Beginnen wir 2018 mit falschen Entscheidungen

„Es ist ja nur Bauchweh, da muss ich nicht zum Arzt!“, sagte ich am 2. Januar zum Gatten.

„Bauchweh und ein bißchen Fieber, aber wenn ich liege ist es ja ok, ich muss nicht zum Arzt!“, sagte ich am 7. Januar zum Gatten.

„Heute morgen geht es mir schon ein bißchen besser, glaube ich, und außerdem sitzen Montagmorgen immer furchtbar viele Menschen beim Arzt. Aber wenn es mir später schlechter geht, laufe ich direkt zu Dottore!“, sagte ich am 8. Januar zum Gatten.

Und das tat ich dann auch. „Wenn ich hier drücke, tut es weh und wenn ich laufe, dann tut es sauweh. Außerdem hab ich Fieber und wenn ich ganz ehrlich bin, dann tut es sausausauweh.“ Dottore fand das besorgniserregend, denn ich bin kein bißchen wehleidig und schnell Fieber zu haben gehört auch nicht zu meinen Kernkompetenzen. Und weil sein Ultraschallgerät alt ist und nur grisseligen Schnee zeigt, das Labor für eine Blutuntersuchung schon Feierabend hatte und ich wie ein Fragezeichen vor ihm auf dem Stuhl saß, schickte er mich ins Krankenhaus.

„Wenn ich da hinkomme, ziehen die dann die Augenbrauen hoch, weil eine Frau mit „nur“-Bauchschmerzen auf der Matte steht?“, fragte ich Dottore und er erwiderte sehr deutlich, dass ich mit unklarem, akutem Abdomen mit Fieber kein bißchen simulierungsverdächtig oder gar hypochondrisch erscheinen würde. Denn, nochmal ganz ehrlich, aus genau diesen Gründen ging ich nicht früher zum Arzt oder am Wochenende in die Notfallambulanz: sind ja nur Bauchschmerzen, da werde ich ja ausgelacht.

Ich packte mir daheim rasch eine Kliniktasche, so für alle Fälle und stellte mich auf eine sehr lange Wartezeit ein, an deren Ende ich einem gestressten Arzt gegenüberstehen würde, der mich mit meinen „nur“ Bauchschmerzen höhnisch lachend heim schicken würde. Ja, so ticke ich.

In der Uniklinik hatte ich mich noch nicht richtig angemeldet, als ich auch schon zur Blutabnahme geholt wurde. Vor allen anderen im Wartezimmer, das war mir sehr unangenehm und gleichzeitig dämmerte mir, dass „nur“ Bauchschmerzen vielleicht schlimmer sind, als ich das mit meinem profunden Arztserienwissen beurteile. Nicht lange nach der Blutabnahme untersuchte mich eine Ärztin und weil auch der Klinik-Ultraschall ein bißchen grisselig und obendrein auffällig war und auch die Entzündungswerte im Blut sehr hoch, schickte sie mich weiter zum Kontrastmittel-CT.

Dort musste ich dann tatsächlich länger warten, aber Menschen auf Bahren, an denen hektisch Monitore blinken und piepen, lasse ich nur allzu gerne den Vortritt. Und natürlich auch deshalb, weil ein Kontrastmittel-CT des Darms bedeutet, dass dieser mit Kontrastmittel befüllt wird. Nein, das trinkt man nicht, das gibt einen hübschen Einlauf. (den letzten Einlauf habe ich in warmer Erinnerung! Er wurde mir kurz vor der Geburt des Großen verabreicht und als er drin war, sagte die Hebamme: „So, Frau … äh … Mutti, jetzt kniepen sie mal zwanzig Minuten. So lange können sie sich ja in die Wanne setzen.“ Wer jemals einen Einlauf hatte und womöglich sogar alle drei Minuten Wehen dabei, der kann vielleicht nachempfinden, dass ich echt nicht entspannt war.)

Gestern abend war ich auch nicht sehr entspannt, aber was sein muss, das muss halt sein und so ließ ich mir sehr kaltes Kontrastmittel in den Darm einlaufen. Ich wurde in die Röhre geschoben, musste tief einatmen, Luft anhalten und weiteratmen und dann wurde mir noch mehr Kontrastmittel verabreicht, diesmal direkt in die Vene. Das ist nicht nur gemein schmerzhaft, mir wurde augenblicklich sehr, sehr heiß und ich hatte einen widerlichen Geschmack im Mund. Tief einatmen, Luft anhalten, weiteratmen, raus aus der Röhre und mit einem doppelten Salto auf die Toilette, den Schließmuskel entlasten.

