Walnüsse für Frau Mutti

Der Walnußbaum trägt dieses Jahr ein paar Nüsse. Das ist nun kein ganz außergewöhnliches Phänomen, dass ein Walnußbaum das irgendwann tut, vor allem in unserer Gegend, wo diese Bäume wie Unkraut aus dem Boden schießen.

Dieser Baum zum Beispiel lässt sich durch wirklich nichts aus der Ruhe bringen.

Er wächst aus dem Fundament des ehemaligen Hühnerstalls und tut das auch immer wieder, denn spätestens alle drei Jahre sägen wir ihm bodennah ab, damit er den ehemaligen Hühnerstall beim Weiterwachsen nicht zum Nachbarn hebelt. Das liefert uns eine Menge feines Brennholz und im Jahr drauf wächst er wieder in die Höhe. Jedesmal etwas verzweigter, doch voller Kraft, irgendwie trotzig.

Wenn in unserem Garten unbedingt ein Nußbaum wachsen will, dann will ich wenigstens bestimmen, wo. Mein Garten, ich bestimme! Ein weiterer Baum wächst nämlich in der Zinkwanne bei den Funkien (und hat den Wannenboden vermutlich schon durchbohrt), ein anderer auf dem Mäuerchen neben der Wackeltreppe nach unten. Beide dürfen leider nicht weiterwachsen. Gepflanzt wurden sie übrigens vom vergesslichen Eichhörnchen. Das weiß ich genau, ich beobachte das Viech immer dabei, wie es Walnüsse in meine Kräuterkästen auf der Terrasse steckt.

Zurück zu „ich bestimme!“. Vor zwei Jahren überlegte ich, dass der sehr alte Kirschbaum vielleicht irgendwann zu alt und damit ein bißchen gefährlich für Mensch, Tier und Haus wird und deshalb gefällt werden muss. Dieser wunderbare, riesige Baum spendet uns aber nicht nur den allerfeinsten Schatten, er sorgt auch dafür, dass wir im Sommer nackt auf der Terrasse herumliegen könnten wenn wir wöllten, kein Nachbar könnte zusehen. Dass unzählige Vögel, unter anderem auch ein sehr renitentes Taubenpaar, in diesem Baum brüten und er im Frühjahr mit der Blüte tausende Insekten glücklich macht, sei nur nebenbei erwähnt. Der Verlust des Kirschbaums wäre ein herber. Auf gar keinen Fall vermissen würden wir Squillionen leider ungenießbarer und nicht in der Küche zu verarbeitenden Kirschen. Über die freuen sich nur Stare, Wespen und Schmeißfliegen.

Es soll also kein Kirschbaum nachwachsen (was bedeutet, dass ich im Frühjahr Squillionen von jungen Kirschbäumen jäten muss), sondern ein Walnußbaum. Die wachsen ja überall im Garten so toll. Außer an der Stelle, an der wir feierlich vor zwei Jahren eine auskeimende Nuß vergraben haben. Dort wächst ein Walnußgestrüpp, das keinen Stamm ausbildet, dafür aber sämtliche Krankheiten und Pilze auf den eher gelblichen Blättern züchtet. Knapp vier Meter neben dem nicht tot zu kriegenden Hühnerstallsprenger. Womöglich trägt die unsägliche Neugier des damals etwas kleineren Hundes zum Fehlwachstum bei, denn Lola fand das Spiel „ich buddele die Nuß aus, selbst wenn ihr sie wieder versteckt“ einfach zu verlockend.

In den Nüssen des Hühnerstallwalnußbaumes liegt nun unsere ganze Hoffnung. Wir werden sie nicht feierlich verzehren, sondern das kränkliche Walnußgestrüpp entfernen und einen Meter daneben eine hoffentlich voller Saft und Kraft steckende Nuß pflanzen. Damit ein großer Nußbaum den irgendwann ausfallenden Kirschbaum ablösen kann.

(vermutlich wird die gepflanzte Nuß die einzige Nuß sein, die das vergessliche Eichhörnchen im Winter ausbuddelt)

(ganz sicher werde ich das künftige Walnußbaumlaub nicht weniger hassen, als die derzeitige ungenießbare-Kirschen-Schwemme, die genauso wie das künftige Laub nur zusammengerecht und entsorgt werden muss)

(um dem gar nicht mehr so kleinen Hund das „finde die Nuß“-Spiel zu verderben, müssen wir einen Zaun oder einer Mauer um die eingebuddelte Nuß ziehen)

(oder sie heimlich vergraben)

Es ist kompliziert.

Johannisbeercrumble

Wenn die erste Johannisbeerernte bereits ziemlich üppig ist …

(der Gatte hat gerupft und entstielt)

… und keine Zeit zum Entsaften da ist, die Beeren aber trotzdem verarbeitet werden wollen …

… sie aber noch ein klitzekleines Bißchen sauer sind …

… packt man sie am Besten zwischen jede Menge Streusel und backt sie als Crumble.

Für den finalen Süßkick …

… sorgt eine ordentliche Portion Vanillesoße. Selbstgekocht, versteht sich.

Am Besten schmeckt Johannisbeercrumble ganz frisch aus dem Ofen …

… Garten und Plastiklöffel sind dabei optional.

Johannisbeercrumble

500g Johannisbeeren mit einem Esslöffel (Vanille)Zucker vermengen

300g Mehl

120g Zucker

270g Butter

1 Eigelb

zu Streuseln verkneten. 2/3 der Streusel als Boden in eine Auflauf/Tarte/Quicheform drücken, eine Springform ist nicht so geeignet, weil sie nicht ganz dicht abschließt.

Die Johannisbeeren darauf verteilen und die restlichen Streusel darüber krümeln.

Bei 170 Grad Umluft ca. 40 Minuten in den Ofen.

****

Vanillesoße

Von einem 1/2 Liter Milch eine Tasse abschöpfen.

Die Milch mit 1Esslöffel Zucker und dem Mark einer halben Vanilleschote aufkochen.

In der Zwischenzeit 2 Esslöffel Speisestärke mit der kalten Milch in der Tasse verrühren.

Wenn die Milch kocht den Topf vom Feuer nehmen und das Milch/Stärke-Gemisch mit dem Schneebesen unterrühren.

Auskühlen lassen und vor dem Servieren nochmals umrühren.

Guten Appetit!

Lang lege die Königin!

Damit Sie gar nicht erst den langweiligen Imker-Kram bis zum Schluss lesen müssen: eine Königin ist geschlüpft! Sie muss nun in den nächsten Tagen auf Hochzeitsflug gehen, danach hoffentlich wieder heimfinden und direkt mit dem Legen beginnen. Auf dass das Volk groß und stark werden möge!

Ausführlicher ab hier 🙂

Knapp eine Woche war es her, seit wir den ersten Blick in unsere Bienenbeute wagten. Ganz kurz nur und sehr, sehr aufgeregt. Das erste Mal eben, da kann man so viel falsch machen, denkt man. Und man weiß nicht, wie die Bienen reagieren werden, wenn man sie ins Helle zerrt. Naja, ging ja alles ganz gut und wir entdeckten etwas, das womöglich eine Weiselzelle sein könnte. Weiselzellen sind ausgebaute Waben in denen Königinnen heranwachsen.

„Nicht zu oft reinschauen!“, muss man als Neuimker lernen, aber das ist schon verflixt schwer, denn gleichzeit liest man ja auch, dass man gerade um diese Jahreszeit oft kontrollieren soll. Ja was denn nun?

Wir kontrollieren von außen. Der Bienenkaffee am späten Nachmittag hat sich etabliert! Ein alter Schlitten dient dem Gatten und mir als Sitzgelegenheit in der Nähe des Flugloches. Und während wir Kaffee trinken und zusehen, wie die Bienen ein- und wieder ausfliegen, wälzen wir lauter hypothetische Probleme rund um das Volk und, zumindest ich, steigern uns in „ich muss nachsehen, ob alles ok ist!“ hinein.

Gleichzeitig passiert aber auch etwas Wichtiges hinten am Tümpel:

Der gar nicht mehr so kleine Hund lernt, dass er nicht nach surrenden, schwirrenden Insekten schnappen darf. Wenn Lola eine Biene nur ansieht hört sie ein sehr scharfes NEIN!, woraufhin sie sich verständnislos brummelnd auf der Wiese zusammenrollt und schmollt. Surrende Sachen müssen gefressen werden, denkt sie.

