Plagen und Folgen

Als ich heute morgen mit der Kaffeetasse in der Hand versonnen zu Decke schaute, sah ich sie: die Made. Ein kleine weiße Made. Total unschuldig. Unglücklicherweise zieht eine solche kleine Made eine gigantische Putzaktion nach sich, denn eine kleine Made bedeutet einen großen Befall von Mehlmotten. Und da diese Drecksviecher einfach überall sitzen können und ich jede Menge „überall“ in der Küche habe, stand mein heutiges Beschäftigungsprogramm fest.

Das Programm passte auch prima zu meinem eher etwas sinnlosen Aktionismus am Morgen, als ich rasch das Chilisalz in der Mühle nachfüllen wollte, dabei entdeckte, dass auch der ungarische Paprika fast aufgebraucht und wieder befüllt werden kann, die Dosen mit Kreuzkümmel und Kurkuma ziemlich klebrig sind und überhaupt, wie sieht denn die Gewürzkiste aus … und ich plötzlich den gesamten Tresen vllgeräumt hatte, zwei Minuten vor acht. Um acht wartete die Mittwochsrundenfreundin auf mich und somit ließ ich alles stehen und liegen und verdrängte das „ich mag gar kein Chaos in der Küche, wenn ich das Haus verlasse“-Gefühl.

Um kurz nach zehn war ich wieder daheim, im Chaos und in Madengesellschaft. Zuerst sortierte ich Gewürze, wusch und wischte Gewürzdosen und das Gewürzdosenregal ab, überlegte, warum ich ein sehr großes Glas Kümmel habe, wo doch niemand im Haus Kümmel mag und wagte mich dann an die Schublade mit den Backzutaten (Mandeln, Nüsse, Schokolade etc.) und Trockenvorräten (Linsen, Quinoa, Hirse, etc.). Erfreulicherweise erfolglos.

Im Vorratsregal wischte ich das gesammte Plastikdosensortiment ab und füllte bei der Gelegenheit Reis (Mich- und Risottoreis) wieder auf und beschloss, dass nächste Woche ein Risotto auf den Kochplan muss.

Im Regal darunter wurde ich dann fündig. Hinter den Gläsern mit Hafeflocken (grob und blütenzart), gepufftem Amaranth. Cashewkernen und geknackten Walnüssen stand ein Dose mit Weetabix samt einer sehr aktiven Mehlmottenpopulation. Urx. Immerhin war damit die Suche (hoffentlich) schnell beendet, das Regal ausgewischt und weil ich schon mal dabei war, sortierte ich noch rasch meine Teevorräte aus und trennte mich von den ganzen merkwürdigen Einzelbeuteln, die sich seit drei Tee-Adventskalendern hier angesammelt haben. Alle Grünteesorten, alles mit Fenchel, Anis oder Salbei.

Weil ich immer noch so drin war, sortierte ich diese eine Schublade, in der ein wildes Gewühl aus diversen Folien und Gefrierbeuteln liegt, garniert von Haushaltsgummis in allen Größen, Verschlussclipps und diesen weißen Plastikstreifen mit Draht, die man garantiert niemals braucht, aber doch immer aufhebt. Ich hab sie heute weggeschmissen, endlich.

Jetzt ist die Küche wieder ordentlich! Allerhöchste Zeit, ihr wieder ein neues Kleid zu spendieren, die Lackdose mit verheißungsvollem Inhalt steht im Flur!

 

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Einen kleinen Anfall von Hausfraulichkeit am Nachmittag nutzte ich, um mir ein bißchen Chai-Sirup zu kochen. Chai Latte mag ich im Winter nämlich sehr, gerne auch als Alternative zu Nachmittagskaffee mit Keks oder Schokolade, weil Süßgier.

Für den Sirup koche ich in einem Liter Wasser ungefähr zehn Beutel (oder eben die entsprechende Menge an losem) Darjeeling, zusammen mit einem guten Stück in Scheiben geschnittenem Ingwer, einigen Kardamomkapseln, ziemlich viel Pfeffer, ein bißchen Muskat, Zimt nach Laune und einem Schuss Vanilleextrakt. (wer mag, kann auch noch Sternanis und/oder Nelken und/oder Zitronen- oder Orangenzesten mitkochen.) Ich koche auf und lasse dann eine Viertelstunde ziehen. Das Gebräu wird durch einen Teefilter abgegossen, mit etwa 200g Zucker und etwas Honig zu Sirup eingekocht und heiß in saubere Schraubgläser eingefüllt. Angebrochene Schraubgläaser bewahre ich im Kühlschrank auf! Am Besten schmeckt der Sirup in heißer, evtl. zu Schaum geschlagener Milch, ein Schwapps genügt.

