Bienchen und Blümchen

Vor ein paar Tagen versprach ich eine ausführliche Liste, wie ein Garten bienen/insektenfreundlich bepflanzt werden kann. Was ich hiermit tue. Vorangestellt sei, dass nicht alle Pflanzen auf dieser Liste auf jedem Boden zu jeder Bedingung wachsen. Oder dass diese Liste vollständig ist. Doch sie ist ein Anfang, ein kleiner Einstieg, vielleicht auch eine Ermutigung, um unsere Gärten wieder in summende, brummende Farbkleckse zu verwandeln, in denen nicht nur Insekten, Falter, Vögel und Kleinsäugetiere glücklich sind, sondern letztlich auch wir Menschen. (ich stelle mir immer vor, ich müsste meinen Nachmittagskaffee zwischen Gabionen und Kirschlorbeerhecke trinken und ach – das wäre schon kein bißchen schön.

Ein bepflanzter Garten ist in der Anfangszeit arbeitsintensiv, denn frischgepflanzte Stauden wollen gegossen und gehätschelt werden, Gesätes muss im Auge behalten werden, denn wenn es zu dicht wächst, erstickt es sich gegenseitig. Viele Stauden sind teuer, es lohnt sich, ein Auge auf „alles muss raus!“-Angebote zu haben. Angetrocknete Stauden erholen sich nach einem Tag im Wasserbad ganz prächtig und gedeihen eingepflanzt meist wundervoll. Ein neu angelegter Garten sieht ein bißchen traurig aus, weil ein paar einzelne Stauden eben immer traurig aussehen. Wenn wir an bienen/insektenfreundliche Gärten denken, dann sehen wir immer diese überbordenden Farbprachten vor uns, diese Bauerngärten unter blauem Himmel, samt Gärtnerin in Latzhose und Strohhut. Bis es so eingewachsen ist und üppig blüht, vergehen drei Jahre. Die Stauden brauchen Platz, doch die Lücken dazwischen werden von Jahr zu Jahr kleiner und keine Staude nimmt es übel, wenn die Lücken mit blühenden Töpfen oder einjährigen Saatpflanzen gefüllt werden.

Die vermeintlich pflegeleichten Kies- und Schottergärten sind übrigens nur drei, vier Jahre lang pflegeleicht. Danach siedeln sich Pionierpflanzen und Spontanvegetation an, die genauso mühsam gezupft und gejätet werden müssen, wie in einem bepflanzten Garten. Ohne das Erfreuen an Farbe und Leben. Dies nur nebenbei.

Die Bienen kriechen an den ersten warmen Tagen aus den Stöcken und schauen sich mal um, vermutlich haben sie auch Lust auf was Frisches oder die Vorräte sind schon ganz schön knapp, deshalb ist es nicht schlecht, wenn es schon ein bißchen blüht. Wir Menschen finden das ja auch super, diese ersten Farbkleckse nach dem Wintergrau.

Jetzt im Herbst kann man prima Blumenzwiebeln/knollen pflanzen:

Schneeglöckchen, Märzenbecher, Winterlinge, Blaustern und natürlich Krokus.

Wer Platz für Hecken hat, der macht Bienen im Frühling mit Hasel, Blutjohannisbeere, Weißdorn, Felsenbirne, Weide, Weigelia, Heckenrose, Liguster und/oder Schlehe Freude! (und einige mehr!)

Alle Obstbäume sind prima, Beerensträucher ebenfalls. Auch für die Gartenbesitzer, die dann ernten dürfen.

Löwenzahn, Lungenkraut, Scharbockskraut, Raps, Akelei, Vergissmeinnicht, Butterblumen, Taubnesseln, Gänseblümchen. Einmal im Garten etabliert, wachsen und gedeihen sie zuverlässig und sind allerbestes Bienenfutter. Dass manch eine von ihnen „Unkraut“ genannt wird, ist eigenlich eine Unverschämtheit!

Für den späteren Frühling kann man Bergenien pflanzen. Die blühen sogar im Herbst noch einmal! Steinkraut/Duftsteinrich und Blaukissen gibt es in weiß, rosa und lila, sie wachsen überall, sogar in Terrassen/Balkonkästen und sind damit eine prima Alternative zur üblichen Kastenbepflanzung, die meist keinerlei Nutzen für Bienen/Insekten hat.

Tulpen, Hornveilchen, Stiefmütterchen, Narzissen und Primeln – unsere geliebten Frühlingsboten – sind weitestgehend nutzlos als Bienenweide, in meinem Garten möchte ich sie trotzdem nicht missen. Aber eben nicht als ausschließliche Bepflanzung.

Zum Sommer hin wird es leichter für die Bienen!

