Lechweg 2018 – von Wängle/Hinterbichl bis Füssen

Die letzte Etappe, unfassbar! Aber auch ganz passend, denn irgendwie verließ mich langsam die Wanderlust. Dies ist wahrscheinlich einer der Gründe, weswegen ich niemals den Camino laufen werde, weil ich nach einer Woche zappelig werde und viele Ideen habe, die ich statt in der Gegend herumzulaufen, angehen könnte. Gartenmöbel streichen zum Beispiel. Oder Trittsteine aus Beton gießen. Oder einfach im Rosa Gartenhüttchen sitzen und Kaffee trinken. Da schwingt ein leises Heimweh mit und deshalb: letzte Etappe, passt.

Sehr heiß war für heute gemeldet, doch Frühstück gab es schon ab halb acht, so dass wir zeitig loskamen. 19 Kilometer bis Füssen, vor der großen Nachmittagshitze wollten wir entweder in Füssen im Biergarten sitzen und alkoholfreies Weizenbier trinken oder im Alpsee vor Füssen schwimmen gehen, falls es einfach zu heiß würde.

Wir überquerten auf einer der unzähligen Brücken den Lech und ließen ihn damit erstmal hinter uns. Die ganze Wanderung lang sollten wir ihn nicht mehr sehen, erst zum Ende der Etappe, dann aber mit Getöse.

Unsere heutige Etappe führte uns durch ein Vogelschutzgebiet. Den Aussichtsturm erklommen wir mit Rücksicht auf Lola nicht, aber die Erklärtafeln am Wegesrand samt Vogelstimme auf Knopfdruck hatten es uns angetan. Tolle Sache, hören Sie sich ruhig mal das unterschiedliche Gezwitscher an!

Nach Gezwitscher und gemütlichem Gang durchs Schutzgebiet, querten wir Reute.

Die Freude über Wald und schmalen Wanderweg hielt nicht lange. Der erste Wegweiser Richtung Füssen tauchte auf …

… unglücklicherweise als Autobahnschild direkt neben unserem Wanderweg.

Aber wie so oft auf dem Lechweg: gerade wenn ich trotzig mit dem Fuß aufstampfen und über den blöden Weg schimpfen wollte, kam eine Abzweigung und es wurde schön. Durch den Wald ging es nach oben zur Sternschanze.

Und dann kreuz und quer. Wie die letzten Tage eben auch. Ein bißchen hoch, ein wenig runter, mal auf sehr schmalen, manchmal etwas abenteuerlichen Wegen, dann wieder in langen Serpentinen auf breiten Forststraßen.

Ein letztes Mal passierten wir einen solchen Pfosten:

Hier wird gezählt, was oder wer vorbeikommt, bekamen wir während der ersten Etappe erklärt, als wir zu unseren Erfahrungen auf dem Lechweg befragt wurden.

Kurz vor Füssen erreichten wir den Alpsee. Ein traumhaft schöner See, mit leuchtend blauem Wasser, durch das sich türkisfarbene Streifen ziehen. Leider schien die Sonne gerade nicht, deshalb sprangen wir nicht hinein.

Unser Weg führte am See vorbei, mit Blick auf Neuschwanstein und Hohenschwangau und stellenweise war er auch etwas hundeunfreundlich mit Gitterrostboden.

Kurz vor Füssen gab es noch einen Aussichtspunkt zu erklimmen, doch dort verweilten wir nur kurz, wir wollten ja endlich zur Hauptattraktion!

Zuerst das obligatorische Selfie am offiziellen Endpunkt des Weges …

und dann endlich: die Lechfälle!

Wir sind jetzt schon ein bißchen stolz! 125 Kilometer und ein paar Bonuskilometerchen sind wir gewandert, durch Regen und Sonne, sogar den von mir ganz besonders gewünschten Schnee gab es! Ein toller Weg, abwechslungsreich, manchmal ein bißchen fordernd. Wir hatten die festen Bergstiefel an, doch mit der leichteren Variante wären wir auch prima zurechtgekommen. Wir haben oft „Wie gut, dass noch kein Hochsommer ist, hier würde die Hitze stehen!“ gesagt und nicht immer war das ein Versuch uns selbst zu trösten, weil der kalte Wind uns quälte. Unsere Unterkünfte waren allesamt großartig, von urig bis modern. Wenn Sie wollen, beschreibe ich diese nochmals ausführlich. Sollten Sie eine Wanderung auf dem Lechweg planen, fordern Sie sich das offizielle Reisepaket mit sämtlichen Unterlagen an, darin finden sich auch die Hotels am Wegesrand.

Wir schlugen die Zeit in Füssen bis zur Abfahrt unseres Zuges mit Essen tot, denn für Sightseeing fehlte uns die Kraft. Außerdem waren da plötzlich so viele Menschen, daran waren wir gar nicht mehr gewöhnt!

Mittlerweile sitzen wir im ICE nach Frankfurt. Der Hund schläft und wir jonglieren mit Anschlüssen, weil der ICE außerplanmäßig nicht da hält, wo er halten sollte. Aber alles halb so schlimm, bald darf ich in mein eigenes Bett und morgen die Blase an meiner Ferse pflegen. Und darüber schreiben, wie eine Mehr-Tages-Wanderung mit Hund funktionieren kann.

Lechweg 2018 – von Weißenbach bis Wängle/Hinterbichl

Frühstück gab es, wie bisher in jedem Hotel, um acht. Eigentlich viel zu spät, denn echte Gipfelstürmer oder Wanderer, die früh aufstehen, weil sie einen hyperaktiven Hund dabei haben, haben sehr viel früher Hunger. Letztere müssen dann warten und werden ein klitzekleines Bißchen knurrig, Erstere müssen sich wirklich sputen, wenn sie die fünf-Stunden-Touren zu einem Gipfel hin und zurück bewältigen wollen. Lch vergaß nachzufragen, wie das denn ist, wenn man wirklich früh los will, ob man dann womöglich hungrig wandern muss? Kann ich mir kaum vorstellen. Ist ja auch erstmal egal, wir hatten keinen Gipfel zu erklettern, sondern eine relativ ebene Strecke mit ein paar Hubbelchen und einem ordentlich Anstieg am Ende vor uns. Die Sonne schien und wir stellten uns auf einen ähnlich heißen, zähen Tag wie gestern ein.