Ich durfte mich wieder anziehen und sollte zurück in die Notfallambulanz. Doch vorher fing mich ein hektischer Arzt mit der Frage „Wann waren sie zum letzten Mal bei ihrem Gynäkologen?“ ab. „Vor einem halben Jahr und am Freitag habe ich einen Termin zur Krebsvorsorge, warum?“ An meinem linken Eierstock sei eine sehr große Zyste, ob die damals schon dagewesen sei? War sie nicht und das ist echt doof, weil solch eine Zyste hat mich schon mal zehn Tage in die Klinik gebracht. Aber erstmal egal, ich war ja wegen „nur“Bauchschmerz da, das mit der Zyste sollte ich mit dem Gynäkologen klären.

In der Notaufnahme wartete bereits ein Arzt auf mich, der mich nach allen Regeln der Kunst zusammenfaltete und ausschimpfte, warum ich denn so lange gewartet hätte? Ein Stück des Darms ist entzündet und es gibt freie Flüssigkeit an dieser Stelle. Da müsse man direkt mit Penicillin dran, über Tropf und deshalb muss ich auf die Station und hoffentlich schlägt das an, sonst muss operiert werden und dann hätte ich erstmal einen künstlichen Darmausgang und warum nur sind sie nicht früher zum Arzt, sie haben doch Schmerzen? Und dann nickte ich nur noch und als der Gatte weg war, um mich anzumelden und der Arzt auf seinem schon irgendwie berechtigtem Wutwölkchen davongewirbelt war, musste ich ein bißchen weinen. Es waren doch „nur“ Bauchschmerzen und es fühlte sich noch immer nicht nach mehr an. Schmerzen sind irgendwie nicht so schlimm.

Der Gatte brachte mich auf die Station. Man hängte mir eine Kochsalzlösung, das Penicillin und ein kontinuierlich nachpumpendes Schmerzmittel an den Zugang, Essen und Trinken erstmal verboten.

Als der Gatte weg war und das Schmerzmittel tat, was es sollte, da merkte ich dann, dass ich wohl wirklich krank bin. Erst als die Schmerzen weg waren, habe ich gespürt, wie heftig sie mich gebeutelt haben. Verrückt.

Die Nacht war prima, ich war erschöpft und schlief großartig und heute morgen gab es eine Extradosis Schmerzkiller, die bekomme ich nun alle vier Stunden. Seit der Visite weiß ich nun, dass man mich auf „Divertikulitis*“ behandelt und dass das Penicillin sehr dringend anschlagen muss, sonst komme ich um eine Operation nicht herum.

Ich habe also beschlossen, dass ich jetzt brav gesund werde, schon allein deshalb, weil ich ja am Freitag mit meinem Gynäkologen die Zystensache klären muss.

Und jetzt: gesund schlafen! Bis bald, immer die Ihre. Schön, dass Sie (wieder) da sind.

*ich bin zu jung, zu schlank, zu sportlich für diese Erkrankung, aber ich hab ja schon immer ein Faible dafür, mich nicht an die Vorgaben zu halten.

28 thoughts on “Beginnen wir 2018 mit falschen Entscheidungen

  1. Daumen sind beide fest gedrückt, dass alles mit dem AB wieder gut wird und sich dann der Gesamtzustand wieder der positiven Seite zuwendet. SIE SCHAFFEN DAS! Herzlich, Sunni

  2. Gute Besserung. Ganz schnelle Besserung.
    Und ich halte die fingers crossed quasi für das Anschlagen der Antibiose und wegen „keine OP nötig“ und Termin am Freitag machbar.

    Außerdem ganz viel Kraft. So ein Mist nimmt ja auch emotional mit.

