Internationaler Frauentag

Keine Glückwünsche an die Frauen hier, keine flammenden Gleichberechtigungsreden.

Nur ein kleiner Aufruf an uns Eltern: alles was Söhne können, können Töchter auch. Alles was Söhne dürfen, dürfen Töchter auch. Alles was Söhne müssen, müssen Töchter auch.

Es ist doch ganz leicht.

Nicht ganz so leicht, aber lohnenswert ist es, u.a. auf folgende Sprüche zu verzichten:

– ach ja, Mathe hab ich auch nie kapiert

– in den Sportstunden hatte ich immer meine Tage, hihi.

– diese Chemieformeln braucht man nie mehr im Leben

– Physik war für mich auch immer ein Buch mit sieben Siegeln

– Deutsch und Fremdsprachen liegen Mädchen einfach viel besser.

Vielleicht sind das nicht Ihre Sprüche, aber vielleicht die von Großeltern, Freunden, Nachbarn oder auch Lehrern. Mit denen zu streiten hilft meistens wenig, aber den eigenen Töchtern „doch!“ und „Aber!“ beizubringen, das hilft sehr viel.

„Doch!“ und „Aber!“ dürfen Sie übrigens auch Ihren Söhnen beibringen!

*****

Die Frau des Tages für mich:

Sie hat frustrierenden Unterricht in Mathematik und frauendiskriminierenden Unterricht in Physik mit ein wenig Unterstützung von uns überstanden. Hat allen Widrigkeiten zum Trotz Leistungskurse in beiden Fächern belegt und mit Bravour gemeistert. Sie studiert Informationssystemtechnik mit sehr wenigen Kommilitoninnen und wechselt im Herbst in ein duales Studium bei der DLR. Sie wird nicht ins All fliegen, aber vielleicht den nächsten Marsroboter bauen.

Weil sie ziemlich oft „Doch!“, „Aber!“ und „Jetzt erst recht!“ gesagt, geschrieen und geweint hat. Dieser Weg hätte so viel leichter sein können und ich wünsche mir Leichtigkeit für meine Enkelinnen.

Es gibt noch so viel zu schreiben, gerade auch über Söhne, die in dieser Gleichberechtigungswelle beinahe ein bißchen nach Luft schnappen müssen. Heute nicht.

15 thoughts on “Internationaler Frauentag

  1. Auf Instagram habe ich gerade sinngemäß gelesen: Women aren’t necessarily more special or worthy or magnificent. Just equal.
    JA, ja ja und JA auch zu dem, was Sie schreiben. Vielleicht liegt es dran, dass ich mit drei Brüdern aufgewachsen bin – jedenfalls hatte ich, ganz persönlich, nie das Gefühl, etwas nicht tun oder erreichen zu können, nur weil ich ein Mädchen/eine Frau bin. Ich baue jetzt keine Roboter, denn Physik kann ich wirklich nicht (Mathe im Abi, wenn auch „nur“ Grundkurs, hat allerdings hervorragend geklappt), und das ist doch auch völlig okay. Jeder soll doch bitte machen dürfen, was er mag – ob das nun als Frau „Frauendinge“ oder „Jungssachen“ sind oder umgekehrt als Mann „Frauenberufe“ oder „Mädchenspielzeug“ für Jungs. Wir sind doch alle gleich, manche sind Männlein, manche Weiblein, und wenn das irgendwann auch in allen Lebensbereichen und überall wirklich so sein soll, das Gleich-Sein bzw. die gleichen Chancen etc pp, dann müssen alle, Männlein wie Weiblein, zusammenarbeiten.
    Der letzte Satz – ganz große Zustimmung. Mir – als Frau – geht das Gleichberechtigungsgedöns langsam aber sicher auf die Nerven. Für mich war heute der Geburtstag meines Opas.

  2. Ganz ganz toll geschrieben und eine ganz tolle „Frau des Tages“ mit – wie ich mir zu urteilen erlaube – ganz tollen Eltern!

    Und „Ja“ zum „Nein“ war und ist immer noch auch unser Weg. Schön, doch immer wieder mal gewisse Parallelen zu sehen bei Leuten, die man mag. Tut gut. Alles Gute & Liebe, nicht nur heute.

