Imkerseminar

Ende Mai wird ein Bienenvolk bei uns einziehen. Nicht in die Grüne Villa, sondern hinten am Rosa Gartenhüttchen, hinter dem Tümpel. Ein Bekannter des Schreinerfreundes ist Imker und er wird uns einen „Ableger“ verkaufen. Ein Ableger ist ein Rähmchen voller Bienenwaben, in denen befruchtete Eier (Stifte), Maden und Puppen liegen. Dazu ein paar Arbeiterinnen. Die braucht es, damit eine Königin gezogen werden kann.

Eine gute Sache, denn da es erst um den Aufbau des Volkes (dem Bien) geht und noch nicht um die Honigernte, kann die Bekämpfung der Varroamilbe mit Oxalsäure stattfinden. Die ist für Menschen nämlich nicht so super, aber sehr wirkungsvoll bei der Milbenbekämpfung.

Über die Varroamilbe haben wir heute sehr viel gelernt. Dass es früher, vor etwa 40 Jahren, gar nicht so dramatisch war, wenn es einen Befall gab. Dass Stöcke mit tausenden von Milben überlebten und heute ganze Völker sterben, weil ein paar hundert Milben da sind. Weil die Milben Viren mitbringen und gegen diese Viren gibt es keine Impfung.

Über Mitverantwortung sprachen wir, denn wer in seinem Bienenstock (in der Bienenbeute) die Varroamilbe nicht bekämpft, trägt dazu bei, dass sie sich verbreitet. Weil nämlich die eigenen Drohnen auch in fremde Bienenbeuten fliegen und die Varroa dorthin mitnehmen. Und dass die sogenannte Drohnenabtreibung zur Verringerung der Varroamilben in der eigenen Beute führt. Das hängt mit der Entwicklungsdauer von Arbeiterinnen und Drohnen zusammen und ich könnte jetzt stundenlang weiterschreiben, doch ist das alles nur theoretisch und deshalb warte ich noch ein paar Monate damit.

Wir sprachen über verschiedene Formen der Bienenbeuten und der Gatte und ich haben beschlossen, nicht die Bienenbox zu kaufen (wie wir das bis heute morgen vorhatten), sondern ein Magazin, das nach oben erweitert werden kann. (mit einem Gitter dazwischen, damit die Königin nicht hoch kann und deshalb im oberen Teil nur Honig ist und keine Brut). Weil die Bienenbox wurde für Balkone und wenig Platz konzipiert und wenn wir was haben, dann ist es Platz!

Wir lernten, dass dem Bien ungefähr 20 Kilo Honig für über den Winter reichen und dass wir vor dem Winter das Einflugloch verengen sollen, damit sich keine Spitzmäuse in der Beute einnisten.

Wir wissen jetzt, dass Bienen auch sehr viel Wasser brauchen, weil die Beute muss gekühlt werden. Oder gewärmt, je nachdem.

Wir lauschten verzückt, als unser Seminarleiter, der seit fast 50 Jahren mit Leib und Seele imkert, beschrieb, was die Königin leistet und wie sie von ihren Arbeiterinnen beschützt und gepflegt wird. Und wie schön und elegant sie ist.

Wir erfuhren, wie aus Nektar Honig wird, wie Wachs entsteht, was Propolis und Bienenbrot sind.

Wir lernten, dass die Rähmchen besser mit Draht bespannt werden (evtl. in Zickzack), weil im schlimmsten Fall die Waben runterbrechen und das ist katastrophal. Auch für den Imker.

Wir beschlossen, dass wir keine Mittelwände (das sind aus Wachs vorgefertigte Waben) einbauen werden, sondern dass unsere Bienen Naturwaben bauen sollen oder dürfen. Weil aus diesem Wachs kann man sich dann eigene Mittelwände, die garantiert frei von Schad- und Zusatzstoffen sind, anfertigen lassen. Falls wir mal eine Bio-Zertifizierung wollen.

Wir wissen jetzt, dass wir vielleicht im Sommer unsere Bienen zufüttern müssen und wir wissen auch womit und wie. Außerdem erfuhren wir, welche Werkzeuge wir brauchen.