Mittlerweile klappt das ganz ausgezeichnet mit ihr, auch die unzähligen Libellen am Tümpel sind dankbar für ihre Zurückhaltung. Die übrigens nur am Tümpel hinten funktioniert! In jedem anderen Teil des Gartens oder im Haus schnappt sie fröhlich Wespen oder sonstiges Getier aus der Luft und zerteilt es elegant in zwei Hälften, bevor sie es genüsslich verspeist. (wir sollten anfangen, den Hund zu füttern)

Die Söhne bekundeten Interesse am Geschehen im Bienenstock.

Und da man den Wissensdurst der Jugend auf keinen Fall ausbremsen soll, beschlossen wir, dass wir in die Beute schauen.

Diesmal deutlich organisierter, denn wir überlegten vorher, wonach wir Ausschau halten wollten. Beim ersten Mal waren wir von sämtlichen Eindrücken so überwältigt, dass wir vergessen hatten nachzusehen, was wirklich wissenswert über den Zustand des Volkes hätte sein können.

Wir besitzen drei Imkerblusen. Da ich nur rasch ein paar Bildchen knipsen wollte und somit jederzeit wegrennen konnte, verzichtete ich auf jeglichen Schutz und blieb in Trägershirt und Röckchen. Der Gatte zog vorsichtshalber die dicken Handschuhe über, denn man weiß ja nie.

Beim letzten Mal hatten wir gelernt, dass der aufschiebbare Deckel der Ablegerbox durch Wabenwildbau leicht verklebt ist und deshalb kräftig, dabei aber langsam und gleichmäßig nach vorne weggeschoben werden muss. Und weil es sich bei einem schiebbaren Deckel um eine echte Fehlkonstruktion handelt, muss man in Kauf nehmen, dass zwei, drei Bienen mit dem sich zusammenschiebenden Wachs zerquetscht werden. Das ist schlimm, aber nicht zu ändern. Wir werden an die Werkstatt, in der die Ablegerkästen gebaut werden, weitergeben, dass ein Deckel zum Auflegen wie bei den Beuten eine bessere Wahl ist.

Der Deckel war offen, der Große pustete Rauch hinein. Der Rauch bewirkt, dass die Bienen sich den Honigmagen mit den Vorräten füllen um im Falle akuter Gefahr Honig in Sicherheit zu bringen. Gleichzeitig macht sie ein voller Bauch aber auch ein bißchen ruhiger und träge, so dass sie nicht empört auffliegen, wenn man die Beute öffnet.

Es herrschte gemütliches Treiben auf den Rähmchen.

Eine neue Mittelwand wird langsam ausgebaut. Das ist gut, denn die Königin wird Platz brauchen, um Eier zu legen.

Mittelwände sind dünne Wachsplatten mit sechseckiger Musterung, die quasi vorgibt, wo die Bienen ihre Waben bauen können. Bienen können ganz prima Waben auch ohne die Hilfe von Mittelwänden bauen, doch so einem kleinen Volk hilft das ein bißchen, wenn es Unterstützung bekommt.

Ob man später weiterhin Mittelwände benutzt, ist eine reine Geschmackssache. Die Waben darauf sind vielleicht einen Tick gleichmäßiger, was wiederum die Honigernte begünstigen kann. Dafür sehen Naturwaben ganz wunderschön aus! Wir wissen es noch nicht, bleiben aber am Anfang auf jeden Fall bei den Mittelwänden.

Es wimmelte und wuselte auf den Rähmchen, dabei blieb alles total friedlich. Ich war keine Minute in Sorge, dass ich angegriffen oder gestochen würde.

Wir entdecken gleich zwei leere Weiselzellen (nicht im Bild). Das bedeutete, dass es ziemlich sicher eine Königin gibt. Die zuerst geschlüpfte Königin sticht alle anderen nachwachsenden Königinnen ab, es kann nur eine geben. Und das ist echt gnadenlos!

Der Futterstatus scheint in Ordnung zu sein, sofern ich als Anfängerin das beurteilen kann. Außerdem gab es nur noch wenige verdeckelte Brutzellen, keine offenen mehr. Das bedeutet, dass die neue Königin in die Pötte kommen muss, das bestehende Volk wird sonst zu alt und kümmert sich nicht mehr gut.

Bienen werden nur etwas um die sieben Wochen alt. Sie beginnen ihre Lebenszeit als Wabenputzerinnen. Danach gibt es die Brutpflege, eine Phase als Bauarbeiterin und dann dürfen sie als Wächterinnen ans Flugloch. Erst als erfahrene Biene dürfen sie ausfliegen und Nahrung sammeln.

Ich knipste ziemlich wahllos die Rähmchen, immer in der Hoffnung, später auf den Bildern die Königin zu finden. Im Gewimmel selbst entdeckten wir sie nicht. Da sie noch sehr jung und vermutlich noch nicht geschlechtsreif ist, fällt sie noch nicht so sehr auf.

Bestiftete (= Waben in denen Eier, die Stifte genannt werden, liegen) Waben fanden wir jedenfalls keine, der Hochzeitsflug hatte also noch nicht stattgefunden.

Der Gatte steckte die Rähmchen wieder zurück und stupste mit dem Finger die Bienen in die Wabengassen hinein. Die Bienen waren so friedfertig und ruhig, keine Spur von Panik oder Aggressivität. Das spricht sowohl für unseren ruhigeren und kompetenter werdenden Umgang, als auch ziemlich sicher dafür, dass eine Königin im Volk lebt. Die sorgt nämlich dafür, dass das große „wir sind zusammen“-Gefühl im Volk entsteht, das Sicherheit gibt.

Bei der Durchsicht der Bilder später entdeckte ich nicht nur, dass meine Linse völlig verschmiert war, sondern tatsächlich auch:

Ihre Majestät!

Eine Biene mit langem, schlanken Hinterleib, die Farbgebung einen Tick anders als bei den anderen Bienen. Die nächsten Tage werde ich immer mal wieder zum Stock gehen, vielleicht erwische ich sie ja beim Hochzeitsflug!

Nächstes Wochenende schauen wir wieder in die Beute. Bis dahin gibt es vielleicht bestiftete Zellen, dann können wir mit der Bekämpfung der Varoa-Milbe beginnen. Dazu dann aber mehr.

Jetzt erstmal: Lang lege die Königin! Wir sind sehr glücklich!

Leben sie noch?

Tun sie! Obendrein sind es wohl die bestbehüteten Bienen im Umkreis von ein paar Kilometern, denn wann immer ich ein paar Minuten Zeit habe, setze ich mich zu ihnen und schaue zu, wie sie ein- und ausfliegen. Das ist sehr beruhigend, nahezu meditativ. Obendrein ein Aromatherapie, denn, ich glaube, davon schwärmte ich bereits, neben so einer Bienenbeute riecht es phantastisch!

Das eifrigste Bienenvolk ist nichts ohne eine Königin, ohne diese stirbt es einfach. Unser Ableger hat keine Königin, dafür ein Rähmchen voller Brut, aus der sich die Arbeiterinnen eine Königin ziehen können. Das geschieht, indem sie die Made weiterhin mit Gelée Royale füttern, statt nach einiger Zeit auf schnöde Arbeiterinnenkost, bestehend aus Pollen und Honig, umzusteigen.

Wir waren neugierig, ob es schon eine Königin gibt oder vielleicht bald oder auch: was passiert eigentlich in diesem brummenden, knisternden Kasten?

Mit Bienen soll man ruhig und besonnen umgehen (dazu am Ende des Textes ein anschauliches Beispiel), dann bleiben sie total friedlich. So haben wir das gelernt. Außerdem soll man Rauch in die Beute pusten, denn wenn Rauch in die Beute dringt, schnappen sich die Bienen ein bißchen Honig und bringen sich und ihn in Sicherheit. Oder sie sind einfach angenehm von Rauch beduselt, im Räucherzeugs ist nämlich Hanf.

Die erste Hürde:

Den Smoker in Gang bringen. Smoker und Räucherzeug, sowie alles Weitere, was man zum Imkern braucht, bekamen wir geschenkt und ich sage nochmals: DANKE! Das ist so großartig!