Und weil ich nicht das hunderttausendste Panorama und „schau, diese AUSSICHT!“- Bild machen wollte, knipste ich halt Kurioses.

Servus!

Und, kaum vorstellbar beim Anblick des doch eher friedlich dahinrauschenden Lech, diese Warnung:

Das war es aber schon an Kuriositäten, letztlich bleibt es eben doch bei „Ah!“ und „Oh!“ angesichts der Gegend, durch die uns der Weg führte.

Eine zeitlang liefen wir wieder direkt neben dem Lech, diesmal ein kombinierter Rad/Wanderweg, was wirklich, wirklich nervig war, weil wir ständig zur Seite hüpfen mussten. Auf großen Schautafeln kann man nachlesen, wie dieser Abschnitt des Lech nach und nach renaturiert wird, damit er wieder „durch die Landschaft mäandert“. Ein großartiges, langwieriges und sehr kostenspieliges Projekt, das aber aus solch einem Anblick

eher wieder so etwas machen wird:

Der Weg führte vom Lech weg, über Weiden (ohne Kuhkontakt) und durch den Wald und weil es sonnig in Kombination mit einem kühlen Wind war, liefen wir leicht und fröhlich plaudernd.

Manchmal mussten wir ein bißchen grinsen, weil es so schien, als habe man beim Anlegen des Weges überlegt, wo doch noch ein wenig Abwechslung herauszuholen sei. 🙂

Schneller als erwartet kamen wir zum letzten Anstieg des Tages und damit auch zum running gag unserer Wanderung: „Geh den Lechweg!“, haben sie gesagt, „Der geht ja immer bergab!“, haben sie gesagt, „Weil ein Fluß fließt doch bergab!“ Haben sie gesagt.

Nix bergab. Steil durch den Wald nach oben, das Stahlseil für schwierigere Stellen nahm ich gerne zum Hochziehen des unwillig schnaufenden und schwitzenden Körpers. Der Hund – galoppierte vorneweg …

… warf aber ab und zu einen „wo bleibt ihr denn so lange?“-Blick hinunter.

Als wir oben waren, verschwand die Sonne und es kühlte so deutlich ab, dass ich das verschwitzte Trägerhemd mit Wanderbluse gegen ein Merinoshirt tauschte.

Da uns ein Hotel ohne Abendessen erwartete, hatten wir ursprünglich geplant, am Frauensee

Rast zu machen, vielleicht sogar zu schwimmen, und dann gegen abend dort etwas zu essen. Da es aber viel zu kühl war, gab es Kaffee und Kaiserschmarren für uns. Obendrein war erst früher Nachmittag, weswegen wir beschlossen, zum Hotel „abzusteigen“ (knapp 100 Meter runter), dort unser Zimmer zu belegen, duschen zu gehen und dann zum Abendessen wieder zur Hütte am See zu gehen.

Im Hotel erwartete uns ein liebevoller Zettel „wir sind Radfahren, Kaffee und Kuchen stehen im Frühstücksraum und hier ist euer Zimmerschlüssel“. Sehr schön, herrlich unkompliziert. Nach Kaffee und Kuchen beschloss ich, dass ich nur noch eine Dusche, ein bißchen Studentenfutter und vielleicht ein Bier brauche, auf gar keinen Fall aber ein Hochgekraxele zur Seehütte für Pommes und Bratwurst. Der Gatte zog allein davon, ich blieb mit dem Hund im gemütlichen Hotelzimmer.

Der Schrittzähler behauptet, ich sei heute 18,2 Kilometer gelaufen und das erscheint mir wirklich sehr viel, ich bin gar nicht müde! (nur faul) Morgen erwartet uns die letzte Etappe und danach steigen wir direkt in den Zug. Heute schlafen wir also auch die letzte Nacht auswärts, dieser Urlaub ist verflogen!

Lechweg 2018 – von Elmen nach Weißenbach

Die Sonne! Der blaue Himmel! Welch wundervolles Wetter nach Regen und kaltem Wind!

Wie schwer fällt es da, sich von der Bank loszureißen, auf der man gerade gemütlich gefrühstückt hat. Mit Blick auf die Berge ringsherum und ohne weiteres Bedürfnis, auch nur auf einen davon zu klettern. (der Gatte ja schon, der steigt gerne hoch)

Aber irgendwann muss man halt los und schon nach den ersten Höhenmetern erinnert man sich, warum man Bergtouren ziemlich früh startet. Selbst wenn es gar kein echten Touren bis ganz nach oben sind, sondern Panoramawege mit toller Aussicht: wenn in den Bergen die Sonne scheint, dann wird es heiß. Dann werden Felsen heiß (und Felsen geben die Hitze freudig zurück), dann verdunstet das Wasser in den feuchten Wiesen und steigt als warmer Dampf auf. Das macht gar nicht so viel Spaß, aber wer unten trödelt, muss da eben auf dem Weg nach oben durch.

Obwohl der Gatte irgendwas von „nur geradeaus“ gemurmelt hatte, führte der Weg anfangs ein paar mal hoch und wieder runter, manchmal auch durch ein Stückchen Wald, was wir bei steigenden Temperaturen sehr begrüßten.

Irgendwann … ging es tatsächlich nur noch geradeaus. Das war schrecklich öde und weil es heiß und stickig war, marschierten wir einfach stur durch. Vor drei Tagen trafen wir eine Wanderin aus Füssen, die den Lechweg schon kannte. Sie beschrieb die letzten Abschnitte des Weges als „geeignet zum meditativen Wandern“ und ja, das ist eine sehr passende Beschreibung. Gehen und an nichts mehr denken.

Eine Hängebrücke (längst nicht so spektakulär wie die in Holzgau, aber schwankend und ein bißchen hui!) überquerten wir, was uns dann leider auf den für Fußgänger laaaangweiligen Fahrrad-Lechweg führte. Wir folgten diesem über glühenden Asphalt (gefühlt jedenfalls), bis wir endlich wieder auf den Wanderweg stießen. Dieser führte an einem Baggersee vorbei, der so kalt war, das mir die Luft wegblieb, als ich mich endlich zum Schwimmen hineinwagte. Eine grandiose Abkühlung und erneut eine wunderbare Stelle zum Rasten. Die erste Rast hatten wir am Ufer des Lech gemacht, inclusive Füße ins Wasser stellen.