Vor allem wissen wir, dass das mit dem Imkern wie mit der Haustierhaltung oder der Kindererziehung ist: jeder weiß es besser, vor allem die, die einen kennen, dessen Onkel mütterlicherseits mal von einem Imker gehört hat, der alles falsch machte. Und deshalb schreibe ich an dieser Stelle: es gibt kein richtiges Imkern. Man kann echt viel falsch machen, aber auch was bei einem Imker falsch ist, kann beim anderen Imker prima funktionieren. Man trägt eine große Verantwortung, denn immerhin besteht ein ausgewachsenes Volk aus bis zu 40.000 Bienen und wie furchtbar wäre es, wenn diese alle stürben, weil man Mist baut! Wenn ich Tipps brauche, werde ich danach fragen. Bis dahin lerne ich vom Seminarleiter oder von einem bekannten Imker hier vor Ort.

Wir haben so viel gelernt, unzählige Fragen beantwortet bekommen und noch genauso viele offene Fragen weiterhin. „Ihr wisst jetzt ein bißchen was!“, sagte unser Seminarleiter zum Abschied. Ein bißchen mehr werden wir im kommenden (Bienen)Jahr von ihm noch lernen und der Rest kommt dann hoffentlich in der Praxis mit der Erfahrung.

Fahrradfahren lernt man ja auch nicht, indem man Bücher darüber liest. 🙂

Wir sind übrigens sehr vorfreudig und aufgeregt. Und hoffentlich langweile ich sie nicht zu sehr mit ausschweifenden Beschreibungen und (Bienen)Schwärmereien!

Gartenglück!

Endlich! Endlich ist es mir warm genug, um im Garten zu arbeiten. Denn warm muss es wenigstens sein, wenn die Sonne fehlt, ist es nicht schlimm. Selbst Regen ist in Ordnung, wenn er nur warm ist. Schönwettergärtnerin nennt man das wohl, aber das ist mir egal.

Um halb elf heute morgen zeigte das Thermometer an der Hauswand 14 Grad und die Reifschicht auf dem Saunadach war weggeschmolzen. Raus, raus, ganz nach hinten in den Garten, denn dort scheint die Sonne schon hin. Mal sehen, ob ich den Lavendel unter den vertrockneten Brennnesseln wiederfinde!

Ich fand ihn und bis auf vier Büsche hatten alle Stöcke den für unsere Verhältnisse wirklich kalten Winter überlebt. „Brennnesseln bekämpfen!“, notierte ich auf meiner inneren Garten-to-do-Liste und jetzt, da ich das hier tippe, kann ich es ja auch nicht mehr vergessen. Als das Brennnesselgestrüpp und die frisch austreibenden Nesseln entfernt waren, ergänzte ich die innere Liste mit „Winden jagen! Regelmäßig!“ Denn die blöden Zaunwinden überwuchern und ersticken alles, wenn sie nicht regelmäßig ausgerissen werden. Die Wurzeln sind bereits so verzweigt und mit den Topinamburknollen verflochten, dass ich bei der Wurzelbekämpfung bereits chancenlos bin.

Ich zupfte und rupfte und summte vor mich hin, griff in Brennnesseln, quietsche, kippte beinahe von meinem Gartenarbeitshockerchen, füllte drei Grünschnittsäcke und war glücklich. Das Tränende Herz treibt aus, die Gartenhüttchenrose ebenfalls und die Akeleien haben sich gründlich ausgesät. Ach Garten, ach Frühling!

Gegen halb drei beschloss ich ein Päuschen einzulegen. Um halb vier erwachte ich auf dem Sofa wieder, dabei wollte ich wirklich nur ganz kurz die Augen ausruhen!

Der Gatte machte Feierabend und wir tranken einen Kaffee. Auf der Terrasse, unter leuchtend blauem Himmel, bei strahlendem Sonnenschein. Endlich wieder!

Danach zog es mich wieder ans hintere Gartenende. Weiterarbeiten. Beete freilegen, damit dort bienenfreundliche Blumen wachsen.