Der Smoker ist ein Blechkännchen mit Blaseblag. Wenn das Räuerzeugs glimmt, pustet man Mithilfe des Blasebalgs stinkenden Rauch aus der Kännchentülle genau dorthin, wo Bienen bedröhnt werden sollen. Klappt prima, längerfristig möchte ich aber eine Pfeife, damit ich zum Arbeiten beide Hände freihabe und trotzdem gezielte Rauchstöße abgeben kann.

Der Smoker rauchte und stank, wir kletterten in die Schutzklamotten.

Bei unserem Imkervater hatten wir auf Handschuhe und Imkerbluse samt Schleier verzichten können, denn seine Bienen sind äußerst sanftmütig und wurden obendrein natürlich kompetent und entspannt von erfahrenen Händen behandelt. Wir, als nervöse Anfänger, nahmen jeden Schutz, den wir kriegen konnten. Bis auf lange Hosen, denn bei etwa zweitausend Grad im Schatten war allein die Vorstellung schon unerträglich. Außerdem arbeiten wir von hinten an der Beute, da sollte nichts geschehen.

In unserem klitzekleinen Ablegerkasten brummte es gemütlich und wir fassten uns ein Herz.

Genauer: der Gatte fasste sich ein Herz und schob den Deckel des Ablegerkastens auf. Ich versteckte mich hinter Handy und Smoker und pustete mit letzterem Rauchwolken auf überraschte Bienen. (der aufschiebbare Deckel des Ablegerkastens kostet übrigens einigen Bienen das Leben und da wir sowieso nur ein klitzekleines Volk haben, schmerzte das sehr. Die große Beute wird aufgeklappt, da gibt es dann keine Verluste.)

Bevor der Gestank des Rauches aus dem Smoker überhand nahm, entfaltete sich beim Aufschieben des Kastens ein überwältigender Duft! Ich wiederhole mich da vermutlich sehr oft, doch dieses Aroma ist so grandios, alleine dafür sollten viel mehr Menschen mit der Imkerei beginnen.

Die Bienen waren etwas verwirrt, dass es plötzlich so viel Licht von oben gab, doch Panik oder gar Wut brach nicht aus.

Ich knipste relativ wahllos in den Kasten hinein, pustete Rauch hinterher und hatte genau keine Ahnung, wonach ich schauen oder was ich tun sollte. Der Gatte stemmte mit dem Stockmeißel die verklebten Rähmchen auseinander und hob kurz eine Honigwabe hoch:

Verdeckelter Honig, offene Honigwaben und viele umherwuselnde Bienen. Bestimmt alles prima. Er steckte den Rahmen ordentlich zurück und verschloss den Kasten wieder.

Wir setzen uns mit klopfendem Herzen und etwas weichen Knien in gebührendem Abstand hin und atmeten durch. Denn: puh, war das aufregend!

Beim Sichten der Schnappschüsse blieben wir bei oben gezeigtem Bild hängen:

Dieses Knubbelchen! Sollte dies vielleicht eine Wabe sein, in der eine neue Königin heranwächst? Eine Weiselzelle, um sich gleich mal an Fachbegriffe zu gewöhnen. Oder doch nur eine Drohnenzelle, weil deren Deckel ist ja auch gewölbt. Die Bildersuche im Internet sagte „ja, klar!“, „vielleicht“ und „eher nicht“, doch irgendwann fanden wir ein Bild, das dem unseren total ähnlich sah und dort hieß es: Weiselzelle nach Verlust der Königin. Wir beschlossen: das passt und wir warten jetzt auf königlichen Nachwuchs.

Sollte eine Königin schlüpfen, wird sie sich ein paar Tage im Stock aufhalten. Danach bricht sie zum Hochzeitsflug auf, um hinterher das zu tun, was Bienenköniginnen tun: jede Menge Eier legen und dafür sorgen, dass sich das klitzekleine Ablegervolk in ein großes, starkes und gesundes Volk verwandelt, das gut über den Winter kommt.

Wir müssen also warten und können gar nichts tun. Für einen eher etwas ungeduldigeren Menschen wie mich ist das jetzt eine harte Lektion. Für die Bienen und die „wir sind uns ziemlich sicher“-Weiselzelle ist es das Beste, wenn wir den Kasten geschlossen lassen. Für meinen Seelenfrieden wäre es das Beste, wenn ich zweimal täglich nachsehen könnte, was da passiert. Zumal ich den Smoker wirklich souverän bedient habe und mir nun fast sicher bin, eine total kompetente Imkerin zu sein.

Total kompetent, ruhig und absolut besonnen.

Als ich am Abend um den Tümpel herum jätete, geriet ich in die Einflugschneise des Stockes. Einer Wächterbiene gefiel das nicht, deshalb flog sie mich, sehr bedrohlich brummend, an. Und verfing sich dabei in den Haarsträhnen, die sich an der Schläfe aus dem Zopf gelöst hatten. Bedrohliches Brummen direkt an meinem Kopf führte zu wildem Gewedel meinerseits, was wiederum dazu führte, dass sich eine nun mehr nicht nur unmutige Wächterbiene in eine sehr wütende Wächterbiene verwandelte, die sich zu meiner Kopfhaut vorgrub und zustach. Ich quietsche und war mir total sicher, dass das Angriffspheromon, dass die Killerwächterbiene ausgestoßen hatte, nun sämtliche Bienen des Stockes auf mich hetzen würde. Wedelnd und mehr als nur ein bißchen panisch versuchte ich Richtung Haus zu rennen, damit ich den fiesen Bienenstachel loswürde und dem rasenden Bienenmob entkäme. Dabei schlug ich mir selbst die Sonnenbrille von der Nase. Sie versank mit einem satten Platschen zum Glück nicht im Tümpel, sondern in der mit Wasser gefüllten Zinkschüssel daneben. Die tiefstehende Sonne ließ mich umgehend erblinden, weswegen ich über meinen Jäteimer stolperte und äußerst unelegant nicht im Tümpel, dafür aber im Topinambur landete. Ich rappelte mich auf und flitzte, von einer imaginären wütenden Bienenwolke verfolgt, ins Haus und ließ mir den Stachel ziehen. Die Schmerzen waren nicht schön, vergingen aber nach ausgiebigem Trost, ein wenig Spott und einem Stück Schokolade.

Und ich hab sie immer noch sehr gern, meine Bienen! (den umgekippten Jäteimer allerdings musste der Gatte holen, der Einflugschneise blieb ich gestern abend dann doch lieber fern)

Dann haben wir jetzt wohl Bienen.

Ziemlich großspurig habe ich behauptet, dass das mit dem Imkern wie mit dem Radfahren ist: man kann es nicht aus Büchern lernen, man muss rauf aufs Rad. In unserem Fall: ran an die Bienen.

Als uns dann der Imker, der uns einen Ableger seines Volkes versprochen hatte, mitteilte, dass es nun losgehen kann, flatterten uns doch die Nerven.

Bienen! In unserem Garten! Diese Verantwortung! Kriegen wir das hin? Werden wir das erste Volk dahinmeucheln? Das scheint nicht unüblich zu sein, dass Neu-Imker ihr erstes Volk vor lauter Neugier und Überfürsorge umbringen.

Die Kästen unseres Ablegerimkers stehen am Rande eines Golfplatzes und sehen total harmlos aus!

Was da auf den Kästen raucht, ist kein kleiner Schornstein, sondern der Smoker, mit dessen Hilfe die Bienen beruhigt werden sollen. Ich greife mal vorweg: das klappte eher nicht so gut.

Im Vordergrund steht der Ablegerkasten, in dem unser Bienenvolk nun hoffentlich groß und stark wird, vielleicht sogar bis zum Spätsommer, dann kann es in eine große Beute umziehen.

Der Rauch aus dem Smoker wurde ins Einflug/Ausflugloch gepustet und der oberer Teil der Beute, in dem sich keine Brutwaben befinden, geöffnet.

Der Imker zog mit einem Greifer die einzelnen Rähmchen aus der Beute und ab da würde es etwas ungemütlich. Die Bienen mochten das nämlich nicht so arg und das friedliche Summen verwandelte sich in bedrohliches Brummen.

Als einzelne Bienen den Gatten und mich sehr zielsicher anflogen, ergriffen wir die Flucht. Wir trugen nämlich keine Schutzkleidung. Wir hatten ja bei unserem Imkervater gesehen, wie dieser die Bienen zärtlich von den Waben streichelte und diese ihm freundlich zunickten. Einen wütenden Mob hatten wir nicht erwartet, wir Anfänger!