Nach der Baggerseeabkühlung brachten wir die letzten Kilometer bis zu unserem Hotel leicht hinter uns und nach Vier-Gänge-Menü, sehr viel Sonne und ziemlich großer Anstrengung wird es uns nicht schwerfallen, tief und fest zu schlafen.

Auch wenn der Weg nur wegen der Temperaturen herausfordernd war, es gab immer wieder tolle Ausblicke auf Berge und/oder Lech. Was mich besonders fasziniert ist, wie groß so ein Flußbett ist, wenn man den Fluß einfach laufen lässt, wie er will. Der Lech ist ja ein naturbelassener Fluß und stellenweise ist er so zerfasert, dass gar nicht richtig zuzuordnen ist, welcher dieser Arme nun der Hauptfluß ist.

23,1 Kilometer behauptet mein Schrittzähler. (und obwohl ich zwei Kaffees zum Frühstück hatte und unterwegs eigentlich reichlich Wasser trank, musste ich nur einmal in den Wald pinkeln. SO HEISS WAR DAS HEUTE!)

Morgen wird es genauso warm, die Etappe ist ähnlich lang, doch kurz vor Ende müssen wir knapp 200 Höhenmeter steigen. Ich übe bereits ein paar saftige Flüche ein.

Lechweg 2018 – von Holzgau nach Elmen (Klimm) + Ruhetag

Die längste Etappe unserer Wanderung, der Reiseführer spricht von 25 Kilometern. Dazu ein paar Höhenmeter. Erst ganz schön hoch, dann immer wieder auf und ab, eine zeitlang unten an der Lech und gegen Ende wieder richtig hoch. (und wieder runter, unser Hotel liegt direkt am Lech)

Mein Morgen begann nicht allzu gut. Zwei dicke Herpesbläschen an der Oberlippe ließen den Lymphknoten am Hals anschwellen und sorgten für ein allgemeines „ich fühl mich nicht so“. Die Blase an der linken Ferse war mittlerweile offen und die Füße mochten Flipflops viel lieber als die schweren Wanderschuhe. Der vierte Wandertag und gleichzeitig Halbzeit. Irgendwo auf dem Weg würden wir die erste Hälfte hinter uns lassen. Mir egal, ich hatte keine Lust. Immerhin schien es so, als wolle es doch sonnig und warm werden.

Und dann war der Weg halt so, wie Wege in den Bergen starten. Er schlängelte sich über eine Wiese ziemlich steil nach oben, führte auch im Wald immer weiter hoch und ich schnaufte wie eine alte Dampflok. (Gatte und Hund waren deutlich leichtfüßiger)

Irgendwann vergaß ich meine pochende Oberlippe und meine brennende Ferse, meine Atmung beruhigte sich und die Muskeln ergaben sich ihrem Schicksal. Der Wanderschritt war gefunden und mit ihm kehrte meine gute Laune zurück. Berge! Wolken! Und diese bunte Blütenpracht ringsherum! Die nächste Stunde kamen wir kaum voran, weil ich die Macroeinstellung meiner Kamera testete und sämtliche Blüten von vorne, oben, neben und unten photographieren musste. (mit sehr schönen Ergebnissen!)

Der Weg wurde mal breiter, dann wieder schmäler. Forststraßen wechselten mit beinahe abenteuerlichen Trampelpfaden. Durch den Wald, direkt am Lech, auf und ab.

Leider zog es sich immer weiter zu, ein fieser, kalter Wind kam auf und mit dem Wind kam Regen. Nicht genug, um die Regenjacken aus dem Rucksack zu kramen, aber doch so viel, dass ich die Kapuze der Softshelljacke überzog. Auch als Windschutz.

Unten am Lech wartete der Bluatschink auf uns. Lola zeigte sich unbeeindruckt, obwohl es von Bluatschink heißt, er hause im Lech und verschlinge unvorsichtige Kinder. Der sympathische Geselle.

Wir machten eine kurze Mittagspause und ich tauschte kurze gegen lange Hosen. Außerdem zog ich mir das Wollbuff über die Ohren, dieser fiese, kalte Wind!

Der Weg wurde … langweilig. Geradeaus. Schotterwege und leider auch ein Stück hier entlang:

Der Lechweg ist eben nicht nur pure Idylle, doch die weniger schönen Stellen vergisst man tatsächlich sofort wieder. Denn schon um die nächste Ecke wird es entweder so anstrengend, dass man sich nach langweiligem Asphalt sehnt oder der Ausblick lenkt hinreichend ab 🙂

Dieses leuchtende Eisbonbonblau des Lech hat zwei Gründe:das Wasser ist sehr, sehr kalt (sechs Grad durchschnittlich) und es sind jede Menge Mineralien darin gelöst. Geologen wissen vermutlich, welche Mineralien für das tolle Blau sorgen.

Wir bogen zur letzten Steigung ab, den Panoramaweg nach Elmen. Hoch, hoch, noch höher und dann noch höher und noch ein Stück. Die Füße schmerzten, die Beine waren schwer …

… doch das Wetter lud nicht zum Ausruhen ein.

Eine handvoll Walderdbeeren und Heidelbeeren im Vorbeigehen gepflückt gaben kleine Energieschübe und endlich, endlich standen wir am Hotel. Ein schönes Zimmer und eine heiße Dusche warteten, leider auch das Schild am Hotelrestaurant: „Donnerstag Ruhetag“. Kurz war ich in Versuchung, mit an Müsliriegeln und Äpfeln satt zu essen, doch bis zu einer leckeren Portion Käsespätzle dauerte es nur zehn Minuten zu Fuß. Auf dem Heimweg regnete es, aber das war dann eigentlich auch egal.

Ich schlief gut, hatte ein tolles Frühstück und als der Gatte zum Gipfelstürmen heute morgen aufbrach, drehte ich eine kurze Runde mit Lola. Bevor ich mich lesend von Sonnenfleck zu Sonnenfleck schleppte. Nicht mal 4000 Schritte bekomme ich heute zusammen, gestern waren es ein paar (viele) Schritte mehr. 31,9 Kilometer, behauptet der Schrittzähler.

Morgen geht es wieder weiter!

