu kaufen, beispielsweise. Oder zu lernen, dass es kein bißchen schlimm ist, wenn ich nicht für zwölf Personen einheitlich den Tisch zu decken. Herrjeh.

WMDEDGT 01/19

Frau Brüllen ruft zum Tagebuchbloggen auf! Das macht sie seit fünf Jahren, ich folge dem Ruf sporadisch.

Mein Tag begann sehr früh. Irgendwann gegen halb drei, als der Große heimkam, schwungvoll gegen den Schuhschrank rumpelte und danach mit Schmackes die Badtür schloss. Kurz danach krachte seine Zimmertür zu, wenige Minuten später kam der Gatte von seinem Treffen mit den Exkommilitonen heim. Alles genauso geräuschvoll wie der große Sohn, zusätzlich mit einer guten Portion Eau de Irish Pub. Ich schlief mit dem Wissen, dass die Joggingrunde des Gatten am Morgen garantiert nicht stattfinden würde.

Kurz bevor ich wieder selig einschlief, sprang ein nasser, kalter Kater auf mein Bett und versuchte sich an meinen Füßen zu wärmen. Da meine Füße empört unter dem Deckbett verschwanden, verzog er sich letztlich in sein Körbchen.

Gegen halb acht erwachte der Kater und kletterte aus dem knarrenden Körbchen. Dies weckte den armen, vernachlässigten Hund, der umgehend Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit verlangte. (Dies tut er, in dem erreichbare Körperteile abschleckt oder, falls alle Körperteile in Sicherheit vor rosa Hundezungen gebracht wurden, durch genervtes Murren auf Kopfhöhe. Meiner Kopfhöhe, denn der Gatte ist mit allerliebster Tiefschlaf gesegnet.

Ich stand auf, zog mich an, kochte Kaffee und Tee, aß eine Scheibe vom Dresdner Christstollen und zerrte denn furchtbar müssen Hund vom Küchensofa zur Hunderunde.

Die Hunderunde habe ich in letzter Zeit sehr häufig geschwänzt, immerhin hatte die gesamte Familie Urlaub und insbesondere Töchterlein hatte große Lola-Sehnsucht und sehr viel Lust, die langen Morgenrunden zu übernehmen. Dass ich ziemlich außer Form bin, merkte ich nicht nur an kneifenden Klamotten, sondern auch als ich auf der Hälfte der Großen Steig pustete und schnaufte und mir ziemlich warm wurde. Ganz oben war es dann prima. Der leichte Nieselregen hörte auf, doch der Wind trieb dramatisch graue Wolken vor sich her und daran kann ich mich einfach nie sattsehen. Ich lief und lief, der Hund trabte fröhlich mit und nicht nur mein Schrittzähler, der während der letzten Wochen vor sich hingewimmert hatte, jubelte.

Wieder daheim spürte ich Oberschenkel und Waden, leider auch das rechte Knie, aber vermutlich werden ab nächster Woche, wenn die langen Runden wieder Routine sind, Muskeln und Gelenke wieder wie geschmiert laufen.

Der Große kroch aus dem Bett, wenige Minuten später zeigte sich auch ein gänzlich unverkaterter Gatte. Der Jüngste wurde zum gemeinsamen Frühstück geweckt, danach verzog ich mich ins Nähzimmer. Während ich dort vor mich hinwurschtelte sah ich zwei Folgen der Aufräumserie bei Netflix und weil ich aus dem Staunen und Lachen und Kopfschütteln nicht herauskam, beschloss ich bei Gelegenheit weitere Folgen zu schauen, um umfassend informiert einen längeren Text darüber schreiben zu können.

Um noch etwas Sinnvolles in den Tag zu packen, überredete ich den Gatten zu einem Besuch des Baumarktes, denn seit einem Jahr hängen verschiedene Farbmusterkarten in der Küche und vor ein paar Tagen habe ich mich für eine entschieden. Wir fuhren los, verabschiedeten vorher die Söhne, die zu wilden Dungeons&Dragons-Schlachten loszogen und vergaßen nicht mal die leeren Milchflaschen, damit diese auf dem Rückweg befüllt werden konnten. Ich widerstand im Baumarkt sämtlichen reduzierten Weihnachtsartikel! Sogar den Kerzen!