Und so kam der Gatte direkt in den Genuss eines Bienenstiches. Leider nicht der Kuchen. Knapp neben das Auge und ja, er autschte ziemlich und das auch berechtigt. Wie gelernt zog ich den Stachel nicht mittels Pinzettengriff (weil damit das verbliebene Gift aus der Giftblase in die Wunde injiziert wird), sondern kratzte ihn mit dem Fingernagel ab. Als eine weitere Biene zum Stechen auf dem Kopf des Gatten ansetzte und die Stimmung wirklich sehr ungemütlich wurde, entfernten wir uns ein großes Stück vom Geschehen. Und ja, leise Zweifel kamen da bei mir hoch. Wollen wir das wirklich?

Wir wagten uns wieder etwas näher heran, für etwa zwei Minuten, dann entdeckten uns die Bienen erneut und wir ließen den Imker seine Arbeit ohne unsere sowieso eher nicht hilfreichen Entzückensrufe tun. Hier untersucht er gerade ein Bruträhmchen, ob sich darauf seine Königin befindet. Die soll natürlich im Stock bleiben. Unser Ableger besteht aus einem Honigrähmchen, einem Bruträhmchen und einem leeren Rähmchen. Und den ganzen Arbeiterinnen, die sich beim Umsetzen gerade auf den Rähmchen befanden. Die nun königinnenlosen Arbeiterinnen füttern aus der Brut eine neue Königin heran. Wenn dies erfolgreich ist, beginnt unser Ablegervolk sich in etwa drei Wochen zu vermehren. Daumen drücken!

Auch aus der zweiten Beute entnahm der Imker einen Ableger. Dieses Volk war deutlich ruhiger und friedlicher, seinen Ableger bekamen wir! (uff. Zum Glück!)

Der Ablegerkasten samt Gestell wurde in unser Auto verfrachtet und wir fuhren mit etwa zweitausend Bienen heim.

Wir waren sehr aufgeregt. Der Ablegerkasten knisterte und knackte, es summte aufgebracht darin und das Ganze hatte auch ein bißchen was von einer tickenden Bombe.

Deshalb beschlossen wir, den Kasten bis zur Abenddämmerung in der kühlen Kelterhalle stehen zu lassen, verschlossen selbstverständlich. So könnte sich das Volk etwas beruhigen und wir die letzten Vorbereitungen treffen.

Das Gestell, auf dem die Beute stehen soll, wurde mittels Leinöl wenigstens ein bißchen wetterfest gemacht. Außerdem schnitt der Gatte Dachpappe zu, damit es den Bienen nicht reinregnet.

Der Gatte trug den brummenden Kasten ganz nach hinten in den Garten. Zwischen dem Rosa Gartenhüttchen und dem Tümpel sollen die Bienen wohnen. Das stellen wir uns ganz malerisch und heimelig vor.

Er stellte den Ablegerkasten aufs Gestell und dann gab es erstmal Abendessen. Den erneut gerüttelten Kasten direkt zu öffnen – das wagten wir nicht.

Eine Stunde später dann doch. Alles ganz friedlich!

Die Bienen flogen zu ersten Erkundungstouren aus und ich bilde mir ein, es gefällt ihnen ganz gut.

Wir ließen sie allein und schauten erst eine weitere Stunde später rasch mal nach. Die in den Tümpel geplumpste Biene rettete sich ohne unser Zutun aufs Seerosenblatt, die anderen Bienen wuselten. Wir schlichen leise wieder davon. Jetzt wird es dunkel und vielleicht schlafen unsere Bienen dann auch. Die erste Nacht in fremder Umgebung ist ja oft ein bißchen unruhig.

Tja. Jetzt haben wir wohl Bienen. Unglaublich.

Naturnahes Gärtnern? Ja, aber…

Naturnahes Gärtnern bedeutet leider nicht, dass man einfach alles wachsen lässt und dann wird das schon irgendwie super. Dann wäre es ja nur Natur und nix Gegärtnertes und in meinem Garten würde es bedeuten, dass Brennnesseln, Brombeeren, Kermesbeeren, Holunder, Kirsche und Ahorn (von wo auch immer der seinen Weg ständig zu mir findet) einfach die Herrschaft übernähmen. Blühen würde kaum etwas, vielleicht ein bißchen Schöllkraut und ein paar Feinstrahlastern, im Frühjahr Löwenzahn.

Das weiß ich deshalb so genau, weil unser Garten exakt so aussah, als wir die Grüne Villa kauften. 15 Jahre hatte der Garten brach gelegen. (unser beliebtestes Werkzeug in der Anfangszeit war eine Sense)

Naturnahes Gärtnern definiert vermutlich jeder anders, ich erzähle mal, wie ich es handhabe.

1. Ich spritze und dünge nicht.

Beim Durchgang heute durch den Garten entdeckte ich …

… die Läuse nehmen überhand. Am Holunder sitzen sie dicht an dicht, zum Glück nur an einem Busch. Die beiden anderen sind komplett lausfrei, ich kann also Holunderblütensirup brauen.

An sämtlichen Rosen sitzen grüne Läuse, die eine Rose leidet sichtlich, die Knospen verkümmern.

Gegen Läuse gibt es tolle Mittel zum Sprühen oder, sogar in Kombination mit Dünger, zum auf die Erde streuen.

Ein bißchen wehmütig schaue ich meine Rosen an, aber ich lasse es. Kein Gift in meinem Garten. Auch keine Brennnesseljauche (die stinkt so gotterbärmlich) und auch kein Spülmittel, weil das wäre ja auch eher nicht naturnah. Stattdessen warte ich sehnsüchtig auf Marienkäfer, die sich dieses Jahr einfach nicht blicken lassen wollen. War der Winter zu kalt? Und tröste mich, dass es den Ameisen mit den Läusen super geht. Und Ameisen sind die Müllabfuhr im Garten, denen darf es unbedingt gut gehen. Außerdem mögen nicht nur Ameisen die Ausscheidungen der Läuse, Bienen flippen da auch drauf und ab Freitag darf hier im Garten ein Bienenvolk wachsen!

Wenn die Marienkäfer nicht mehr kommen, werde ich beginnen, die Läuse von den Zweigen zu streifen und zwischen den Fingern zu zerreiben. Nein, das ist nicht brutal, nur eklig. Und halt viel offensichtlicher als Gift.

Ein Blick in die Apfelbäume …

… zeigt, dass die Gespinstmotten dort viel Spaß haben. Ich beobachte sie seit vorletztem Jahr, der Befall verdoppelt sich jährlich. Ganz schlimm ist das übrigens in den Randbepflanzungen an den Wingerten. Das ganze Steinobst (Kirschen, Zwetschgen, Mirabellen, Wildpflaumen) ist komplett eingesponnen und kahl gefressen. Das sieht nicht nur gruselig aus, das ist auch sehr eklig, weil die Raupen zu hunderten an Fäden aus Büschen und Bäumen hängen. Die Büsche und Bäume erholen sich im Laufe des Sommers und tragen auch wieder laub, Früchte gibt es aber keine mehr.

Meine Apfelbäume sind – ich sag mal so – übersichtlich befallen. Aber doch so stark, dass ich jetzt handeln muss. Wir haben also heute so viele befallene Stellen wie erreichbar ausgeschnitten und in die Biotonne gesteckt. Kompostieren kann ich da nix.

Es wird vermutet, dass die Gespinstmottenplage zurückzuführen ist auf den eklatanten Zurückgang der Singvogelpopulation. Und da wird es mir ein bißchen schlecht, wenn ich darüber nachdenke, wie diese Abwärtsspirale weiterschreiten wird. Befallene Obstbäume müssen gespritzt werden, was dann nicht nur Gespinstmotten den Garaus macht. Weniger Insekten, noch weniger Vögel und ach, es ist ein Elend.

Meine Obstbäume kämpfen nicht nur gegen Schädlinge …

… sondern auch mit Krankheiten. Der Birnbaum hat einen komischen Rost, der immer zwischen Rosen und Baum hin- und herspringt. Teilweise befällt dieser auch die Früchte, die bekommen dann harte Stellen. Die schneiden wir einfach aus und essen die Birnen trotzdem. Bisher keine Ausfälle auf Menschenseite.