Lechweg 2018 – von Lech nach Holzgau

Wegen Erschöpfung und Hunger (Abendessen gibt es in einer halben Stunde) fasse ich relativ knapp den Tag zusammen.

Nach dem Frühstück gaben wir unseren Koffer zum Transport ins nächste Hotel ab und wir selbst marschierten zur Bushaltestelle, um mit dem Bus wieder nach Gehren zu fahren. (gestern waren wir dort in den Bus zurück nach Lech gestiegen, weil wir keine Übernachtung gefunden hatten) Wir liefen also exakt dort weiter, wo wir gestern aufgehört hatten. Und zwar bei allerfeinstem Wetter!

Der Weg verlief heute anfangs weit oberhalb des Lech (Panoramaweg). Das bot eine prima Aussicht auf die umliegenden Berggipfel und der Gatte bekam das sehnsüchtige Glänzen in die Augen, denn die ausgeschilderten Wanderwege führen zu Berghütten, auf denen er mit den Kindern schon war. Und mit seiner Frau muss er so eine langweilige Tour laufen. Behauptete ich, er stritt das glaubhaft ab. Und die Etappe heute hatte ja auch wirklich wieder ihre reizvollen Stellen!

Vor allem war sie zum Erholen, denn nach einem recht moderaten Anstieg ging es größtenteils sacht und knieschonend bergab. Teils über Forststraßen, teils asphaltiert, ein ganzes Stück sogar an der Straße entlang. Nicht ganz so schön, doch bevor man mürrisch darüber werden will, biegt der Weg in entzückende Pfädchen ab und alles ist vergessen und verziehen.

Unsere Mittagspause machten wir am Ufer, dazu verließen wir den Weg und schlugen uns durchs Gebüsch. Die Sonne kam dazu und es fiel schwer, die Pause nicht allzu lang auszudehnen. Aber es ist halt so: je länger die Wanderpause, desto schwerer das Aufraffen hinterher.

Kurz vor Holzgau beschlossen wir, dass es bestimmt eine prima Idee ist, rasch zur Hängebrücke zu laufen. Nur um zu sehen, ob a) ich mich drüber traue und b) der Hund sich rübertraut. Bevor wir morgen davor stehen und keiner traut sich und wir den ganzen Weg zurück und runter müssen, um die Alternativroute wieder nach oben schnaufen zu müssen.

Es fing ein bißchen an zu regnen und irgendwie ging es auch nur noch fies asphaltiert bergauf, doch schließlich standen wir vor der größten Hängebrücke Österreichs. Und mir war mulmig.

Die Brücke hat nämlich ein Gitterrostboden und sie schwankt ziemlich. Aber natürlich wagte ich mich über die Brücke. Und als ich unterwegs war, kam Lola nach 🙂

Meine Knie waren ziemlich wackelig, doch es brauchte letztlich nur 258 Schritte bis ich drüben war.

Der Abstieg zurück nach Holzgau war dann ein Klacks. Trotzdem werden wir morgen die Alternativroute laufen, denn vermutlich haben wir morgen früh nicht das Glück, eine gänzlich leere (und deshalb weniger schwankende) Brücke für uns zu haben.

Jetzt: Abendessen im Hotel und früh schlafen. Die Tour morgen ist lang!

Heute behauptet mein Schrittzähler, ich sei 25,3 Kilometer gewandert.

Lechweg 2018 – von Lech nach Gehren (und wieder zurück)

Wanderurlaub bedeutet: nicht ausschlafen, früh los, bevor es heiß wird und damit man die Tagesetappe schafft. Vermutlich. Unsere geplante Tagesetappe war nicht zu lang, Hitze erwarteten wir nicht, wach waren wir trotzdem um sieben. Erfreulicherweise war der Himmel blau, die Sonne schien und immerhin von drinnen sah es nach einem phantastischen Sommertag aus. Als ich mit dem Hund zur ersten Abführrunde rausging, fror ich sehr, die Temperatur lag unter zehn Grad.

Wir frühstückten ausgiebig (Hotelfrühstück, ohne Höhen oder Tiefen) und zogen danach die Wanderklamotten wieder an. Die Regenjacken verstauten wir tief unten im Rucksack und – ich greife vor – dort blieben sie auch.

Es ging ein paar Meter asphaltiert nach oben, bevor wir auf einen schmalen Weg durch Weiden einbogen.

Der Weg schlängelte sich sachte auf und ab, die Sonne begann zu wärmen, der Hund rannte um uns herum und uns war sehr fröhlich zumute.

Bis uns etliche Kühe den Weg versperrten. Links ein Zaun, rechts Wald und der Weg voller Kühe. Mutterkühe mit Kälbern, die uns erst sehr argwöhnisch beäugten und dann, als sie Lola bemerkten, ungehalten wurden. Ungehaltene Kühe sind sehr große, muhende Brocken, die erstaunlich schnell rennen können und deren sanfte Augen gar nicht mehr sanft aussehen. Der Gatte packte den vor Panik durchdrehenden Hund am Gurt und zog ihn durch die immer mehr in Aufruhr geratende Herde. Ich blieb zurück und sah, dass Gatte und Hund das Ende der Weide und somit das rettende Tor erreichten und passierten. Frustrierte, wütende Kühe konnten nicht mehr folgen und drehten deshalb ab, in meine Richtung. Binnen von Sekunden war ich von sehr großen, laut muhenden Kühen umringt. Sie stießen mich mit der Nase an und ich bekam Angst. Keine Panik, aber ich war sicher kurz davor. Keine Ahnung, ob Kühe noch wütender werden, wenn man laut ruft oder in die Hände klatscht, keine Ahnung was passiert, wenn man sie wegstößt. Ich quetschte mich in die Lücken und den Hang hoch, bis ich am Tor stand.

Die Kühe, die das Tor versperrten, warfen Lola noch immer wütende Blicke zu, die restliche Herde drängte sich dahinter. Neben mir Stacheldraht und Elektrozaun, wären mir die Kühe weiterhin auf die Pelle gerückt, wäre ich wohl geklettert.

Rettung nahte aber von hinten. Mehrere Wanderer kamen den Weg entlang und zu fünft gelang es uns dann, die Kühe zurück zu geleiten, so dass wir das Tor passieren konnten.

Wir wanderten weiter und nach hundert Metern musste ich anhalten. Seitenstechen, Angst und Tränen veratmen. Ich mag doch Kühe so gerne! Nie hätte ich gedacht, dass ich mich vor ihnen fürchten könnte.