  3. Glücklicherweise muss ich mir solche Bemerkungen nicht verkneifen, da sie mir nicht in den Sinn kämen und bin auch sehr stolz auf meine Tochter in ihrem Physik-Leistungskurs, wie ich es bei meinem Sohn mit Englisch war.
    Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass es bald egal sein wird, ob jemand weiblich, männlich oder etwas anderes ist und das Streben nach Gleichberechtigung überflüssig wird.

  4. Hach, wie schön: Die Tochte rmit dem Robi! Und wie noch viel schöner: Jemand, der seine Kinder so sieht und ihnen so auf ihrem Weg hilft, wie ich es fast 40 Jahre im Gymnasium versucht habe (und übrigens auch mit den beiden Töchtern, eine mit LK Mathe mit Bravour und eine mit ganz wenig Bravour in Mathe und jetzt verantwortlich für einen Etat von 3-stelligen Millionen pro Jahr!) Und JA, man soll diese dummen Sprüche lassen, sie helfen keinem und schaden vielen! Und viel Erfolg und Optimismus im dualen Studium fürs Tochterkind!

  5. Ja.
    Es tut mir so leid, dass Frau Tochter darum kämpfen musste. Und ich bin sehr wütend, dass wir immer noch nicht weiter sind als in meiner Schulzeit 25 Jahre vorher.

  6. Danke.
    So so so toll. Du und die Tochter. <3

    Aber, eine ganz ernst gemeinte Frage: warum sollte ich mir verkneifen zu sagen, dass ich auch in Mathe und Physik schlecht war? Ich würde das zu meiner Tochter ebenso wie zu meinen Söhnen oder meinem Mann oder meiner Freundin sagen.
    Wenn eins der Kinder Probleme in den Fächern Schwierigkeiten hat, würde ich das zum Beispiel sagen um zu zeigen: hey, Du bist nicht allein, mir gings auch so, das ist aber auch schwer usw.
    Bitte erklärs mir, ich bin doch so eine Erziehungsniete ; -) Ich möchte es wirklich wissen.

    Übrigens, hat man mir in meinem ganzen Leben nie in irgendeiner Art vermittelt, dass Mädchen in den Naturwissenschaftlichen Fächern "schlechter" sind als Jungs. Nicht von Eltern, Lehrern oder irgendwelchen anderen Leuten. Das habe ich zum allerersten Mal gehört, als ich Mutter war und das eben im Internet.

    Alles Liebe

    Tina

  7. Ich habe auch so eine „Frau des Tages“, auf die ich unendlich stolz bin. Und ich bin ebenso gegen diese feierlichen Sprüche und flammenden Gleichberechtigungsreden. Mein Motto: Jeden Tag Gleichberechtigung einfordern und gleichberechtigt handeln, dann brauchen wir keinen solchen „Feiertag“ mehr.

  8. Wie Cool ist das denn!
    Leider scheint meine Tochter diesen Weg nicht einschlagen zu wollen.
    Aber noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass die Naturwissenschaften doch noch ihren Reiz entfalten. Technik wird wohl nicht ihr Ding.

  9. als selber informatikerin und als eine von 10% die auch diplomierten und so: ganz toller text ohne zuviel pathos.
    ich denke auch, ganz viel hängt davon ab, schon gleich zu behandeln und eben wuch nicht unbeabsichtigt solche sätze einzustreuen. denn nur, wenn beide seiten diese gleichheit vorgelebt bekommen, kann sich etwas ändern und ist gleichzeitig der grund, warum das halt mehrere generationen braucht, weil wir als mütter (und väter) eben fehler machen und manches eben auch nicht wussten.

  10. Warum wirft sie ihr Studium hin und macht das duale?
    Ist doch einfacher, da wird sie keine großen Herausforderungen bekommen! Hmmm…

    • Von Hinwerfen kann keine Rede sein, denn das duale Studium war erste Wahl. Sie wird in diesem Studium eine von 17 Studenten bundesweit sein und das ist ein klitzekleines Bißchen herausfordernd, vermute ich mal so ins Blaue 😉

      • Sie weiß mit Sicherheit genau, was sie macht. Und ein duales Studium an der DLR kann man nicht mit einem anderen vergleichen. In nichts. Supersache.

  11. Ein wahnsinnig schöner Blogeintrag und eine tolle Tochter (genau wie zwei tolle Söhne). Herzlichen Glückwunsch zum dualen Studium beim DLR. Richtig, richtig toll.

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