Außerdem leidet der Birnbaum unter einem Pilz. Im Sommer entstehen auf den Blättern orangefarbene Flecken. An der Unterseite der gefleckten Blätter wachsen Knubbelchen, die dann im Herbst aufbrechen und Sporen freigeben. Ich pflücke befallene Blätter und habe den Pilz so einigermaßen im Griff.

Beide Pfirsichbäume leiden unter der Kräuselkrankheit. Die Blätter wellen sich, werden dürr und fallen schließlich ab. Im Februar könnte ich dagegen spritzen, denn diese Krankheit schwächt den Baum. Beide Bäume sind aber stark und kräftig, der Ertrag ist überwältigend und so sind die Baumschneiderin und ich einig: kein Handlungsbedarf, allenfalls betroffenes Laub aufsammeln und entsorgen.

Nicht spritzen bedeutet also, dass mehr Einsatz gebraucht wird. Spritzen ist leichter und außerdem ist man ja nicht direkt am Umbringen von lästigem Viehzeug beteiligt. Es ist nämlich furchtbar, Schadinsekten zu töten. Ich ertränke Kartoffelkäfer, Nacktschnecken zerteile ich mit einer spitzen Schaufel. Ich könnte Kartoffelkäfertod sprühen und Schneckenkorn legen, das würde es mir vermutlich emotional leichter machen. Das Ergebnis bliebe gleich und es wäre ein bißchen mehr unnötiges Gift im Kreislauf.

Mit dem Düngen, bzw. Nicht-Düngen läuft es hier so: wachs oder stirb. Was nur durch besondere Unterstützung gedeiht, passt nicht in meinen Garten. Rhododendron zum Beispiel. Der bräuchte Torf und den kann und will ich ihm nicht bieten. Ich verteile regelmäßig Kompost, die Grünfläche wird gemäht und der Schnitt gemulcht. Kalter Kaffee, abgestandenes Bier und Tee, in dem ein Käfer ertrunken ist, landen im Garten.

Der Hund pinkelt in verschiedene Ecken, diverse Katzen kacken in meine prächtig gedeihenden Tomaten und wenn es sich ergiebt, arbeite ich ein paar Pferdeäpfel in den Gemüsegarten ein.

Ich achte ein bißchen auf Fruchtfolgen, auf Stark- und Wenigzehrer, lasse die Gründüngung durch den Garten wuchern und bisher gibt mit der Erfolg recht. Tolles Obst, tolles Gemüse.

2. Tierfreundliche Pflanzen.

Das ist ein mindestens genauso wichtiger Punkt wie der erste und deshalb schreibe ich eine Fortsetzung!

Gartenrundgang? Aber klar!

Heute: Essbares.

Die Obstbäume haben gut angesetzt. Es scheint, als würden sie den letztjährigen Ausfall aufholen. (letztes Jahr gab es zur Zeit der Obstblüte einen heftigen Frost, wir ernteten nichts!)

Birnen, Äpfel und Pfirsiche! Ein ertragreicher Spätsommer/Herbst steht uns bevor. Es wird sehr viel Apfelmus geben, verschiedene Apfelkuchen, Apfelpfannkuchen und Äpfel direkt vom Baum genascht. Einlagern können wir meist nur ein paar Steigen Äpfel, da wir nicht spritzen und sehr viele Äpfel von glücklichen Würmern bewohnt sind.

Die Birnen essen wir einfach alle auf. Sie schmecken von „so grün, dass die Zähne stumpf werden“ bis „gelb und so saftig, dass man nach dem Genuss der Birne duschen muss“.

Die Pfirsche werden innerhalb von zwei Wochen auf einen Schlag reif. Wir haben zwei Pfirsichbäume, ich rechne mit 30kg Pfirsichen. Eingelegte Pfirsiche oder Pfirsichkonfitüre mag hier niemand und jeden Tag einen Pfirsichkuchen zu den frischen Früchten schaffen wir auch nicht 🙂 Ich ziehe also den Pfirsichen die Haut ab und püriere sie ungezuckert. Das Mus gefriere ich in 300g-Portionen ein. Für Frischkornmüsli, Smoothies oder Eis taue ich dann bis zur nächsten Ernte nach Bedarf auf.

Die Beeren- und Traubenernte wird ebenfalls ergiebig!

Trauben, Johannisbeeren, Stachelbeeren, (frühe) Himbeeren.

Den Rebstock habe ich vor drei Jahren gepflanzt. Er soll den Durchgang zum langen Gartenstück begrünen und seit diesem Jahr kann ich mir endlich vorstellen, dass das auch klappen wird. Die Rebe wuchert nach beherztem Rückschnitt prima und nach der Traubenblüte zeigen sich viele Fruchtansätze. Für eigenen Wein reicht es nicht, aber drei, vier Kilo blaue Trauben wird es wohl zum Essen geben.

Im Gefrierschrank liegt noch ein Liter Johannisbeersaft, den ich wohl noch schnell in Sirup verwandeln sollte, bevor die nächste Ernte ansteht. Wahrscheinlich werden sie Johannisbeeren reif, wenn wir auf dem Lechweg sind. Somit müssen also die Söhne ernten uns sich mit dem hochkomplexen Thema „Beeren entsaften“ befassen. Prima Horizonterweiterung!

Stachelbeeren schmecken am Besten direkt vom Stock oder unter Baiser oder Streuseln versteckt!

Die frühen Himbeeren müssen nur noch dick und rot werden. Ich freue mich arg auf Himbeeren, sie sind mir noch lieber als Erdbeeren. Die wirklich guten Himbeeren reifen erst ab Mitte August, die Pflanzen treiben gerade erst aus.

Mit Erdbeeren habe ich im Garten übrigens kein Glück. Walderdbeeren wachsen wie Unkraut und tragen auch prima, aber die dicken Erdbeeren werden entweder von Schnecken gefressen, verfaulen oder vertrocknen. Also kaufe ich unseren Bedarf am Erdbeerständchen meines Vertrauens.

Im Gemüsegärtchen kann man den Pflanzen beim Wachsen zusehen. Das derzeitige Wetter, der Wechsel zwischen Regen und Sonne im stündlichen Wechsel sorgt für optimale Wachstumsbedingungen. Das Einzige, was mir zu tun bleibt: die Erde lockern, damit der Regen auch dorthin kommt, wo er gebraucht wird und ein bißchen jäten. (Winden, Nesseln, Disteln und dieser komische Klee mit den explodierenden Samenschoten. Gänseblümchen, Wegerich, Hahnenfuß, Giersch und Mohn dürfen bleiben.)

In den Hochbeeten wachsen Salat, Kräuter und verschiedene Paprikasorten, dazwischen ein paar Zwiebeln. Der Salat ist bereit zum Ernten! Ich freue mich darauf, denn auch wenn es platt und abgelutscht klingt: Salat aus eigener Ernte ist so viel besser als gekaufter! Und weil erstaunt nachgefragt wurde, wie mein Salat schon so weit sein kann: ich habe nicht gesät, sondern vorgezogene Pflanzen gesetzt. Und zwar recht früh, Anfang April. Im Hochbeet hielt ich den Platz für geschützt genug, außerdem sorgten ein paar Eimer frischen Komposts für warme Füße äh Wurzeln.

Die Paprikas nehmen jetzt auch Fahrt auf, bald beginnen sie zu blühen! Ich hoffe auf ebenso gute Ernte wie letztes Jahr.

Kürbis, Gurke und Zucchini.

Weil sich Schnecken sehr für diese Gewächse interessieren, kann ich sie nicht direkt ins Beet säen. Nur vorgezogene Pflanzen haben eine Überlebenschance.

Den Kürbis habe ich in eine Grünschnittwanne (mit Riss im Boden) gepflanzt, weil ich noch keinen finalen Platz für ihn hatte. Jetzt fühlt er sich so wohl in der Wanne, dass ich ihn vielleicht einfach weiter darin wachsen lasse. Mal sehen, ob die Erde reicht.

Ich habe zwei Gurken gepflanzt und dabei ein kleines Experiment gestartet. Die eine Pflanze muss überleben, während sie den ganzen Widrigkeiten wie Wetter und gefräßigen Schnecken ausgesetzt ist, die andere wächst geschützt (und gewärmt) in einem alten Reifen. Beide sollen an einer Tomatenstange nach oben klettern und sich dann an eine quer gelegte Leiter hängen. Das ganze Konstrukt zeige ich demnächst mal.