Ein paar Schritte weiter warnte dann ein Schild: Mutterkühe können sich von Hunden angegriffen fühlen, Achtung! Wir können dies hiermit bestätigen.

Weiterer Kuhherden, denen wir begegneten, umliefen Gatte und Hund weiträumig, während ich therapeutisches Angst-vor-Kühen-verlieren spielte und durch die Herden hindurch marschierte, gänzlich ignoriert von den ausgewachsenen Tieren. Lediglich die Halbstarken kamen neugierig herbeigerannt. Ich mag Kühe jetzt wieder. Lola nicht, aber das ist ja auch in Ordnung.

Der Weg heute war, abgesehen von den wilden Kuhbestien, ein sehr geruhsamer. Es gab ein paar Steigungen mehr, dafür aber keine spektakulären Abhänge. Die Lech floss weit unter uns, nur an einer einzigen Stelle überquerten wir sie. Es ging durch lichte Wälder und am Ende über wunderschöne Wiesen mit Blick auf hohe Berggipfel. Phantastisch!

In Gehren, unserem Etappenziel, kehrten wir noch hier ein:

Sollten Sie dort vorbeikommen und die Terrassen Einkehr ist geöffnet: gehen Sie rein. Lisl kocht regional, bio und mit frischen Kräutern, serviert Quellwasser, ebenfalls mit frischen Kräutern und der Kaffee schmeckt prima!

Wir warteten zwanzig Minuten auf den Bus, der uns zurück nach Lech brachte. Morgen früh fahren wir mit dem Bus wieder an diese Haltestelle und laufen von dort weiter. Unterkünfte gab es zwar in Gehren, doch leider keine, die unseren Hund als Gast erlaubten. Aber die Busse fahren regelmäßig und das ist ja auch alles kein Problem.

Mein Schrittzähler sagt, dass ich heute 19 Kilometer gelaufen bin. Kommt ganz gut hin. Die Etappe morgen ist länger. Dafür soll es auch wieder regnen 🙂

Lechweg 2018 – Freiburger Hütte/Formarinsee bis Lech

Wer abend sehr früh schläft, ist morgens sehr früh wach. Und muss warten, bis es um sieben endlich Frühstück gibt! Eine Stunde Zeit, um den ganzen Kram wieder zusammen zu packen, den Hund zum Pinkeln um die Hütte zu jagen, mit großem Bedauern festzustellen, dass es wie aus Kübeln gießt und dann noch vierzig Minuten herumzuhängen und die Blase trainieren. (Sie erinnern sich, der Hüttenradler vom Vorabend)

Zehn vor sieben eroberten wir die Haupthütte und genossen ein formidables nahezu feudales Frühstücksbüffet mit allem, was der ambitionierte Wanderer zur Stärkung benötigt.

Danach zogen wir alle Kleidungsstücke die wir dabei hatten übereinander, zum Schluss die Regenjacke über die Softshelljacke und versicherten uns gegenseitig, dass uns sechs Grad kalter Regen ü-ber-haupt nix ausmacht.

Und wir wanderten los. Nicht den Steig vom Vorabend, denn Steige bei Regen machen keinen Spaß, außerdem waren wir satt und fröstelig. Wir wählten den breiten, geschotterten Zufahrtsweg zur Hütte und marschierten komfortabel bergab.

Ein kleines Schneefeld am Rande bereitete nicht nur dem Hund viel Spaß …

… und auch. Wir knipsten ein „Schneelfie“ und verschickten Grüße aus dem Schnee. Kalt genug war es ja.

Es regnete so vor sich hin, doch wir fanden unseren Schritt und irgendwie war alles gar nicht so schlimm. Wie immer halt: wenn man erstmal unterwegs ist …

Wir fanden den offiziellen Einstieg zum Lechweg und als da plötzlich mitten in der Wiese ein Bächlein hervorgluckerte …

… beschlossen wir, dass dies die Quelle des Lech ist. Eine echte Quelle gibt es gar nicht, es treffen sich diverse Rinnsale, die dann ab einer bestimmten Stelle eben Lech heißen. Mit Quelle ist es aber hübscher 🙂

Der Regen ließ immer mal wieder für ein paar Minuten nach und um den Rahmen hier nicht zu sprengen, verlasse ich den chronologischen Weg und fasse zusammen. Der Regen ging und am Ende kam sogar die Sonne.

Der Weg wird in dieser Etappe als „anspruchsvoll“ bezeichnet, aber das ist halt relativ. Ungeübte Wanderer mögen mit Felsen und Wurzeln Probleme haben, vor allem bei Regen, erfahrene Wanderer gehen einen Schritt langsamer und freuen sich über den abwechslungsreichen Weg. Je weiter der Weg ins Tal führt, desto einfacher wird er. Aber niemals langweilig. Er führt über zahlreiche Brücken und Stege, Kinder haben vermutlich genauso viel Freude daran wie Erwachsene!

Die Landschaft und der Lech wechseln ständig zwischen rauh und beinahe lieblich, man möchte ständig Postkartenbilder photographieren.

Und wenn man schon mal da ist, muss man natürlich auch durchwaten …

oder ganz memmenhaft nur die Füße reinstellen.

Und wenn da wieder ein Schneefeld ist, muss man drauf herumtoben:

Wir sahen weder Steinbock noch Gemse, dafür lernten wir, dass Kühe einen Hund als Bedrohung sehen. Und Lola berechtigte Angst vor Kühen hat.

Die Kühe stellten sich im Schulterschluß zusammen und muhten sehr aufgeregt. Kamen auf uns zu, statt wegzulaufen und verfolgten uns. Es war ein klitzekleines Bißchen gruselig. Nicht nur für Lola.

Pferde hingegen fanden Lola toll. (Lola war eher weniger begeistert).

Sie kamen freundlich auf uns zu und begleiteten uns ein Stück.

Genau wie die drei Esel

Die uns durch ein kleines Waldstück begleiteten und die mich immer wieder aufmunternd anstupsten. Gerade als wir überlegten, ihnen unseren Rucksack aufzuladen, blieben sie zurück.

Am frühen Nachmittag kamen wir in Lech an.

