unerforschtes Land

Da meine Diagnose bisher Divertikulitis lautet und ich somit eine Dibertikulose-Patientin bin (bis die Darmspiegelung in sechs Wochen das bestätigt oder nicht, sage ich das unter Vorbehalt), muss ich mich in ein neues Themenfeld einarbeiten. Denn bisher habe ich mir über diätische Ernährung nur Gedanken gemacht, wenn der Magen gezickt hat. Jetzt betrifft es also weitere Teile meines Verdauungssystems und ich habe eine Menge Lesestoff. Wenn ich diese Menge mal ganz grob zusammenfassen darf: es ist kompliziert.

Man empfiehlt mir Vollkorn, aber nicht zu grob, viele Nüsse, aber eigentlich doch ganz selten und dann möglichst gemahlen. Obstkerne soll ich meiden und dabei geht es nicht um Mangokerne, sondern um Johannis-, Him- und Erdbeerkerne, wobei letztere ja eigentlich Nüsse sind. Ballaststoffreich essen soll ich, aber vielleicht doch nicht so sehr, das weiß man eigentlich nicht so genau. Und so ist das auch mit den Kernen, das weiß man eigentlich auch nicht so genau. Bulgur und Couscous sollte ich meiden, aber Leinsamen ist super. Sie merken es vielleicht, ich habe verschiedene Empfehlungen zusammengefasst.

Die Idee bei diesen ganzen Empfehlungen ist, dass keine Kleinteile im Darm hängenbleiben und damit Entzündungen verursachen sollen. (sehr vereinfacht beschrieben) Woher mein Darm aber wissen soll, ob er gerade Himbeerkerne, zerkaute Haselnüsse oder Leinsamen transportiert, das lässt sich nirgendwo nachlesen.

Nachzulesen ist aber beispielsweise, dass blähende Speisen nicht zu empfehlen sind, doch was bläht, ist individuell verschieden. Ok, da kann ich mich langsam herantasten.

Ansonsten werde ich auch in diesem Sommer die Beeren aus meinem Garten genießen, mit ganz reinem Gewissen. Dottore hat, darauf angesprochen, dass es da neue Studien gibt und es scheint schon so, als könne ich beispielsweise Beeren essen, ohne sofort mit schlimmsten Konsequenzen zu rechnen. „Kannst ja auch Kirschkerne schlucken, ohne Blinddarmentzündung zu bekommen, wie man früher dachte.“, sagte er und ich habe beschlossen, ihm einfach zu glauben und keinesfalls mit Angst vor potentiellen Entzündungen zu essen. Das, was der Divertikulose wirklich nicht gut tut (zu viel Fett, Zucker, Alkohol), gehört sowieso zu meinen 2018-weniger-davon-Vorsätzen. Und laut Dottore soll ich Verstopfungen vermeiden, doch damit hatte ich noch nie Probleme.

Ja, es gibt hier viele Informationen über so Sachen, über die man nicht spricht. Muss ich jetzt aber, gehört jetzt zu meinem Leben und mal ehrlich, über Babykacke wird sogar im Café philosophiert.

Vielleicht sind Sie schon lange Divertikulosepatient/in und deshalb haben Sie sehr viel Erfahrung auf diesem Gebiet, außerdem zuckt Ihr Widerspruchfinger, weil ich da eventuell eine ganz andere Herangehensweise habe, möglicherweise eine falsche und ich werde schon sehen, was ich davon habe.

Vielleicht mache ich alles falsch und wenn ich demnächst wieder in der Klinik lande, dann sehe ich das vielleicht ein. Oder nicht.

Also wie auch immer es aus- oder weitergeht: ich danke Ihnen so sehr für die vielen Besserungswünsche und ich bin sehr erstaunt, wieviele Divertikulosepatienten es doch gibt. Danke für den Beistand und danke für keine Ratschläge!

6 thoughts on “unerforschtes Land

  1. Liebe Pia, auch wenn Sie keine Ratschläge wollen – darf ich Ihnen eine auf Darmerkrankungen spezialisierte Oecotrophologin empfehlen, mit der ich extrem zufrieden bin und die mir (M. Crohn-Patientin) sehr geholfen hat? Ich habe sie leider nie persönlich kennengelernt, nur telefonisch, aber es hat so sehr geholfen. Keine erhobenen Finger, nur sehr einfühlsame und persönliche Beratung und Unterstützung auf dem aller neuesten Stand der Forschung. Schreiben Sie mir gerne eine Email, dann schicke ich Ihnen die Kontaktdaten. Btw: Die Krankenkassen übernehmen hierfür die Kosten. Es lohnt sich mehr als jede Google-Orgie.
    Gute Genesung & herzliche Grüße Claudia

  2. Ich finde, wer mit Zucker, Fett und Alkohol anfängt, macht schon mal nichts falsch. Meine Neigung wäre mich mit kleinen Mengen an die „unklaren Lebensmittel“ heranzutasten und dabei in den Darm hineinzuhorchen, was er von denen hält. Weiterhin Gute Besserung und „Darm klar!“

  3. Liebe Frau-Mutti, machen Sie es genau so. Es muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen, wie eben auch jeder Körper anders tickt. Das wird alles gut. Und ja, es gibt sehr, sehr viele dieser Patienten, und mit steigendem Alter (naja, ja, aber eben genau dann) werden es mehr. Aber Sie bekommen das locker und cool in den Griff. Basta. Alles Gute, Sunni

  4. Liebe Frau Mutti,
    ich freue mich, Sie hier gefunden zu haben. Ich drücke Ihnen die Daumen für eine fundierte Diagnose und gute Hilfestellung und für die Gyn-Sache drücke auch die Daumen. Das bringt mich im Übrigen auch dazu, einen Termin dort zu machen.
    Alles Liebe
    Tante Emma

  5. Liebe Frau Mutti,

    als langjährige Divertkulitis in rez. chronischer Form Haberin würd ich doch gern einen Rat da lassen: Sie machen das gut! Hören Sie einfach auf Ihren Bauch.
    Nicht von anderen verunsichern lassen 🙂

    Das war’s dann schon. Weiter gute Besserung!

  6. Sie machen das genau richtig! Habe auch jede Menge von den Dingern (Divertikeln) und arrangiere mich seit 16 Jahren mit denen. OP kommt nicht in Frage, weil es eben so viele auf langer Strecke sind. Bzw. OP wird dann fällig, wenn dann doch mal Eines perforiert.
    Ansonsten spüre ich inzwischen sehr früh, wenn wieder was im Anmarsch ist, gehe brav zum Doktor für mein Antibiotikum (nehem es auch mit in Urlaub, nur für den Fall der Fälle), halte ein paar Tage Diät und warte ab.
    In sich reinhören, was geht und was nicht geht ist die beste Methode, um es herauszufinden. Wird schon!

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