Die Zucchini sehen derzeit klein und unschuldig aus, bei genauerem Hinsehen lassen sich aber an jeder Pflanze bereits je fünf Blütenknospen erkennen. Ich krame schon mal nach meinen Zucchinirezepten.

Fenchel, Weißkraut, Rotkraut, Spitzkohl, Mangold und Artischocken.

Der Fenchel wächst hier nur für die Raupen des Schwalbenschwanzes. Die lieben nämlich das Fenchelgrün so viel mehr als wir die Knollen je auch nur mögen könnten. Und die Blüten des Fenchels sind wahre Insektenmagneten.

Die verschiedenen Kohlsorten pflanze ich nicht an, um die Familie durch den langen, harten Winter zu bringen, sondern weil ich es so faszinierend finde, wie sich die einzelnen Blätter nach und nach zu kleinen Köpfchen zusammenlegen.

Mangold essen wir aber tatsächlich sehr gerne 🙂

In sämtlichen Lücken wachsen übrigens Zwiebeln, die spitzen aber gerade erst verschieden hoch aus der Erde. Und die Tagetes sollen angeblich abschreckend auf Schnecken wirken. Ich werde das beobachten. Außerdem mögen Bienen die Blüten, da kann ich den Geruch wohl aushalten.

Auch die Artischocken sind nur Zierde. Ich bringe es einfach nicht fertig, sie zu essen. Die dicken, lila Blüten biete mir viel länger Freude, als der kurze Genuss beim Essen.

Derzeit erfreuen sich nur die Läuse an den Pflanzen. Ich warte sehnsüchtig auf Marienkäfer, dieses Jahr scheint es nur sehr wenige zu geben, das ist eine Katastrophe. (der Holunder ist schwarz von Läusen, in den Rosen wimmeln die grünen Läuse)

Tomaten und Bohnen.

Die Tomaten lieben ihren warmen, trockenen Platz unter dem Plexiglasdach des Tomatenhäuschens. Die beiden roten Nachbarskater mögen den warmen, trockenen Platz auch und während ich beim Jäten die Nase rümpfe und vorsichtshalber Handschuhe trage, behaupte ich, daß Katzenkacke ein toller Dünger ist. Immerhin blühen die Tomaten schon 🙂

Die Bohnen, die meinen Wassertank verstecken sollen, beginnen die Bohnenstangen zu erklimmen. Die Kermesbeere, die sich frech dazwischen gequetscht hat, wird an diesem Wochenende weichen müssen. Dort ist nur Platz für Bohnen.

Am Samstag kommen noch Rosenkohl und Mais ins Gemüsegärtchen und dann ist es voll. In spätestens sechs Wochen wird man kein Fleckchen Erde mehr erkennen können.

Wer bis hierher gelesen hat: Sie sind entweder sehr geduldig und haben auf irgendeine Pointe gewartet oder Sie lieben Garten und das Drumherum genauso wie ich. 🙂

Überraschungsgäste

„In deinem Kompost sitzt eine Ente mit Küken!“, teilte mir die Nachbarin an der Haustür mit und tatsächlich. Eine Entenmutter mit etlichen, wild wuselnden Küken, mindestens acht, eher zehn.

Ui. So ein naturnaher Garten ist ja was Feines, aber leider mangelt es doch an ausreichendem Gewässer für eine Entenschar. Stattdessen gibt es eine Menge jagdlustiger Katzen, der Ringelfranz begeistert vorne mit dabei.

Mit der Nachbarin beratschlagten wir kurz, wie wir jetzt vorgehen können. Die Mutter fangen, dann kommen die Jungen automatisch hinterher. Oder umgekehrt? Letztlich waren wir unsicher und ich rief den Vogelexperten des hiesigen NABU an. Er versprach sofort zu kommen.

Die Nachbarin ging wieder heim und der Große behielt Straße und Haustür im Blick. Ich bewachte die Entenfamilie. (und verliebte mich immer mehr in diese entzückenden Federbällchen!)

Der Vogelexperte rückte mit Katzentransportbox und großem Kescher an. Er und der Große kennen sich aus der Zeit, als der Große sein FSJ im Waldkindergarten absolvierte. Freundliche Begrüßung, kurzer Smalltalk und dann verschaffte er sich einen Überblick. Es sei gut, wenn man die Entenmutter in einen Schuppen locken könnte, dann ließe sie sich leichter fangen. Auf keinen Fall dürfe sie auffliegen. Sollte sie das tun, müssten wir warten, bis sie wieder zu ihrer Brut zurückkehrt.

„Wie ist sie eigentlich in dem Kompost gelandet?“, versuchten wir zu rekonstruieren, denn dass sie dort gebrütet hat ist völlig ausgeschlossen. Eine Stunde zuvor hatte ich noch Dürres auf den Kompost geworfen. Eine Ente wäre mir aufgefallen.

„Wahrscheinlich kamen sie aus dem Garten obendrüber.“, vermutete ich.

Unser Garten ist ein langer Schlauch, daran grenzen, zwei Meter über uns, vier Nachbarn. Das Haus auf dem Grundstück hinter/über dem Kompost steht seit Wochen leer, der Garten hinter den Backsteinen ist verwildert. Wahrscheinlich hat die Ente dort gebrütet und sehr erfolgreich ihre Brut ca. eine Woche gegen sämtliche Katzen verteidigt. Eine Heldin!

Auf der Suche nach Wasser oder auf dem Weg zum Bach, der zwei Grundstücke unter unserem fließt, ist sie dann wohl bei mir hängen geblieben.

Einen Schuppen zum Hineinlocken gibt es bei uns in diesem Gartenstück nicht, nur der Weg in die eine Richtung, der zweieinhalb Meter über der Straße endet oder der in die andere Richtung, der in dichten Brennnessel-Holunder-Gestrüpp endet. Alles nicht optimal, deshalb wollte er die Ente direkt im Kompost fangen.

Ich holte die größte Tischdecke aus dem Haus, damit der Große und ich damit eine Begrenzung bilden konnten. Wir spannten die Decke zwischen uns und glaubten, den einen Weg zu versperren. Aber Enten können fliegen und als der Kescher im Kompost landete, flog die Ente über unsere Absperrung in den Apfelbaum und von dort hinunter in meine Waldrebe. Quiekend wuselten sämtliche Küken aus dem Kompost ihrer Mutter hinterher und wir mussten neu planen.

„Im Rosa Gartenhüttchen gibt es immerhin zwei feste Wände, vielleicht können wir sie dort fangen.“, schlug ich vor und so versuchten wir es.

Der Große und ich versperrten mit unserer Enten-Durchgang-verboten-Tischdecke den Weg und die offene Gartenhüttchenseite, während der Vogelexperte die Schar mit zärtlichen „nag-nag-nag“-Rufen vor sich hertrieb. Mitten durch meine Echinaceen, auf die ich so stolz bin, weil sie dem harten Winter trotzten.

Statt ins Gartenhüttchen zu fliehen, kuschelten sich Entenmutter und Küken unter meine wunderschöne Ramblerrose und schienen sich gut und sicher zu fühlen.

Jedenfalls so lange, bis sie mit dem Kescher liebevoll gestupst wurden und sich doch herauswagten. Direkt vor meinen Füßen, die ich rasch hinter der Absperrungstischdecke versteckte.

Ein beherzter Schwenk mit dem Kescher …

… und eine höchst empörte Ente war gefangen. Jedenfalls bis zu dem Moment, da sie in die Transportbox gesetzt werden sollte. Dabei entfleuchte sie laut schnatternd und wir starteten das fang-die-Ente-Spiel erneut. Etwas routinierter und tatsächlich saß sie ein paar Minuten später in der Box, während die Küken aufgeregt piepsend durch meine Minze marodierten. Der Versuch, die Küken zu ihrer Mutter laufen zu lassen, wurde abgebrochen, weil die Mutter nicht lockte.

Also fingen wir die Küken und das ist jetzt leichter getippt als getan.