Laut Wegweisern hätten wir den Weg in dreieinhalb Stunden gehen können, die offizielle Lechwegbroschüre spricht von fünf Stunden. Bei uns kam letzteres gut hin, wir sind eben keine „schnell, schnell, Kilometer reißen!“-Wanderer, sondern bleiben ständig stehen, schauen rum, knipsen Bilder oder knutschen, weil wir so glücklich sind.

Ein Café, in dem wir die erste Etappe mit Kaffee und Kuchen hätten feiern können, suchten wir nur halbherzig. Das eine, das in Lech auf unserem Weg lag, hat Montags Ruhetag. Aber der Supermarkt hatte auf und dort gab es ein kaltes Kaffeegetränk aus dem Becher und feine Kaffeestückchen. Im Hotelzimmer das volle Pflegeprogramm, ein bißchen Ausruhen und danach eine kleine Abendrunde, damit der Hund abführen kann. Mangels Hotelrestaurant und Lust, ein Restaurant zu suchen, versorgten wir uns erneut im Supermarkt mit Abendessen fürs Hotelzimmer.

Und jetzt: Lesen und bald schlafen.

Der Schrittzähler sagt: 21.37 Kilometer. Morgen werden es ungefähr genauso viele.

Lechweg 2018 – Nierstein bis Formarinsee

Von Nierstein braucht man siebeneinhalb Stunden bis nach Lech. Man muss in fünf verschiedene Züge steigen und danach noch in zwei verschiedene Busse. Die letzten 1,3 Kilometer Fußweg zur Alpenvereinshütte sind dann eine wahre Wohltat, vor allem wenn man den „Steig nur für Geübte“ nimmt.

Zug fahren mit Hund ist nicht sehr anstrengend, jedenfalls nicht mit unserem Hund. Lola liegt rum und wenn ihr langweilig ist, schläft sie. Mal unter den Klappsitzen im Fahrradabteil …

… wenn nix los ist, auch mal mittendrin …

… oder zusammengerollt unter dem Tisch.

Einen Maulkorb haben wir immer dabei. In den Regionalzügen bei uns herrscht keine Maulkorbpflicht, doch wenn Mitreisende sich unwohl fühlen, muss einer angelegt werden. Im ICE gibt es eine Maulkorbpflicht, doch Lola lag anderthalb Stunden unsichtbar unter dem Tisch, wir haben uns quasi durchgemogelt. In Österreich muss ein Maulkorb angelegt, doch das Zugpersonal drückte sämtliche Augen zu.

Als wir in die Busse umstiegen, musste aber der Maulkorb her und tja.

Ein glücklicher Hund sieht anders aus, aber leiden muss sie unter dem Maulkorb nicht.

Unseren Koffer stellten wir in dem Hotel ab, in dem wir von Montag bis Mittwoch unterkommen. Im Rucksack hatten wir Übernachtungssachen und all das, was wir für die Montagswanderung, der ersten Etappe auf dem Lechweg, brauchen würden.

Mit dem Bus fuhren wir bis zur Formarinalpe, von dort aus führte der Felsensteig zur Freiburger Hütte, die Alpenvereinshütte, in der wir übernachten wollten.

Da wir das mit dem Schönwetterwandern schon in Irland nicht hinbekommen hatten, war es nicht allzu überraschend, dass es sachte vor sich hin regnete. Womöglich sind ein Felsensteig und sanfter Regen keine ganz glückliche Kombination, doch über kniffeligere Stellen des Weges halfen Stahlseile und Krampen in den Felsen.

Die Bilder, die ich knipste …

sind deutlich spektakulärer, als die des Gatten. Einmal zurückgeknipst:

Alles nur noch halb so wild. Der Hund lief übrigens so lange frei, bis die Murmeltiere zu pfeifen begannen und Lola größeres Interesse an ihnen zeigte.

Nach einer halben Stunde waren wir da.

Wanderer mit Hund dürfen nicht in der Hütte übernachten. Wir durften im Winterlager schlafen. Eine kleine Hütte, ein bißchen abseits. Ganz knuffig, eigentlich …

… und schön, weil wir allein waren, doch …

… der Ofen war nicht in Betrieb und da die Temperaturen draußen unter zehn Grad lagen, war es lausig kalt. Zehn Minuten nach unserer Ankunft …

… gab es Wetter. Heftiger Regen samt Gewitter und Graupel. Als letzterer nachließ, schickten wir Lola schlafen und huschten rüber in die Hütte zum Abendessen. Dinkelnudeln mit Eierschwammerln und dazu ein Hüttenradler zum Anstoßen auf den Urlaub.

Gegen sieben Uhr rannten wir durch den Regen zurück in unsere Winterhütte. Der Gatte erbarmte sich und lief mit dem Hund zur letzten Pinkelrunde ums Haus, während ich mich in Hüttenschlafsack und drei Wolldecken wickelte.

Auf Hütten gibt es kein Netz und keine Steckdose, man schläft halt einfach ein bißchen früher. Und ignoriert die dem Hüttenradler geschuldete volle Blase, weil die Toilette in der Haupthütte ist, die nur durch Regen und Kälte zu erreichen ist. Hat geklappt, wir schliefen ziemlich gut.

Überraschungsgäste

„In deinem Kompost sitzt eine Ente mit Küken!“, teilte mir die Nachbarin an der Haustür mit und tatsächlich. Eine Entenmutter mit etlichen, wild wuselnden Küken, mindestens acht, eher zehn.

Ui. So ein naturnaher Garten ist ja was Feines, aber leider mangelt es doch an ausreichendem Gewässer für eine Entenschar. Stattdessen gibt es eine Menge jagdlustiger Katzen, der Ringelfranz begeistert vorne mit dabei.

Mit der Nachbarin beratschlagten wir kurz, wie wir jetzt vorgehen können. Die Mutter fangen, dann kommen die Jungen automatisch hinterher. Oder umgekehrt? Letztlich waren wir unsicher und ich rief den Vogelexperten des hiesigen NABU an. Er versprach sofort zu kommen.

Die Nachbarin ging wieder heim und der Große behielt Straße und Haustür im Blick. Ich bewachte die Entenfamilie. (und verliebte mich immer mehr in diese entzückenden Federbällchen!)