Weil sich das Wetter immer noch nicht zwischen Regen und Sonne entscheiden konnte, schalteten wir den Saunaofen an. Eine Stunde braucht dieser und in diese Stunde passte eine Tasse Kaffee (sogar ganz romantisch bei Kerzenschein), die Abendhunderunde (der Gatte) und das Aufhängen der neuen Vorhänge im Wohnzimmer (ich). Und ja, dieses IKEA-Gardinen-System mit den Röllchen, die in einer Schiene laufen, ist doof. Zum einen lassen sich die Haken nur unter brachialen Kraftaufwand in die Röllchen drücken und zum anderen musste der Gatte erst auf den Speicher kriechen und Holzbretten von oben gegen die Rigipsdecke schrauben, damit die Vorhangschiene samt Gardinen und Decke nicht runterkratzt. Ok, Letzteres ist kein IKEA-Problem, aber trotzdem lästig. Jetzt hängen die neuen Vorhänge und verhindern hoffentlich, dass man auf dem Sofa keinen Zug bekommt.

Die Sauna war heiß und ganz genau die richtige Idee für unausgegorenes Usselwetter. Ich hatte trotzdem schon nach zwei Gängen genug und nutzte die Zeit, die der Gatte für den dritten Gang brauchte, um ein Bananenbrot zusammenzurühren und in den Ofen zu schieben. Zusammen mit dem Gatten sorgte ich für ein feines Abendessen, eines für uns, eines für die Jungs, die beide zwar Rosenkohl mögen, aber irritierenderweise nicht in Kombination mit Maronen. Deshalb zauberte der Gatte Nudeln mit unserer neuen Lieblingsküchhenmaschine, dem Pastamaker. Von der Lasagne war noch Soße übrig, ein prima Abendessen für müde gekämpfte Söhne. Während der Essensvorbereitung kicherten wir uns gemeinsam durch zwei Folgen Aufräumserie und wissen jetzt, dass wir endlich super erwachsen sind, wenn wir gefaltete Waschlappen im Schrank liegen haben. (Ich muss da wirklich länger zu schreiben!

Mit Rosenkohl, Maronen und Riesling vom Schwabsburger Schloss zogen wir uns aufs Sofa zurück. Mittlerweile sind die Söhne da (hungrig, weil sie sich Nudeln mit Soße in eine Auflaufform geschichtet und mit Käse überhäuft haben und das Ganze brodelt nun im Backofen vor sich hin), das Bananenbrot duftet auf dem Tresen, das zweite Glas Riesling ist zur Hälfte geleert und ich weiß, dass ich morgen früh noch einmal ausschlafen darf, der Gatte rennt mit dem Hund.

So weit, so unspektakulär, so schön.

Geschafft.

Heute sind die Feiertage ganz offiziell vorbei. Das letzte Plätzchen ist verspeist, ein einziger Lebkuchen und ein kleiner Rest vom Stollen werden im Laufe des Tages verschlungen und dann möchte ich bitte zehn Monate lang weder Zitronat noch Rosinen in meinem Essen.

Das Töchterlein hat sich um sieben Uhr verabschiedet. Sie reist heute für drei Monate nach Gilching. Neue WG, neue Menschen und am Alleraufregensten: der Praxisteil ihres Studiums beginnt, sie darf mit Robotern spielen. Meine Vorstellung deckt sich da womöglich nicht ganz mit ihrer Realität, denn ich sehe sie mit irgendwelchen Joysticks und Fernbedienungen hantieren oder bäuchlings auf dem Boden liegend zuschauend, wie der Fischertechnik-Roboter auf wackeligen acht Beinen durch das Zimmer stapft … ich weiche ab. Letztlich wird sie sehr viel Zeit programmierend am Rechner verbringen. Es ist mir unverständlich, wie so etwas Spaß machen kann, aber ihr geht es genauso, wenn ich ihr erkläre, wie der Quilt aussehen wird, den ich ihr für ihr Mannheimer WG-Zimmer nähen werde.

Mit der Abreise der Tochter gehört das Haus wieder uns, das begrüße ich sehr. Selbst der freundlichste, liebenswerteste Besuch ist mir irgendwann zuviel, sitzt rum, wo ich gerade saugen will, hat seinen Kram rumliegen, wo er doch nicht hingehört und will ein Schwätzchen halten, wo ich doch gerade leergequatscht bin. In meiner Phantasie bin ich eine warmherzige Gastgeberin, die Ihren Besuch mit offenen Armen empfängt und über Wochen verwöhnt. In der Realität entgleitet mir die Warmherzigkeit nach etwa drei Tagen. Beim gemütlichen Abschiedsgespräch mit der Tochter zeigte sich dann aber, dass sie sich sehr wohl als Besuch empfindet, sich aber nicht hinausgedrängt fühlt.