Der Vogelexperte fing ein Küken, der Große öffnet die Box, der Experte stopfte das Küken hinein, das Küken quetsche sich durch das Gitter wieder hinaus. Wir hatten mittlerweile die Küken gezählt und wussten, dass wir dreizehn Küken in die Box packen mussten. Mitzählen war unmöglich, wir fingen etwa zwanzig Küken 🙂

Ich holte eine Decke aus dem Gartenhüttchen. Die drückte der Große vorsichtig auf das Gitter der Transportbox und ließ immer nur ganz kurz los, um ein gefangenes Küken hineinzulassen.

Mittlerweile krochen der Vogelexperte und ich auf Knien durch die Minze. Der Experte rief beruhigend „wi-wi-wi-wi-wiii“, die Küken antworten fröhlich und rannten hinter die große Zinkwanne. Mit dem Kescherstiel wurden sie freundlich aufgefordert in meine Richtung zu rennen, was sie dann auch taten. Ich fing sie und leider war keine Zeit für genaue Betrachtung. Ein ein Wochen altes Entenküken ist winzig, kleiner als ein gebratener Hühnerflügel, mit sehr viel zartem Plüsch drumherum. Und kleinen, ledrigen und sehr kalten Füßen. Entzückend!

Irgendwann piepste es nur noch in der Transportbox und nicht mehr in der Minze. Trotzdem wollten wir sicherheitshalber nachzählen, dies aber möglichst in einem sicheren Raum.

Den Deckel abzuheben wagten wir dann aber doch nicht. Ich flitzte noch einmal rasch in den Garten, doch kein Piepsen war zu hören. Wir besprachen, wo ein evtl. doch zurückgelassenes Küken zwecks Familienzusammenführung hinzubringen sei und entließen Vogelexperten samt Entenfamilie.

Schweißgebadet übrigens, denn die Entenjagd ist ziemlich nervenaufreibend.

Eine Stunde später erreichte mich per whatsapp ein kleines Filmchen. Eine glückliche Entenfamilie, die in den Sonnenuntergang schwimmt.

Ente gut, alles gut.

Imkerseminar, Praxisteil

Wahrscheinlich kann man zwanzig Bücher über das Imkern lesen und sich doppelt so viele Stunden in einem stickigen Tagungsraum Vorträge darüber anhören: Imkerei lernt man nicht ( nur) theoretisch.

Deshalb fand gestern bei unserem „Imkervater“ ein Praxisteil statt. Er lud die Seminarteilnehmer in seinen „Bienengarten“ ein.

Um halb drei holte er uns an verabredeter Stelle ab und führte uns durch ein lichtes Wäldchen zu einem Tor. Hinter diesem Tor führte ein Trampelpfad zu etwa zwanzig Bienenbeuten. Ich erzähle das deshalb in aller Ausführlichkeit, weil ich, bis zu dem Moment als ich vor den Stöcken stand, niemals so viele Bienen in der Nähe vermutet hättet. Kein Gebrumm, nicht auffällig viele Bienen, nichts „Bedrohliches“, was ich irgendwie erwartet hatte.

„Stellt euch mal hier so links und rechts, da hinten geht es auch. Hier ist die Einflugschneise, die sollten wir freilassen, das mögen sie nicht.“

Und dann stand ich da. Direkt an den Beuten war das Summen doch deutlich zu hören und als ich meine Hand auf den Holzkasten legte, spürte ich das Vibrieren. 40.000 Bienen und mehr sind in solch einem Kasten! Am Einflugloch herrschte reges An- und Abfliegen, aber alles entspannt. Die Wächterbienen (die nicht wie bei Biene Maja kleine Lanzen tragen) sahen keinen Grund, das Alarmsignal zu geben.

Das Überwältigenste war der Geruch. Honig und Wachs. Süß und würzig. Als hätte man den Bienenwachskerzenstand vom Weihnachtsmarkt in einem Nadelwald aufgebaut. In diesem Moment wusste ich es ganz sicher: dieses Imkern, das ist mein Ding.

Unser Imkervater baut seine Beuten selbst. Sie sind von hinten zu öffnen (normalerweise von oben), die Rähmchen werden hinein/herausgezogen. So hat er es von seinem Imkervater gelernt, der wegen einer überstandenen Kinderlähmung körperbeeinträchtigt war und im Rollstuhl saß. „So geht barrierefreies Imkern!“, sagte er augenzwinkernd.

„Wer sich einen Schleier nehmen möchte, der kann das jetzt tun, aber nötig ist es eigentlich nicht.“, erfuhren wir, bevor die Beute geöffnet wurde.

Ich habe noch nie „in echt“ gesehen, wie ein Bienenstock geöffnet wird. Gesehen habe ich irgendwelche Dokumentationen über Bienen oder Disney-Verfilmungen, in denen ein Honigdachs einen Bienenstock ausräumt. Oder Cartoons, in denen der Honigdieb immer unter Wasser landet, mit einer wütenden Wolke Bienen über sich. Ich erwartete mindestens ein wütendes Brummen oder ein paar angriffslustige Bienen. Nichts. Ein bißchen Hektik war deutlich zu spüren, ein wildes Herumgekrabbele, aber kein Auffliegen. Zwei Rauchstöße und Ruhe kehrte ein. „Hast du eine spezielle Mischung für den Rauch?“, fragte ein Seminarteilnehmer. „Verschiedene Mischungen, fertig gekauft.“, erwiderte unser Imkervater, „Ein bißchen Hanf ist angeblich auch dabei.“ Augenzwinkern, erneut.

Der Geruch, der mir nach dem Öffnen in die Nase schlug, war unbeschreiblich. So intensiv, so gut! Außerdem spürte man einen kleinen Luftzug, der warme Luft aus dem Stock wehte. Die Temperatur in einer Beute liegt um die 36 Grad und wir entdeckten jede Menge Bienen, die wedelnd für Kühlung sorgten.

Unser Imkervater zog vorsichtig ein Rähmchen aus der Beute und blies sanft Rauch darauf. „Immer sofort nachschauen, ob die Königin darauf sitzt!“, mahnte er und erklärte, dass man diese dann fangen und in Sicherheit bringen müsse. (es gibt kleine Königinnenkäfige. Aber Lockenwickler gehen auch.) Die Königin kann unbemerkt herunterfallen und wenn man sie nicht wiederfindet, dann „weint das Volk“. Der Stock sei in Aufruhr, der Verlust ließe sich wirklich spüren, bekamen wir nachdrücklich versichert. (und Tipps, was dann zu tun sei. Es gibt SO VIEL zu lernen!)

Keine Königin saß auf dem Rähmchen, dafür viele, viele Arbeiterinnen. 300? 500? 1000? Ich kann das noch nicht schätzen, aber es wimmelte gewaltig. Im oberen Teil des Rähmchens waren Honigzellen angelegt, darunter befand sich Arbeiterinnenbrut. Und ganz unten Drohnenbrut. Die Drohnenbrut wird ausgeschnitten, weil sich dadurch die Varroamilbe effektiv bekämpfen lässt. So hatten wir das in der Theorie gelernt. Hier, in der Praxis, war das herzzerreißend. Wunderschöne, kunstvoll gebaute Waben zerschneiden und darin die Larven und Puppen der Drohnen zu finden. Man nennt das „Drohnen abtreiben“ und es kostet Überwindung. „Es ist immer schmerzhaft.“, sagte unser Imkervater schlicht. Auch früher, als die Varroa hier noch kein Thema war, schnitt man regelmäßig die Drohnenbrut weg, um Wachs zu gewinnen.

„Hier ist noch ungedeckelter Honig!“, zeigte uns unser Imkervater, „Stippt mal den Finger rein, der ist lecker!“ Und auch das kostete ein klitzekleines Bißchen Überwindung, denn immerhin stahl ich den Bienen direkt vor ihrer Nase ihre Vorräte! Die Bienen zeigten sich unbeeindruckt.

Das Rähmchen wurde herumgereicht. Und wow! Ich fand Dokumentationen über Bienen schon immer spannend, aber so direkt dabei zu sein!

Das ist toll. TOLL!

Das Rähmchen, das ich da vorsichtig in Händen halte, wiegt etwa zwei Kilo. Die Rähmchen, die keine Brut, nur Honig enthalten, wiegen gut das Doppelte!

Bis zu fünf Kilo wird der Stock an guten Tagen schwerer. Das sind Mengen, die kann ich mir noch gar nicht vorstellen. „Was macht man denn mit dem vielen Honig?“, fragte eine Seminarteilnehmerin. Einen großen Teil brauchen natürlich die Bienen selbst und der Rest … „Ihr werdet bald viele gute Freunde haben.“, versprach der Imkervater.

