Heute ist alles anders

Maria heißt die Reinigungskraft, die hier durch unser Zimmer wirbelt bis es blinkt. Weil ich mein Häkelzeug in der Hand habe, spricht sie mich an. Mit drei Jahren habe sie das Häkeln gelernt, von ihrer Oma in Portugal. Aber ihre Hände seien zu klein gewesen. „Häkeln sie denn heute noch?“, frage ich sie und sie verneint. Das mit den zwei Nadeln, stricken!, das würde sie ab und zu noch tun, aber sie hätte keine Zeit mehr, zu viel Arbeit. Die Wolle ist teuer, sie könne Kleidung billiger kaufen. Ich zeige auf ihre goldenen Sneakers, die sind mir schon vorgestern aufgefallen, weil sie so schön blitzen. „Die sind klasse!“, sage ich und sie erklärt mir sofort, wo ich sie kaufen kann, aber die sind nicht so billig.

Sie wischt und wirbelt weiter und als ihr Blick wieder auf mein Häkelzeug fällt, lacht sie. Sie habe einmal versucht, ihrem Mann einen Pullover zu stricken, doch der Mann sei so groß, das Teil für den Rücken war immer zu kurz, der Pullover wurde nie fertig.

Wenn sie Zeit hätte, würde sie vielleicht für Kinder stricken, sie hat schon drei Enkelkinder! „Großartig“, sage ich, „herzlichen Glückwunsch!“ Ach, die Enkel seien in Portugal, die kennt sie kaum. „Ich fühle ganz leer für die Enkel“, sagt sie, das tut mir sehr leid, das Herz soll doch voll sein, wenn (Enkel)Kinder da sind. Zwei Töchter hat sie. Beide leben in Portugal, eine ist Lehrerin, die andere was mit Steuern. Der Jüngste heißt Diego, er ist 16 und sie macht sich Sorgen. Diego hat die vierte Klasse wiederholt und jetzt nach der neunten Klasse ist Schluss, er muss eine Lehre machen oder BBS. YouTuber will er werden. „Damit kann man viel Geld verdienen, Mama!“, erzählt er ihr und ich sehe ihr an, dass sie es nicht glaubt, „Heute ist das mit den Berufen anders!“ Man müsse sich nicht mehr krumm machen für Geld. „Aber er lebt von mir, wenn ich mich krumm mache.“, sagt sie und stellvertretend möchte ich den aufstrebenden YouTubeStar Diego ein bißchen schütteln.

„Vielleicht findet er ja eine Ausbildung!“, sage ich aufmunternd. „Oder BBS“, erwidert sie. „Oder BBS.“, bestätige ich.

Das Zimmer ist sauber und aufgeräumt. „Gute Besserung, bis morgen!“, ruft Maria und flitzt auf ihren blitzenden Schuhen ins nächste Zimmer.

Nähzimmertag

Frau Brüllen fragt an jedem Fünften eines Monats: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Unglücklicherweise (oder auch nicht) habe ich mich heute nur im Nähzimmer bewegt. Die Hunderunden übernahmen der Gatte und der Jüngste, ich amüsierte mich mit meinen Maschinen!

Die Stickmaschine ratterte vor sich hin und produzierte künftige Taschenverschönerungen:

Und da die Stickmaschine nur ab und zu mit einer neuen Garnfarbe gefüttert werden musste, konnte ich nebenbei vier Taschen nähen. Einfache Einkaufsbeutel, für Freundinnen, die Tochter und mich. Die klitzekleinen Fähnchen, die man nur entdeckt, wenn man genau hinschaut, machen mich sehr glücklich!

Meine Nähzimmergesellschaft ist derzeit besonders anhänglich und weicht mir kaum von der Seite. Als Lola vom Nähzimmerbett sprang und einen kleinen Blutfleck hinterließ, wurde mir klar, weshalb sie meine Nähe sucht – die nächste Läufigkeit beginnt.

Nach vier Taschen kroch ich etwas flügellahm aus dem Nähzimmer und widmete mich der ersten Rosenkohlernte aus dem Garten. Anderthalb Kilo von einem Strunk! Mein Gärtnerinnenherz hüpft!

Den Rosenkohl gab es mit Speckwürfeln, Zwiebeln und Maronen auf dem Sofa bei einer Folge Picket Fences. Picket Fences sahen wir vor vielen Jahren im Fernsehen und liebten die Serie sehr! Es gab seitdem keine Wiederholungen und deshalb freute ich mich sehr, als ich die große Sammelbox bei amazon entdeckte! Und erfreulicherweise hat die Serie nichts von ihrem Charme eingebüßt, wir sehen sie nach wie vor mit großer Begeisterung.

Und das war dann auch schon dieser eher ereignislose, dafür aber sehr produktive Tag. Vielleicht gibt es ja am nächsten Fünften mehr zu erzählen?

Die Sache mit den Taschenkalendern

Auch in diesem Jahr schlich ich im Buchladen wieder um die Taschenkalender herum. Die schön eingebundenen, farblich so ansprechenden, mit Lesebändchen, Unterteilungen und makelosen Seiten, die Organisiertheit versprechen. Ich habe keinen gekauft, denn den letztjährigen habe ich bis etwa 17. Januar geführt, danach … habe ich Termine in den Familienkalender geschrieben. Oder sie vergessen auf Zetteln notiert mir gemerkt. Es ging sehr gut ohne.

Das neue Blog hier, das just seinen ersten Eintrag bekommt und das sich noch aufregend neu und knisternd anfühlt, das wird hoffentlich nicht so vernachlässigt wie der hübsche Taschenkalender von 2017.

(wenn ich jemals mit dem Aussehen zufrieden sein werde und herausbekomme, was ich wie schrauben muss, dass alles so fumktioniert, wie ich mir das vorstelle, dann wird alles gut. Und dann mache ich das alte Blog auch wieder zum Lesen zugänglich. In Teilen.)