Der Vogelexperte rückte mit Katzentransportbox und großem Kescher an. Er und der Große kennen sich aus der Zeit, als der Große sein FSJ im Waldkindergarten absolvierte. Freundliche Begrüßung, kurzer Smalltalk und dann verschaffte er sich einen Überblick. Es sei gut, wenn man die Entenmutter in einen Schuppen locken könnte, dann ließe sie sich leichter fangen. Auf keinen Fall dürfe sie auffliegen. Sollte sie das tun, müssten wir warten, bis sie wieder zu ihrer Brut zurückkehrt.

„Wie ist sie eigentlich in dem Kompost gelandet?“, versuchten wir zu rekonstruieren, denn dass sie dort gebrütet hat ist völlig ausgeschlossen. Eine Stunde zuvor hatte ich noch Dürres auf den Kompost geworfen. Eine Ente wäre mir aufgefallen.

„Wahrscheinlich kamen sie aus dem Garten obendrüber.“, vermutete ich.

Unser Garten ist ein langer Schlauch, daran grenzen, zwei Meter über uns, vier Nachbarn. Das Haus auf dem Grundstück hinter/über dem Kompost steht seit Wochen leer, der Garten hinter den Backsteinen ist verwildert. Wahrscheinlich hat die Ente dort gebrütet und sehr erfolgreich ihre Brut ca. eine Woche gegen sämtliche Katzen verteidigt. Eine Heldin!

Auf der Suche nach Wasser oder auf dem Weg zum Bach, der zwei Grundstücke unter unserem fließt, ist sie dann wohl bei mir hängen geblieben.

Einen Schuppen zum Hineinlocken gibt es bei uns in diesem Gartenstück nicht, nur der Weg in die eine Richtung, der zweieinhalb Meter über der Straße endet oder der in die andere Richtung, der in dichten Brennnessel-Holunder-Gestrüpp endet. Alles nicht optimal, deshalb wollte er die Ente direkt im Kompost fangen.

Ich holte die größte Tischdecke aus dem Haus, damit der Große und ich damit eine Begrenzung bilden konnten. Wir spannten die Decke zwischen uns und glaubten, den einen Weg zu versperren. Aber Enten können fliegen und als der Kescher im Kompost landete, flog die Ente über unsere Absperrung in den Apfelbaum und von dort hinunter in meine Waldrebe. Quiekend wuselten sämtliche Küken aus dem Kompost ihrer Mutter hinterher und wir mussten neu planen.

„Im Rosa Gartenhüttchen gibt es immerhin zwei feste Wände, vielleicht können wir sie dort fangen.“, schlug ich vor und so versuchten wir es.

Der Große und ich versperrten mit unserer Enten-Durchgang-verboten-Tischdecke den Weg und die offene Gartenhüttchenseite, während der Vogelexperte die Schar mit zärtlichen „nag-nag-nag“-Rufen vor sich hertrieb. Mitten durch meine Echinaceen, auf die ich so stolz bin, weil sie dem harten Winter trotzten.

Statt ins Gartenhüttchen zu fliehen, kuschelten sich Entenmutter und Küken unter meine wunderschöne Ramblerrose und schienen sich gut und sicher zu fühlen.

Jedenfalls so lange, bis sie mit dem Kescher liebevoll gestupst wurden und sich doch herauswagten. Direkt vor meinen Füßen, die ich rasch hinter der Absperrungstischdecke versteckte.

Ein beherzter Schwenk mit dem Kescher …

… und eine höchst empörte Ente war gefangen. Jedenfalls bis zu dem Moment, da sie in die Transportbox gesetzt werden sollte. Dabei entfleuchte sie laut schnatternd und wir starteten das fang-die-Ente-Spiel erneut. Etwas routinierter und tatsächlich saß sie ein paar Minuten später in der Box, während die Küken aufgeregt piepsend durch meine Minze marodierten. Der Versuch, die Küken zu ihrer Mutter laufen zu lassen, wurde abgebrochen, weil die Mutter nicht lockte.

Also fingen wir die Küken und das ist jetzt leichter getippt als getan.

Der Vogelexperte fing ein Küken, der Große öffnet die Box, der Experte stopfte das Küken hinein, das Küken quetsche sich durch das Gitter wieder hinaus. Wir hatten mittlerweile die Küken gezählt und wussten, dass wir dreizehn Küken in die Box packen mussten. Mitzählen war unmöglich, wir fingen etwa zwanzig Küken 🙂

Ich holte eine Decke aus dem Gartenhüttchen. Die drückte der Große vorsichtig auf das Gitter der Transportbox und ließ immer nur ganz kurz los, um ein gefangenes Küken hineinzulassen.

Mittlerweile krochen der Vogelexperte und ich auf Knien durch die Minze. Der Experte rief beruhigend „wi-wi-wi-wi-wiii“, die Küken antworten fröhlich und rannten hinter die große Zinkwanne. Mit dem Kescherstiel wurden sie freundlich aufgefordert in meine Richtung zu rennen, was sie dann auch taten. Ich fing sie und leider war keine Zeit für genaue Betrachtung. Ein ein Wochen altes Entenküken ist winzig, kleiner als ein gebratener Hühnerflügel, mit sehr viel zartem Plüsch drumherum. Und kleinen, ledrigen und sehr kalten Füßen. Entzückend!

Irgendwann piepste es nur noch in der Transportbox und nicht mehr in der Minze. Trotzdem wollten wir sicherheitshalber nachzählen, dies aber möglichst in einem sicheren Raum.

Den Deckel abzuheben wagten wir dann aber doch nicht. Ich flitzte noch einmal rasch in den Garten, doch kein Piepsen war zu hören. Wir besprachen, wo ein evtl. doch zurückgelassenes Küken zwecks Familienzusammenführung hinzubringen sei und entließen Vogelexperten samt Entenfamilie.

Schweißgebadet übrigens, denn die Entenjagd ist ziemlich nervenaufreibend.

Eine Stunde später erreichte mich per whatsapp ein kleines Filmchen. Eine glückliche Entenfamilie, die in den Sonnenuntergang schwimmt.

Ente gut, alles gut.