Ab ungefähr Mitte des Jahres entspannt sich die Besuchssituation sowieso, denn dann wird es in der Grünen Villa ein echtes Gästezimmer geben. Der Große beendet dann nämlich seine Ausbildung und egal wo er was arbeitet – er wird ausziehen müssen, es ist allerhöchste Zeit. (Keine Sorge, wir streiten uns nicht! Er ist einfach so weit, Er kann sich versorgen und theoretisch seinen eigenen Haushalt führen, muss dies ja aber nicht tut, weil ich da bin. Das führt zu gewissen Unzufriedenheiten meinerseits und ach, es ist halt Zeit.)

Wann der Jüngste auszieht, ist sehr ungewiss, aber das eilt auch nicht. In drei Wochen hat er praktische Prüfung. Sollte er diese bestehen, wird er ziemlich sicher vom Ausbildungsbetrieb übernommen und dann kann Entspannung einsetzen. Und neue Ziele in Angriff genommen werden. Vielleicht macht er den Führerschein, vielleicht doch noch mal einen längeren Urlaub, vielleicht will er doch ausziehen. Es wird sich finden.

Jetzt steht hier beinahe etwas wie eine Jahresplanung. Das ist natürlich Quatsch, denn erfahrungsgemäß läuft das eh alles anders. Und eigentlich wollte ich wirklich nur rasch erzählen, dass das Familienfest gestern abend relativ früh endete, weil die Schwagerfamilie heute früh schon wieder abreist und ich bin wirklich froh, dass es nicht spät wurde. Ich bin keine Langschläferin und die Schlafenszeiten der letzten Wochen, die immer deutlich nach Mitternacht lagen, taten mir nicht gut. Deshalb: hallo langweiliger, spießiger „um elf Licht aus“-Alltag, ich freue mich, dass du wieder da bist. Kann noch jemand rasch das Küchenchaos der letzten Feier beseitigen?

Vorsätze?

Aber sicher! Die meisten beinhalten irgendwas mit „mehr“, viele beginnen auch mit „weniger“, alle so vage formuliert, dass sie mit reinem Gewissen einfach verschwinden können.

Tatsächliche Vorsätze sind:

  • keinen einzigen Vorsorgetermin, sei er noch so unangenehm, zu schwänzen. Auch nicht den beim Zahnarzt im Juni.
  • mich damit abfinden, dass ich kein kerngesunder Mensch mehr bin. (und das Jammern darüber möglichst gering halten)
  • Kochbücher nicht mehr nur lesen und anschmachten, sondern tatsächlich ganz viel daraus zu kochen
  • das Treppemhaus zu renovieren (Vorsatz seit etwa fünf Jahren, das Ding wird einfach nicht von allein hübscher)
  • nachsichtiger mit Menschen zu sein (nun ja. Herausforderungen halten jung.)
  • jeden Tag zu notieren, wieviele Kilometer ich mit dem Hund unterwegs war. Um es mal schwarz auf weiß zu sehen und um stolz darauf zu sein. Heute: null Kilometer. Der Gatte rennt die Morgenrunde, den Nachmittag übernimmt der Jüngste. Bisherige Kilometer in diesem Jahr: 5.07 km. (Migräne bremst mich)
  • bloggen (und das erstmal nirgendwo zu erwähnen)

Um dem letzten Punkt direkt abzuarbeiten:

Am ersten Januar ziehen wir gemeinsam mit den Kindern los und besuchen die Verwandtschaft in Nierstein. Angeblich ist das altes Brauchtum, der Verwandtschaft so lange Böller vor die Haustür zu werfen, bis diese sich mit Silvestergeld freikauft. (und irgendwie werden auch noch ein paar böse Geister vertrieben) Wir machen das schon so lange mit den Kindelein, dass ich nicht mehr weiß, ob es sich tatsächlich um Brauchtum handelt oder ob nicht womöglich wir Eltern die sehr viel jüngeren Kindelein unter diesem Vorwand (Böllern! Gegen Bezahlung!) aus dem Haus lockten. Wie auch immer das Ganze entstand, es besteht bis heute und bereitet uns allen große Freude!