Das Rähmchen kam zurück in die Beute und kurz bevor diese wieder verschlossen wurde, zeigte sich die Königin. 15 Menschen jubelten Ihrer Majestät zu und ja, ich war ein bißchen ergriffen.

Der nächste Termin, erneut ein Praxisteil, ist im Juni. Aber bis dahin brummt es auch in unserem Garten. An Pfingsten zieht ein klitzekleines Volk ein. Ein Ableger von einem Imker darf in einer Dadantbeute wohnen. Ich werde berichten!

Gartenglück!

Endlich! Endlich ist es mir warm genug, um im Garten zu arbeiten. Denn warm muss es wenigstens sein, wenn die Sonne fehlt, ist es nicht schlimm. Selbst Regen ist in Ordnung, wenn er nur warm ist. Schönwettergärtnerin nennt man das wohl, aber das ist mir egal.

Um halb elf heute morgen zeigte das Thermometer an der Hauswand 14 Grad und die Reifschicht auf dem Saunadach war weggeschmolzen. Raus, raus, ganz nach hinten in den Garten, denn dort scheint die Sonne schon hin. Mal sehen, ob ich den Lavendel unter den vertrockneten Brennnesseln wiederfinde!

Ich fand ihn und bis auf vier Büsche hatten alle Stöcke den für unsere Verhältnisse wirklich kalten Winter überlebt. „Brennnesseln bekämpfen!“, notierte ich auf meiner inneren Garten-to-do-Liste und jetzt, da ich das hier tippe, kann ich es ja auch nicht mehr vergessen. Als das Brennnesselgestrüpp und die frisch austreibenden Nesseln entfernt waren, ergänzte ich die innere Liste mit „Winden jagen! Regelmäßig!“ Denn die blöden Zaunwinden überwuchern und ersticken alles, wenn sie nicht regelmäßig ausgerissen werden. Die Wurzeln sind bereits so verzweigt und mit den Topinamburknollen verflochten, dass ich bei der Wurzelbekämpfung bereits chancenlos bin.

Ich zupfte und rupfte und summte vor mich hin, griff in Brennnesseln, quietsche, kippte beinahe von meinem Gartenarbeitshockerchen, füllte drei Grünschnittsäcke und war glücklich. Das Tränende Herz treibt aus, die Gartenhüttchenrose ebenfalls und die Akeleien haben sich gründlich ausgesät. Ach Garten, ach Frühling!

Gegen halb drei beschloss ich ein Päuschen einzulegen. Um halb vier erwachte ich auf dem Sofa wieder, dabei wollte ich wirklich nur ganz kurz die Augen ausruhen!

Der Gatte machte Feierabend und wir tranken einen Kaffee. Auf der Terrasse, unter leuchtend blauem Himmel, bei strahlendem Sonnenschein. Endlich wieder!

Danach zog es mich wieder ans hintere Gartenende. Weiterarbeiten. Beete freilegen, damit dort bienenfreundliche Blumen wachsen.

In Oma Ernels Garten wurde auch gearbeitet. Drei Männer gruben um und rissen alles aus. Seit dem Herbst ist er in portugiesischer Hand, der arme, vernachlässigte Garten und das ist toll, denn bald wird dort wieder sehr viel Gemüse wachsen. Eine Reihe portugiesischer Kohl, der wie Rosenkohl nur ohne sie Röschen aussieht, steht schon da. Ich winkte hinüber und es wurde freundlich zurückgewinkt. „Viel Arbeit, ist Training, physio!“, rief der ältere der drei Männer. „Oh ja!“, rief ich zurück und rieb mir wehleidig den Rücken. Wir lachten und arbeiteten weiter. Ich rupfte Brennnesseln und Seifenkraut, drüben im Garten, in Ernelsgarten, der er aber doch nicht mehr war, wurden Traubenhyazinthen und Tulpen ausgegraben. Die Zwiebeln hatte ich damals, als ich mir einbildete, dass ich zwei Gärten würde bearbeiten können, alle in die Erde gesteckt. Mindestens 300 Blumenzwiebeln.

Das ist ok, versucht ich mir einzureden. Es geht halt weiter, alles wird neu. Du hast die Arbeit in diesem Garten beendet. Vorbei. Und trotzdem, ich wurde traurig.

„Hallo?!“, rief einer der jüngeren Männer über den Zaun. Ob ich Tulpen haben möchte? Es sei zu schade, diese wegzuwerfen! Aber sie würden Gras säen, damit die Kinder spielen können und die Tulpen müssen dann halt weg. Und es seien so viele! „Ja, sehr gerne!“, strahlte ich und erzählte, dass ich die Tulpen gepflanzt hatte, vor ein paar Jahren. Und dass da noch ein paar Blumenschätze in der Erde liegen. „Dann lasse ich am Rand Platz dafür.“, sprach mein neuer Gartennachbar.

Wir stellten uns gegenseitig vor und gingen an unsere Arbeit zurück. Ab und zu lächelten wir uns über den Zaun zu. Ja, anstrengend! Aber die Sonne ist so schön. Und die Vögel! Die machen ganz schön Krach. Frühling eben. Endlich Frühling!

Der Gatte fuhr den Grünschnitt zum Wertstoffhof, der Jüngste schredderte die Äste und Zweige vom Rückschnitt des Holunders und des Sommerflieders. Ich rupfte weiter. Immer noch Seifenkraut, weiterhin Brennnesseln und dazwischen die Pflanze, deren Namen ich nicht kenne und die ich mir vermutlich mit Rindenmulch in den Garten geschleppt habe. Vorher war sie nämlich nicht da, jetzt marodiert sie quer durch und ist lästig.

Es gab erneut eine Kaffeepause, diesmal auf der Bank am Rosa Gartenhüttchen. „Der Schreinerfreund freut sich, wenn du zur Beerdigung kommst“, sagte der Gatte. „Das hatte ich sowieso vor“, erwiderte ich und schaute rüber in Ernels Garten, in dem die Portugiesen gerade das ausgerissene Grünzeug verbrannten. Das stank bestialisch und zum Glück war der Nachbar mit dem ordentlichen Garten gerade nicht da, der würde darüber sehr schimpfen.

Ich rupfte weiter. Dutzende dieser witzigen Wedel, die wie kleine Palmen aussehen. Keine Ahnung wie sie heißen. Ich weiß nur, dass es sich um ein Wolfsmilchgewächs handelt und dass es leicht auszurupfen ist, falls es stört. Die Echinaceen treiben aus, das freut mich! Sie sollen sich vermehren und unseren künftigen Bienen Nahrung bieten.

Mittlerweile war es kurz nach sechs und langsam wurde es kühl. Und ich müde. Es piekste an meinem Bein, kurz darauf juckte es. Ich kratzte und zerrieb dabei ein blutsaugendes Insekt. Aha, die erste Zecke. Dachte ich . Mittlerweile denke ich, dass es womöglich eher eine Kriebelmücke war, denn erstens sind Zecken kleiner und zweitens entzünden sich ihre Bisse nicht so rasch. Wohingegen ich mit Kriebelmückenbisse einige unschöne Erfahrungen, die allesamt mit Antibiotika, auch notfallmäßig per Spritze, zu tun hatte. Ich beobachte mein Bein also argwöhnisch.

Das Abendlicht im Frühling hat einen besonderen Zauber und wäre es nur nicht zu kühl geworden! Ich hätte gerne noch draußen gegessen.

So aß ich meine Käsebrote und ein Schüsselchen Milchreis drinnen und duschte mir anschließend sehr viel Garten vom Leib. Die Fingerspitzen kribbeln noch immer vom Brennnesselkontakt und vielleicht habe ich morgen Muskelkater in den Muskeln, die jetzt einen langen Winter ruhten.

Morgen! Morgen mache ich das Rosa Gartenhüttchen wieder schön.

Auskehren, Staub wischen, die Bänke reinigen, die Polster und Kissen verteilen, den Kerzenleuchter mit neuen Kerzen bestücken, Schnickeldi verteilen und vielleicht am Abend mit dem Gatten darin sitzen, den Sonnenuntergang betrachten und „hach, unser Gartenhüttchen“ seufzen.