Liebes Tagebuch,

ich vermerke, dass das heute ein feiner Tag war.

Er begann gar nicht so früh, weil die Söhne frei hatten und der Gatte etwas später aufstand. Der Wecker hupte also nicht um zwanzig nach fünf, sondern erst um halb sieben. Eine sehr freundliche Zeit zum Aufstehen.

Um sieben wurde mir ein Kaffee am Bett serviert und nach zwei Kapiteln im Buch war ich bereit für den Tag.

Der Jüngste hatte in der Nacht eine Nachricht geschrieben, dass er nicht heimkäme, der Große hatte um den Weckdienst gebeten, er übernahm nach einem kleinen Frühstück die lange Hunderunde.

Ich widmete mich dem Wäscheberg und spielte Sockenmikado. Wir haben eine Vorliebe für geringelte, getupfte oder irgendwie gemusterte Socken, gerne bunt. Heute gab es jede Menge Einzelsocken und das macht mich sehr unglücklich. Socken müssen zueinanderpassen. Die Einzelsocken warten jetzt in der „einzelne Socken“-Schublade auf baldige Verpartnerung, hoffentlich nach der nächsten Maschinenladung. Manch lange vermisste Socke taucht in Deckbettbezügen, Hosenbeinen oder Taschen von Kapuzenpullis wieder auf.

Beim Verräumen der Wäsche fiel mir doch schon ein, dass ich in den Weltladen musste, ein neues Schaufenster gestalten. Manchmal ist es ganz leicht, ein neues Schaufenster zusammenzustellen. Wenn neue Ware eingetroffen ist oder es ein Thema gibt. Heute … war ein etwas chaotisches Fenster einfach wieder hübsch zu machen. Ohne Konzept, Vorgabe oder Plan macht es am meisten Spaß, dann kann ich mich kreativ austoben. Das gesamte Schaufenster ist jetzt vollgepackt mit einem repräsentativen Überblick des Sortiments. Und damit es doch ein bißchen ordentlich aussieht, habe ich die Waren farblich sortiert.

Ich finde es klasse, Oma Eis gefiel es auch und deshalb darf das jetzt so bleiben, bis Anfang März die Ostersaison startet.

Wieder daheim erwarteten mich Söhne, Hund und Kater. Erstere verschwanden in ihren Zimmer, letztere überzeugten mich von einer netten Pause auf dem Sofa.

Allzu lang hielt es mich dort aber nicht, denn die Sonne schien! Außerdem hatte die Baumschneiderin den Obstbäumen gestern ihre Sommerfrisur verpasst und es galt alle Äste, Zweige und Wasserschosser zusammenzusammeln und zu schreddern. Ich jagte die Söhne in den Garten und innerhalb von zwei Stunden war das erledigt. Ich kümmerte mich um Him-, Johannis- und Stachelbeeren, entsorgte vertrocknete Cosmeen, Topinambur, Bohnen und Paprikastauden und freute mit auf das Essen am Wochenende:

Der letzte Rosenkohlstrunk hängt noch voll, das sind über ein Kilo Rosenköhlchen! Die werden wir mit Maronen verspeisen. Lecker!

Nebendran wachsen die nächsten Mahlzeiten heran:

Der Mangold hat Dauerregen, Frost, Schnee und Vernachlässigung überlebt und wächst eifrig weiter!

Es ist so wunderbar, dass ich wieder in Garten herumwühlen kann! An geschützten Stellen bildete ich mir ein, dass die Sonne bereits ein wenig wärmt. Und weil da doch schon ein bißchen Frühling zu finden ist, bekam ich das Strahlen gar nicht mehr aus dem Gesicht!

Schneeglöckchen,

Krokusse und im Blumentopf

jede Menge Hornveilchen. Dazu eine vorwitzige Lupine und wilder Storchenschnabel. Ich schwanke zwischen Begeisterung und leiser Sorge, denn es ist halt doch noch Winter und ich rechne weiterhin mit Frost und Schnee.

Der Gatte kam heim, ich kochte Tortelliniauflauf für die Männer und ein köstliches, beinahe leichtes Cashewsüppchen für mich.

100g Cashewkerne zerbröseln

1 Zwiebel und 1 Knoblauchzehe kleinscheiden

2 EL Öl erhitzen, Zwiebel/Knoblauch glasig dünsten.

1 TL Garam Masala, Ingwer nach Geschmack kurz mit rösten

Cashews dazu und mit einem halben Liter Gemüsebrühe ablöschen.

7 Minuten köcheln lassen, pürieren und mit frischen Koriander servieren. Lecker!

Die Söhne haben sich mittlerweile in ihre Zimmer verzogen, der Gatte und ich schwitzen noch ein paar Runden in der Sauna.

Liebes Tagebuch, mehr von diesen Tagen bitte.