WMDEDGT im April

Frau Brüllen fragt: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“

Da heute das Fünf–Jahres–Jubiläum dieser Frage ist, hätte ich mich sehr, sehr gerne mit einem spannenden Tag beteiligt. Tatsächlich habe ich aber einen „hätte, wenn, täte“–Tag hinter mir, einen ganzer Tag, an dem ich nicht in die Pötte kam. Und das ausgerechnet mir, wo mir doch neulich klar wurde, dass ich nicht altersmilde lächeln kann, wenn mir erzählt wird, man würde gerne dies oder das tun, könne sich aber nicht aufraffen, wolle sich verändern, fände aber den Anfang nicht oder irgendwas lohne sich ja nicht, weil die Zeit zu knapp sei. Das nervt mich ungemein, wahrscheinlich deshalb, weil ich seit drei Jahren versuche, mir genau dieses Verhalten abzugewöhnen und lieber zu machen, statt zu redenplanenträumenjammern. Geschwurbel, pardon.

Ich begann den Tag recht energiegeladen, obwohl der gestrige Tag traurig und mit Himbeergeist endete. Wir hatten die Freunde zum Essen geladen und als wir essend und lachend zusammen saßen, kam der Anruf: Oma Ernel ist gestorben. Mit gesegneten 95 Jahren und nach qualvollen fünf Tagen letztlich sehr erlösendend. Sie war die Ziehmutter des Schreinerfreundes und der Schmerz in seinen Augen, während er von Erlösung sprach, geht mir sehr nahe. Zwei Jahre lang habe ich versucht, Oma Ernel in ihrem Garten zu vertreten, bevor ich, meinen Gärtnerinnenhut vor ihr ziehend, kapitulierte. Zu viel Arbeit. Sie hat mir so viel beigebracht und wäre es nach ihr gegangen, wäre sie einfach mitten im Kartoffelfeld umgekippt. Es wäre wohl in ihrem Sinne, Kartoffeln und Gemüse auf ihrem Grab zu pflanzen, doch ihre konservativen Töchter sehen das anders. Es wird sich aber ein Eckchen finden, in dem ein Zierkohl wachsen kann.

Während ich also heute morgen die Küche in Ordnung brachte, die Spülmaschine aus– und wieder einräumte, wurde mir klar, dass jetzt diese Zeit beginnt. Diese Zeit, in der wir unsere Eltern alt werden sehen und dann wohl auch zu Grabe tragen.

Um nicht schwermütig zu werden, schnappte ich mir den gar nicht mehr so kleinen Hund und zerrte ihn in den leichten Nieselregen hinaus. Lola ist absolut kein Hund, der scharrend, mit der Leine im Maul, an der Tür steht. Jedenfalls nicht vor zehn Uhr am Morgen. Bis dahin mag sie auf dem Küchensofa liegend dösen. Ich aber will spätestens um acht draußen sein und ich bin die Chefin, ich bestimme.

Wir liefen durchs Ried Richtung Schwabsburg. Der Nieselregen hörte auf, durch die grauen Wolken schimmerten ein paar hellblaue Flecken und ich beschloss, heute zu bloggen. Ich blogge täglich, doch irgendwie schaffen es die Texte nicht bis in die Tasten und je länger ich das so halte, desto schwieriger wird der nächste Einstieg.

Wir liefen durch die Wingerte hinter Schwabsburg. Derzeit wird in den Wingerten „gebogen“. Die Rebstöcke wurden in den letzten drei Wochen zurückgeschnitten, bis auf den „Stamm“, nur eine einzige „Rute“ bleibt stehen. Diese wird bogenförmig an Draht gebunden. Wer noch immer denkt, dass Winzer sein ein cooler, easy–peasy Job sei, der soll mal ein Jahr lang täglich einen Wingert beobachten und ab und zu mal ein Schwätzchen mit einem Winzer halten. Ein mit uns befreundeter Winzer erzählt den Touristen, die ihn fragen, was er denn außerhalb der Lese denn so täte, das: „Wenn die Lese vorbei ist und der Wein im Fass, fahre ich den Rest des Jahres auf die Malediven und verprasse meine Reichtümer, die ich durch den Verkauf erlange.“

Alle wilden Beerensträucher zwischen den Wingerten blühen und es duftet so wunderbar nach Frühling! Einige dicke Hummeln habe ich gesehen und die ersten Bienen. Leider war ich in den letzten Jahren nicht aufmerksam genug und somit weiß ich nicht, ob es wirklich weniger Gebrumm und Gesumm ist oder ob ich nur denke, dass es so ist, weil ich über den dramatischen Rückgang der Insektenpopulation las.

Rehe, Kaninchen, Fasane und Feldhasen sah ich vor Lola, so dass ich ihr sofort signalisieren konnte, dass jagen unerwünschtes Verhalten ist und sie an meiner Seite zu bleiben hat. Als dann der Erpel über unseren Kopf hinweg flog und neben uns im Bach landete, gab es kein Halten und sie sprintete los. Sie ließ sich aber direkt abrufen und kam sofort zurück. Jetzt bin ich ein bißchen stolz auf meine Hundeerziehungsfähigkeiten, denn immerhin steckt eine gute Portion Jagdhund in unserem Halbmatiner und sie lässt sich trotzdem abrufen!

Daheim gab es Frühstück für uns, von meinem Apfel fürs Müsli bekam sie zwei Stücke ab. Der Kater gesellte sich mit Beute dazu und ich war ja auch fast schon satt.

An dieser Stelle muss ich dann die detaillierte Schilderung beenden, denn wie oben beschrieben: hätte, wenn, täte. Ich lief von rechts nach links, runter und wieder rauf, nahm Dinge in die Hand und legte sie wieder weg. Hatte Ideen und verwarf sie wieder, alles was ich mir für heute vorgenommen hatte – passte nicht. Ich las ein bißchen was zum Thema Imkerei, schrieb ein paar Listen für den Garten, war doch ein bißchen und ein bißchen mehr schwermütig und dann war schon wieder Zeit für die Hunderunde am Abend. Der verlockende Sonnenschein verschwand, als ich im Wingert stand, wurde abgelöst von kaltem Wind und Regen. April eben, doch ich nahm das persönlich, weil doch dieser ganze Tag sowieso verkorkst war. Der Gatte kam heim und ging ohne mich in den Sport, denn ein hätte, wenn, täte – Tag muss natürlich mit Schokolade auf dem Sofa statt Muskelbeanspruchung auf der Gymnastikmatte enden.

Morgen, sage ich mir. Morgen ist alles wieder gut und vielleicht schreibe ich dann auch drüber.