  3. Ohweh, ohweh, da wünsche ich Ihnen schnelle und gute Besserung….Und es kommt mir so bekannt vor. Habe ich Ende November/ Anfang Dezember 2 Wochen mit bösem Husten und 40 Fieber gelegen….Immer wieder hab ich gesagt, das wird besser, war auch brav beim Arzt und habe nach ganz ganz vielen Wiederworten Antibiotika genommen… Bis mich der Mann wieder zum Arzt schlief, weil das Fieber blieb. Ich fand mich dann im Krankenhaus wieder mit einer schweren Lungenentzündung o.O Ich bin auch nicht wehleidig oder gar der Typ, der krank sein mag und gern zum Arzt geht….Aber manchmal muss das sein! Nun also flink gesund werden und ganz viel Ruhe gönnen 🙂 LG, Bea

  4. Liebe Frau Mutti,
    es tut mir leid, aber ich musste bei Ihrem Text doch etwas schmunzeln.
    Einfach, weil ich selbst schon mit „nur“ Bauchschmerzen in der Notaufnahme saß und der Arzt beim Anblick meiner Blutwerte fast vom Stuhl fiel. Zumal ich ihm vorher noch mitgeteilt hatte, dass ich mein Auto noch umparken müsse, wenn es etwas länger dauern sollte. Unter der OP stellte sich ein perforierter Blinddarm heraus. Was der Chirurg dann nach der OP zu mir sagte, können Sie sich jetzt vermutlich denken…
    Ich wünsche Ihnen schnelle Besserung und drücke die Daumen, dass Ihnen eine OP erspart bleibt!

  5. Frau Mutti! (Zeigefinger erhoben!) Als ich Ihre Infusions-Kombi da so in Instagram hängen sah, dachte ich sofort: Oha, Divertikulitis? Denn damit hatte sich mein Gatte letztes Jahr Anfang Oktober ebenfalls ins Krankenhaus begeben – mit tatütata und allem Drum und Dran.
    Ihre Geschichte liest sich…. sagen wir… identisch!
    Dann seien Sie mal schön brav. Die Röcke zwicken bald von selbst nicht mehr, das wäre also schon mal erledigt. Und ich wünsche Ihnen ein „baldiges Greifen“ des Antibiotikums, dann dürfen Sie in ein paar Tagen auch wieder nach Hause spazieren.
    Wieso müssen mich meine Mitmenschen eigentlich immer so erschrecken?
    Alles erdenklich Gute für Sie! Das wird wieder!

    LG anabel Lisa 😉

  6. Liebe Pia,
    mach dir bloß keinen Kopp wegen „es sind doch bloß Bauchweh, da will ich den Doktor nicht stören“. Laut Aussage des künftigen Schwiegersohns in der Chirurgie schlagen dort die Leute nachts um 3 Uhr wegen „ich hatte seit drei Tagen keinen Stuhlgang“ auf.
    Ich wünsch Dir baldige beste Besserung ohne OP, liebe Grüsse Brigitte
    P.S. Therapiemittel der Wahl bei obigen Patienten ist dann die Verabreichung eines kräftigen Abführmittels, damit sie auf dem stillen Örtchen in Ruhe darüber nachdenken können, was das Wort „NOTaufnahme“ bedeutet.

  7. Liebe Frau Mutti,

    nun bin ich ob der Bauchgeschichte erschüttert und angesichts des erfreulichen „Wiedersehens“ im neuen Gewand so ganz unsicher, ob ein fröhliches „Gute Besserung, wie schön, dass es schnickeldi gibt“ sehr unangebracht ist … aber so wie ich Sie in den ganzen Jahren kennengelesen habe, passt das schon! Drücke feste die Daumen, das wird ganz bestimmt!!

  8. Liebe Pia,
    dann will ich mich mal einreihen: Ganz viel gute Besserung und auf dass die „Schwammerl“ helfen!
    Und dann natürlich: Hurra, Sie schreiben wieder! Was hab‘ ich Sie vermisst! Auf ganz viel Gesundheit und viele Blogposts in 2018 und danach.
    Herzliche Grüße aus Regensburg
    Barbara

  9. Gute Besserung und gutes Gelingen, auf daß eine OP vermeidbar bleibt!
    (Ich hätte ja auch so lange gewartet, obwohl ich durch eine ganz üble Darmgeschichte in der Familie gewarnt sein sollte.)

  10. Liebe Frau Mutti, ich habe mir echt Sorgen gemacht bei den Instsgramfotos vom Haferbrei, berechtigterweise wie ich nun lese. Keine Krankengeschichte von mir. Nur ganz gute Besserung! Ihre Britta

  11. Liebe Pia!
    Zum Glück hat der Arzt schon mit Dir geschimpft. So kann ich mich über Deinen neuen Blog freuen.
    Die Daumen sind ganz fest gedrückt, damit Dir die OP erspart bleibt.
    Alles, alles Gute!!