Rückblende

Seit drei Abenden besteht mein Program darin, die alten Blogeinträge wieder lesbar zu machen. Das bedeutet, dass ich jeden einzelnen nochmal lese und dann entscheide, ob ich ihn freischalte oder nicht. Das Freischalten fällt mir schwerer als erwartet, denn in vielen Beiträgen finde ich mich nicht mehr wieder, ich würde sie heute erst gar nicht schreiben oder wenn doch, dann würde ich sie ganzganzganz anders schreiben. Ich habe mich also tatsächlich weiterentwickelt, das ist ja erfreulich.

Außerdem fällt mir auf, dass ich wirklich, wirklich oft krank war. Ständig erkältet, jeder Virus, den die Kindelein heimbrachten, landete bei mir. Erschöpfung war ein Dauerzustand, in beinahe jedem Blogartikel thematisiere ich Müdigkeit. Schlimm.

Das Tolle am Lesen der alten Artikel ist, dass ich mich an die ganzen Begegebenheiten wieder erinnern kann, auch an die, die ich nicht aufgeschrieben habe, die nur zwischen den Zeilen zu finden sind. Das war eine anstrengende Zeit damals. Ich trug so viele Sorgen mit mir herum! Hätte ich doch nur einmal kurz in die Zukunft schauen dürfen, denn so viele dieser dunklen, schweren Lasten sind mittlerweile einfach … verpufft oder wiegen nicht mehr so schwer. Mein altes „alles wird gut!“-Mantra ist also wirklich eingetreten!

Bin wieder weg, muss mein altes Leben nachlesen!

 

Liebes Tagebuch,

heute durften wir ausschlafen, denn der gar nicht mehr so kleine Hund mag derzeit nicht gerne aus dem Haus gehen. (sie ist ein Opfer ihrer Hormone, die heiße Phase klingt ab und am Liebsten läge sie den ganzen Tag vor dem Ofen). Ich trank einen Kaffee, der Gatte frühstückte und gegen zehn Uhr zogen wir los. Kalt war es nicht, aber es wehte ein eisiger Wind und den ersten Kilometer fror ich in meiner Wolljacke, durch die es gründlich durchpfiff. Nach dem ersten Kilometer kam die erste Steigung und ich begann quasi augenblicklich zu schnaufen und es wurde mir sehr, sehr warm. Meine Kondition habe ich gründlich in den letzten drei Wochen verloren. Mist.

Insgesamt waren wir etwa sechs Kilometer unterwegs und ich fand meinen Geh-Rhythmus wieder und auch Freud an der Bewegung kam wieder. Zum Abschluss der Hunderunde kehrten wir bei Erni&Illi, für den Gatten gab es Eierlikörkuchen und einen Milchkaffee, für mich einen Chai. Und für den Hund eine handvoll Hundeleckerlis.

Gegen zwölf Uhr waren wir wieder daheim und ich brach quasi augenblicklich auf dem Sofa zusammen. Der Bauch schmerzte und ich war völlig erledigt. Doch noch ein bißchen zuviel. Die Hunderunde morgen früh wird kürzer ausfallen müssen.

Obwohl sich der Hunger nach wie vor nicht meldete, aß ich ein Brot. Ziegencamenbert und Quittenmus. Lecker, aber irgendwie … mag ich nix essen. Ich quäle mich fürchterlich mit dem Essen, muss mich anstrengen, genug zu essen. Ich zähle also Kalorien. Nicht um superschlank zu werden, sondern um dafür zu sorgen, dass ich wenigstens 1200 Kalorien/Tag zu mir nehme. Ich komme sonst einfach nicht auf die Füße. Es ist kompliziert.

Die Söhne kamen ab und zu am Sofa vorbei und schwätzten ein bißchen, der Gatte bastelte im Arbeitszimmer an unserer ferngesteuerten Lüftungsanlage herum und gegen vier gab es einen Kaffee. Der Jüngste übernahm die abendliche Hunderunde mit dem nach wie vor unlustigen Tier, ich tat ein paar Handgriffe im Haushalt.

Um fünf floh ich ins Nähzimmer, denn am Küchentisch haben sich etliche junge Männer versammelt, um Dungeons&Dragons zu spielen. Demnächst wird es dort oben also nach Döner oder Pizza duften und vielleicht bekomme ich dann Lust, mir die Reste vom gestrigen Abendessen zu wärmen.

Bis dahin nähe ich mir zwei Filtertütenröcke, denn die bereits vorhandenen rutschen. Beide will ich aufwändig besticken und selbstverständlich zeige ich die Ergebnisse dann demnächst.

Das war der aufregende Sonntag. Wow, was? (gestern war es auch nicht spannender, denn wir genossen einen echten Wellnesstag, mit jede Menge Sauna und entspanntem Rumsitzen. Ich denke, ich habe mich jetzt für die nächsten zwei Jahre ausgeruht.)

*****

Danke für die vielen, hilfreichen Tipps zum Bändigen der Mähne. Ich werde alles ausprobieren und falls das alles nichts ist … kurz und bunt ist sehr verlockend!