Tja. Und genauer wird das Rezept nicht, spielen Sie einfach 🙂

 

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Weil Sie nach Rezepten oder verschiedensten Artikeln fragten: ich habe ganz viel vom alten Blog freigeschaltet, jeden Tag ein bißchen mehr, denn ich muss alles nochmal durchlesen und mich dann entscheiden, ob mir das damals Geschriebene nun sehr peinlich ist oder ob ich es gerade noch aushalten kann. Für Leser, die hier ganz neu sind, dies ist das alte Blog: Frau Mutti

Entweihnachten

Das Weihnachtsschnickeldi ist ordentlich wieder in Kisten und Kästen verpackt und im Regal in der Halle verstaut. Und weil ich dieses Jahr besonders streberhaft bin, sind die Lichterketten auf leere Klopapierrollen gewickelt. Die noch streberhaftere Tochter hat die defekten Lämpchen mit Maskingtape markiert, so dass sie leicht ausgetauscht werden können, der organisierte Gatte hat direkt neue bestellt. Wir sind für die nächste Weihnachtszeit gerüstet!

Vor ein paar Jahren habe ich übrigens beschlossen, dass wir nun genug Weihnachtsschnickeldi besitzen und ich wirklich, wirklich nichts Neues mehr kaufen muss. Diesen Entschluss habe ich beinahe gut eingehalten, denn unglücklicherweise werde ich schon ab August den allerschlimmsten Verführungsversuchen ausgesetzt! Im August beginnen wir nämlich das Weihnachtssortiment für den Weltladen zusammenzustellen. Während man bei dreißig Grad auf der Terrasse sitzt, lässt es sich prima prahlen, dass diese entzückenden Kugeln, diese filigranen Glasornamente oder diese witzigen Schallplattenengel toll anzusehen sind, dass die eigenen Schnickeldikisten aber ausreichend befüllt sind. Wenn ich dann kurz vor dem ersten Advent den Weltladen einmal komplett auf Weihnachten krempele und gleich drei Weihnachtsbäume für die Schaufenster schmücke, kommt meine Entschlossenheit stark ins Wanken und wenn dann womöglich aus dem Vorvorjahr ein Glitzerengel übrig ist, so ganz ohne zugehörige Krippe oder Glitzerengelfreunde und er deshalb auch noch reduziert wird … naja. Glitzernde Engel müssen gerettet werden.

Grundsätzlich halte ich mich aber an meinen Vorsatz und es ist ja auch so, dass die Grüne Villa nicht größer wird oder sich neue Fenster wachsen lässt. Irgendwann ist alles voll. Obendrein versuche ich diese Nachhaltigkeitssache ein bißchen hochzuhalten und dazu gehört eben auch, nicht jeder Versuchung, jedem Kaufimpuls nachzugeben. Mit Klamotten und Schuhen klappt das schon seit Jahren gut, die anderen Bereiche meines Lebens sollen da nun endlich nachziehen. Mein Klamottenkaufverhalten hat übrigens nicht nur dazu geführt, dass mein Kleiderschrank übersichtlich ist, sondern auch dazu, dass ich beinahe nur Kleidungsstücke besitze, die ich sehr mag und wertschätze.  Außer in akuten, womöglich hormongebeutelten „ich hab nie irgendwas Schönes anzuziehen“-Phasen hat sich mein Tagesbeginn damit erheblich erleichtert. (und mittlerweile ist es mir ziemlich egal geworden, was gerade Mode ist. Hauptsache ich finde noch irgendwo Ersatz für zerfallende Lieblingsteile gibt.)

Vor der absoluten Nachhaltigkeits-Heiligsprechung gibt es aber noch eine Menge zu unterlassen. Spontan Geschirr zu kaufen, beispielsweise. Oder zu lernen, dass es kein bißchen schlimm ist, wenn ich nicht für zwölf Personen einheitlich den Tisch zu decken. Herrjeh.

Nähkästchenplauderei

Gestern zeigte ich bei Instagram meine eifrig im Garten helfenden Söhne und schrieb dazu, dass diese das doch freiwillig und freudig tun. Daraufhin wurde ich gebeten zu verraten, welche Zaubertricks ich da früher wohl angewandt hätte. Dann will ich das mal tun, die Tricks verraten, aus dem Nähkästchen plaudern.

Das Geheimnis lautet schlicht: Bedürfnisorientierung!