Wir beginnen die Runde stets mit einem Besuch bei dem Bruder meines Schwiegervaters, der direkt um die Ecke wohnt. Mit Hilfe einiger Knallfrösche wurden Schwiegervaterbruder, seine Frau und der älteste Sohn der beiden aus dem Haus gelockt und weil es leicht regnete, wurden die Neujahres-Wünsche und sonstigen Neuigkeiten nicht im Hof ausgetauscht, sondern wir wurden ins „Sauställsche“ gebeten. „Kummt emol erinn!“ Das Sauställsche wurde nach Verzehr der letzten Bewohnerin zu einem hübschen Raum umgestaltet, in dem sich prima feiern lässt. Der Ofen bollerte, Plätzchen wurden auf den Tisch gestellt und die ganz alten Geschichten ausgepackt. Die Hochzeitsreise im Motorrad mit Beiwagen, der Flieger, der über Nierstein abgeschossen wurde und wie es als absolut ausreichende Sicherheitsmaßnahme durchging, Phosgen auf dem Balkon vor dem Labor zu lagern. Nach sehr viel Gelächter und wieder auf dem neuesten Stand, was unser Leben und das der Nachbarn angeht, verabschiedeten wir uns uns. Leider habe ich vergessen zu fragen, ob auch in diesem Jahr wieder ein Skiurlaub ansteht. Letztes Jahr flitzte der Schwiegervaterbruder noch mit großer Begeisterung die schwarzen Pisten hinunter (runner laafts jo vunn selbscht). Noch mehr Freude als das Skifahren selbst bereiten ihm aber vermutlich die entgleisenden Gesichtszüge der Menschen beim Skiverleih, denen er seinen Ausweis vorzeigt. Er wird dieses Jahr 89.

Der nächste Halt ist bei meinem Schwiegervater. Auch wegen seiner Schwerhörigkeit klingeln wir, damit er auch ganz sicher mitbekommt, dass ihm Böller vor die Tür geworfen werden. Immerhin wohnt er im vierten Stock. Gestern abend gab es neben den allerbesten Neujahrswünschen, dicken Umarmungen und Silvestergeld für die Kindelein einen wirklich widerlichen Sekt, für den er sich aufrichtig entschuldigte. (ein Geschenk vom alten Arbeitgeber, der zwar bekannt ist, aber das mit dem Wein und dem Sekt trotzdem nicht hinbekommt) Wir kippten den Sekt weg und bekamen stattdessen ein Glas Wein. Und ein paar Cracker. Da mein Schwager samt Familie seine Anreise für den Abend angekündigt hatte, verabschiedeten wir uns bald, damit meine Schwiegervater die Wohnung weiterhin besuchsfein machen konnte. (morgen kommen alle zu uns zum Essen und danach setzten die vagen „mehr“- und „weniger“- Vorsätze hier ein).

Die nächste Station war beim Bruder meiner Schwiegermutter. Der hat mich vor vielen Jahren als erster ganz offiziell in der Familie aufgenommen, in dem er von mir verlangte, ich möge ihn Duzen und beim Vornahmen nennen, allenfalls hieße ich für ihn nur „Kloakinnerschulstande“ (Kleinkinderschulstante). Dem Wunsch kam ich gerne nach. Ein weiteres Glas Sekt später sprachen wir, die wir sonst beinahe dialektfrei reden, fließend Niersteinerisch, knabberten uns durch mehrere Tüten Chips, Flips und Zwiebelringe und hielt uns die Bäuche vor Lachen. Wir lernten zum Beispiel, dass man frisch erlegten Lappingen immer ordentlich den Urin ausdrehen muss und wer weiß, wenn die große Zombie-Apokalypse kommt, kann man das ja vielleicht gebrauchen. „Lapping“ ist vermutlich ein Sprachüberbleibsel aus der französischen Besetzung, den „Lapin“=“Kanninchen“. Ich freue mich jedesmal, wenn ich wieder eines dieser Wörter oder gar eine ganze Redewendung höre. Es gab Geschichten über getrennte Betten, Silberrücken im Reisebus und Elefantenfleisch in Dosen beim Nutzkauf. Dazu Multivitaminsaft für die Kindelein, den diese nicht mögen, aber einmal im Jahr gehört er dazu.

Mit über einer Stunde Verspätung erreichten wir schließlich unser letztes Ziel. Mme Ouvrage und Herr Skizzenblog hatten feines Essen, noch mehr Sekt, Espresso und Käsekuchen, neue und alte Geschichten für uns, wir noch drei Böller für oder gegen irgendwas. Egal.

Hauptsache nächstes Jahr wieder.