Für Balkone und Terrassen bieten sich verschiedenste Kräuter (Thymian, Oregano, Majoran, Salbei, Minze, Rosmarin, Bohnenkraut, Zitronenmelisse) an! Die blühen nicht nur schön und insektenfreundlich, die Blüten lassen sich ja auch verzehren. Win-win! Toll ist Borretsch im Garten! Bei mir will er nicht so richtig, der schwere Ton/Lehmboden bekommt ihm nicht, vielleicht haben Sie ja mehr Glück? Wenn er etabliert ist, sät er sich aus und marodiert munter durch die Beete. Genauso wie Ziersalbei und Kapuzinerkresse, die sich überall dort ansiedeln, wo sie ein bißchen Platz finden.

Phlox, Indianernessel, Rittersporn, Königskerzen, türkischer Mohn, Muskatellersalbei, Sonnenhut, Eisenkraut, Flockenblume, Lavendel sind größtenteils mehrjährige Stauden, die reichlich Futter bieten.

Im Garten wachsen und blühen lassen sollte man auch Klee, Storchenschnabel, die eine oder andere Klette oder Distel. Phacelia ist nicht nur eine Bienenweide, sondern gleichzeitig ein wunderbarer Gründünger.

Wer Gemüse anpflanzt, macht Bienen mit Gurken-, Zucchini- oder Kürbisblüten glücklich. Rharbarberbüten und Fenchelblüten werden nicht nur von Bienen umschwirrt! Und der absolute Renner ist in meinem Garten die Katzenminze, nicht nur beim Kater.

Zum Herbst hin wird in den meisten Gärten das Futterangebot knapp!

Pflanzen dagegen kann man: Goldrute (Achtung, wenn die verblüht ist, bildet sie Squillionen von Samen aus, die der kleinste Winhauch durch den ganzen Garten wirbelt!), Sonnenhut, Sonnenbraut, Anemonen, Herbstastern, Topinambur, Fetthennen. Säen lassen sich Ringelblumen (die wandern auch gerne durch den Garten), Cosmea und Sonnenblumen.

Ziemlich als letzte Blühpflanze gilt der Efeu, doch sein Nektar härtet stark aus, so dass Bienen ihn im Winter gar nicht richtig als Futter verwerten können.

Ich schrieb es ja bereits: diese Liste ist nicht vollständig, sie kann es ja auch gar nicht sein, denn was bei mir gedeiht, kann bei Ihnen kränkeln. Wichtig ist, dass es das ganze Jahr über ein kontinuierliches Angebot an Futterpflanzen gibt.

Die Bepflanzung der Gärten, insbesondere in Neubaugebieten ähnelt sich sehr, das ist einerseits sehr irritierend, weil „haben die Leute denn keine eigenen Ideen?“, andererseits sogar richtig schlimm, denn regelrecht lebensunfreundlich. Forsythien, Thuja,Kirschlorbeer (es gibt bei Letzterem verschiedene Sorten, nicht alle sind doof) haben keinerlei Mehrwert, genauso wie Gingko oder Platanen. Hortensien, Rhododendron, Petunien, Geranien, Oleander sehen toll aus, werden aber kaum oder gar nicht angeflogen, doch das sind genau die Pflanzen, die ich immer wieder in den Gärten entdecke. Sie dürfen das gerne anders oder besser machen!

Meine Kästen auf der Terrasse sind im Moment mit Thymian, Oregano, Majoran, Rosmarin, Minze, Salbei und Bohnenkraut bepflanzt. Dazwischen pflanze ich als Farbklecks im Frühjahr Hornveilchen. Total inkonsequent, weil eben wertlos, doch mein Herz hängt daran. Jetzt im Herbst sitzen Chrysanthemen dazwischen, die werden von Bienen auch nicht angeflogen. Nächstes Frühjahr bepflanze ich die Kästen neu und schaue noch mal genauer auf die Liste oben.

Und noch mal kurz: ein insektenfreundlicher Garten muss kein verwilderter, überwucherter Dschungel sein. Ganz im Gegenteil, die Pflanzen sollen sich ja nicht gegenseitig erdrücken. Rückschnitt, ausdünnen, gießen, vielleicht auch ein bißchen düngen ist nötig. Es muss übrigens nicht jede Laus bekämpft werden, denn die Bienen nehmen gerne das Sekret, welches die Läuse ausscheiden, auf! Und viele Läuse im einen Jahr, bedeuten viele Marienkäfer im nächsten Jahr. (heimische)Marienkäfer gibt es auch gar nicht mehr so viele, schon bemerkt?

Es ist ein unfassbar langes Thema, zu dem ich mich in Rage reden und schreiben kann, doch irgendwann sollte (vorerst) Schluss sein. Ich wiederhole nur noch ein letztes Mal: die Liste ist nicht vollständig und allgemeingültig (=nicht alles wächst überall). Informieren Sie sich in Gärtnereien, achten sie auch auf „bienenfreundlich“-Schilder an Pflanztöpfen, beobachten Sie in anderen Gärten, was umsummt wird und fragen Sie nach Ablegern oder Samen, tauschen Sie sich von Gartenzaun zu Gartenzaun oder im Social Media aus und werfen Sie verdammt noch mal keinen Schotter in ihren Vorgarten!