„Huch, Frau Mutti!“, werden Sie vielleicht jetzt anmerken, „Das gab es doch damals, vor 15, 20 Jahren, noch gar nicht, das ist doch eine Erfindung der jungen Mütter von heute!“

Doch, doch, muss ich dann leider einwenden, das gab es damals schon, aber es war alles ein bißchen anders. Aber der Begriff passt doch so prima, deshalb muss ich ihn verwenden. Das war nämlich, am Thema Gartenarbeit festgemacht, so:

„Kindelein,“, so sprachen wir Eltern, „unser aller Garten verwildert, da müssen wir ran. Der Sommerflieder muss runtergeschnitten, der Rasen gemäht, Brennnesseln gejätet, ein Stück umgegraben und außerdem müssen Straße und Terrasse gekehrt werden. Wer übernimmt was?“

Nach manchmal hitziger Diskussion hatte jeder, auch wir Eltern, eine oder mehrere Aufgaben. Wir gingen zusammen raus, arbeiteten gemeinsam und am Abend wurde gegrillt oder es gab Pizza vom Italiener.

Und was hat das jetzt mit Bedürfnisorientierung zu tun? Immerhin hatten die Kindelein sicherlich nicht das Bedürfnis im Garten zu schuften, sondern hätten doch viel lieber gespielt, gebastelt, sich mit Freunden getroffen?

Nun, das war zuerst mal das Bedürfnis des Gartens. Der musste in Ordnung gebracht werden, damit er weiterhin ein Ort der Freude und Erholung für uns alle sein konnte. Dann war da mein Bedürfnis, dass diese Arbeit zügig verrichtet wird. Nicht von mir alleine, denn es handelt sich ja um unseren Garten und mal ehrlich: alleine würde ich das nicht schaffen. Und das Bedürfnis des Gatten, mit allen gemeinsam etwas zu unternehmen. Das kann auch gemeinsames Arbeiten sein.

Ja, die Kindelein waren nicht begeistert von der Aussicht auf einen langen, arbeitsreichen Tag im Garten und hätten wir uns nach der modernen Bedürfnisorientierung gerichtet, wären wir vermutlich gemeinsam ins Kino gegangen. Das hätte die Kindelein sehr glücklich und zufrieden gemacht und im Kino sieht man ja auch den verwildernden Garten nicht.

Stattdessen haben die Kindelein

– einen ganzen Tag draußen verbracht

– sich körperlich verausgabt

– gelernt, sich bei der Aufgabenverteilung zu einigen

– Zeit mit uns verbracht

– Erfolgserlebnisse nach getaner Arbeit gehabt

– sehr viel über Gartenarbeit gelernt

– sehr viel über Pflanzen und Insekten gelernt

– mit uns am Abend zusammen das besondere (Belohnungs)Essen genossen

– und obendrein eine große Portion „gemeinsam haben wir echt was gestemmt“ bekommen

Ziemlich viel von dem was so ein Kind halt so braucht und lernen können sollte, ziemlich viel Bedürfnisorientierung, nebenbei.

Wir hatten, neben einem ordentlicheren Garten,

– einen wunderbaren Tag mit unseren Kindern verbracht

– viel erzählt bekommen, denn wenn die Hände beschäftigt sind, lockert sich die Zunge

– uns über unsere geschickten, freundlichen Kinder gefreut

Jedesmal wenn ich aus dem Nähkästchen plaudere, nenne ich unser Erziehungskonzept „bestechen, bedrohen, erpressen“, weil das klingt total witzig und provokativ gleichermaßen, doch im Grunde genommen stimmt das natürlich nicht. Wir haben gefordert und verlangt, waren (und sind) nervig und anstrengend. Gleichzeitig haben wir immer erklärt, warum wir alle zusammen für etwas arbeiten. Für _unser_ Haus, für _unseren_ Garten, für _unser_ gemeinsames Leben. Alle packen mit an und hinterher gibt es Kuchen. Oder Eis. Oder einem Film. Oder Döner. Egal, Belohnung und genießen für alle.

Das fing früh an mit „du räumst deine Bauklötze in die Kiste, ich wische Staub. Dann lesen wir ein Buch.“ Ging über „Ihr räumt eure Zimmer auf und saugt sie, ich putze in der Zwischenzeit das Bad und kehre die Treppe.“ Und heute heißt es „Du saugst durch, du gehst mit dem Hund und ich gehe einkaufen.“ Oder wir zählen auf was getan werden muss, und dann suchen wir uns halt etwas aus. Natürlich war das oft ganz platt schlimm verpönte „wenn-dann“-Erziehung, denn manchmal gab es auch kein „dann“, weil das „wenn“ nicht erledigt worden war und dann passt ja „bestechen, bedrohen, erpressen“ wieder.

Wir wollten vermitteln, wie es funktioniert, dass sich alle Familienmitglieder gleich wohl fühlen können. Das klappt nur, wenn die Bedürfnisse eines jeden Familienmitglieds berücksichtigt werden. Nicht zwangsläufig gleichzeitig. Das ist uns, glaube ich, ziemlich gut gelungen. Sagen auch die nun erwachsenen Kindelein.