  12. Ich würde sehr gerne blöde Witze machen mit Redaktionsplan und perfekter Terminierung aufmerksamkeitsstarker Themen fürs neue Blog, aber dazu schmerzt mich mein Herz zu sehr vor Mitgefühl. Bitte ganz schnell gesund werden, das braucht echt niemand.

  13. Ich freue mich sehr, wieder etwas von Ihnen zu lesen, aber SOO dramatisch hätte es ja nun nicht gleich sein müssen. Mir reichen im Zweifel die kleinen Geschichtchen aus dem Alltag – Sie müssen für Ihre Leser nicht einen zusätzlichen Spannungsbogen einbauen (winkt zu Frau Brüllen).

    Nein ernsthaft: Das liest sich nach großem Mist und ich wünsche, dass die Schmerzmittel helfen, dass Penicillin schnell anschlägt und Sie bald wieder aus dem Nähzimmer bloggen können.

  14. Gute schnelle Besserung ohne OP und allem!

    (Und ich, ich geh jetzt mal in mich. Mit komischem, unbekannten Bauchschmerz zwar erst seit Sonntag und den haar genau selben Gedanken – mit „nur“ Bauchschmerz zum Arzt? Quatsch. In Nacht und Morgen dann subfebrile Temperaturen (aber hey, 38, das ist eben subfebril und doch kein Fieber!) und natürlich schlich ich durch den Arbeitstag. Mit nun ja – Bauchschmerz.

    Also vielleicht darf – sollte – man mit Bauchschmerz dann doch zum Arzt.)

    (Trotzdem schön, hier zu lesen :-))
    Lieben Gruß,

    FrauNebeL

    • Ich hab ja in der Zwischenzeit immer noch nicht Medizin studiert, aber trotzdem was gelernt und deshalb bin ich jetzt Fan von „lieber doch abklären lassen“. Alles Gute Ihnen!

  15. Gute und schnelle Besserung für Sie, auf dass alles schnell wieder gut werde.
    Und schön, dass Sie wieder da sind. Ich habe Sie vermisst!
    Herzlichst Petra

  16. Schön wieder von Ihnen zu lesen. Nicht schön ist Ihr Krankenhaus Aufenthalt. Beide Daumen sind gedrückt. Gute Besserung LG Andrea aus Bonn

  17. Ja, auch mit Bauchschmerzen darf man zum Arzt, aber das wissen Sie ja jetzt. Gute Besserung; ich drücke alle Daumen, daß eine OP nicht nötig sein wird.

  18. Herrjemineeeee….. Schnelle und gute Besserung auch von mir! Ihre Geschichte kommt mir fast autobiographisch vor. Deshalb von mir der Hinweis: Alles wird gut!

  19. Unbekannterweise aber trotzdem von ganzen Herzen, wünsche ich Ihnen, dass die Medikamente bald anschlagen oder schon angeschlagen haben und Sie ohne Eingriff genesen. Bis dahin frohen Mut und Geduld.

  20. Liebe Frau Mutti,
    es wurden schon so viele gute Wünsche und nette Sachen gesagt, dass ich mich all dem nur anschließen kann. Das Thema „Sind ja nur Bauchschmerzen“ ist wohl ein typisches Frauenthema, wir fühlen uns erst krank-sein-berechtigt, wenn mindestens der Kopf ab ist. Alles Gute, auf dass es bald wieder besser sein möge und in die Mottenkiste der Erinnerungen abwandern kann. Ach ja: Ich freue mich soooo, dass Sie wieder da sind.

    Gute Besserung
    PaulineM

  21. Liebe Fr. Mutti,
    inzwischen geht es schon wieder aufwärts, Gott-sei-Dank, aber die Unsicherheit bleibt ja noch erhalten…alles Gute, die nötige Gelassenheit und das Quentchen Glück, dass es bei diesem Mega-Schrecken zum Jahresanfang bleibt!
    Natascha
    PS: Wie schön, dass Sie wieder bloggen. Wenn Sie die Kommentare ärgern, bitte die Kommentarfunktion abstellen, aber nicht Ihr erfrischendes Schreiben!

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