In Oma Ernels Garten wurde auch gearbeitet. Drei Männer gruben um und rissen alles aus. Seit dem Herbst ist er in portugiesischer Hand, der arme, vernachlässigte Garten und das ist toll, denn bald wird dort wieder sehr viel Gemüse wachsen. Eine Reihe portugiesischer Kohl, der wie Rosenkohl nur ohne sie Röschen aussieht, steht schon da. Ich winkte hinüber und es wurde freundlich zurückgewinkt. „Viel Arbeit, ist Training, physio!“, rief der ältere der drei Männer. „Oh ja!“, rief ich zurück und rieb mir wehleidig den Rücken. Wir lachten und arbeiteten weiter. Ich rupfte Brennnesseln und Seifenkraut, drüben im Garten, in Ernelsgarten, der er aber doch nicht mehr war, wurden Traubenhyazinthen und Tulpen ausgegraben. Die Zwiebeln hatte ich damals, als ich mir einbildete, dass ich zwei Gärten würde bearbeiten können, alle in die Erde gesteckt. Mindestens 300 Blumenzwiebeln.

Das ist ok, versucht ich mir einzureden. Es geht halt weiter, alles wird neu. Du hast die Arbeit in diesem Garten beendet. Vorbei. Und trotzdem, ich wurde traurig.

„Hallo?!“, rief einer der jüngeren Männer über den Zaun. Ob ich Tulpen haben möchte? Es sei zu schade, diese wegzuwerfen! Aber sie würden Gras säen, damit die Kinder spielen können und die Tulpen müssen dann halt weg. Und es seien so viele! „Ja, sehr gerne!“, strahlte ich und erzählte, dass ich die Tulpen gepflanzt hatte, vor ein paar Jahren. Und dass da noch ein paar Blumenschätze in der Erde liegen. „Dann lasse ich am Rand Platz dafür.“, sprach mein neuer Gartennachbar.

Wir stellten uns gegenseitig vor und gingen an unsere Arbeit zurück. Ab und zu lächelten wir uns über den Zaun zu. Ja, anstrengend! Aber die Sonne ist so schön. Und die Vögel! Die machen ganz schön Krach. Frühling eben. Endlich Frühling!

Der Gatte fuhr den Grünschnitt zum Wertstoffhof, der Jüngste schredderte die Äste und Zweige vom Rückschnitt des Holunders und des Sommerflieders. Ich rupfte weiter. Immer noch Seifenkraut, weiterhin Brennnesseln und dazwischen die Pflanze, deren Namen ich nicht kenne und die ich mir vermutlich mit Rindenmulch in den Garten geschleppt habe. Vorher war sie nämlich nicht da, jetzt marodiert sie quer durch und ist lästig.

Es gab erneut eine Kaffeepause, diesmal auf der Bank am Rosa Gartenhüttchen. „Der Schreinerfreund freut sich, wenn du zur Beerdigung kommst“, sagte der Gatte. „Das hatte ich sowieso vor“, erwiderte ich und schaute rüber in Ernels Garten, in dem die Portugiesen gerade das ausgerissene Grünzeug verbrannten. Das stank bestialisch und zum Glück war der Nachbar mit dem ordentlichen Garten gerade nicht da, der würde darüber sehr schimpfen.

Ich rupfte weiter. Dutzende dieser witzigen Wedel, die wie kleine Palmen aussehen. Keine Ahnung wie sie heißen. Ich weiß nur, dass es sich um ein Wolfsmilchgewächs handelt und dass es leicht auszurupfen ist, falls es stört. Die Echinaceen treiben aus, das freut mich! Sie sollen sich vermehren und unseren künftigen Bienen Nahrung bieten.

Mittlerweile war es kurz nach sechs und langsam wurde es kühl. Und ich müde. Es piekste an meinem Bein, kurz darauf juckte es. Ich kratzte und zerrieb dabei ein blutsaugendes Insekt. Aha, die erste Zecke. Dachte ich . Mittlerweile denke ich, dass es womöglich eher eine Kriebelmücke war, denn erstens sind Zecken kleiner und zweitens entzünden sich ihre Bisse nicht so rasch. Wohingegen ich mit Kriebelmückenbisse einige unschöne Erfahrungen, die allesamt mit Antibiotika, auch notfallmäßig per Spritze, zu tun hatte. Ich beobachte mein Bein also argwöhnisch.

Das Abendlicht im Frühling hat einen besonderen Zauber und wäre es nur nicht zu kühl geworden! Ich hätte gerne noch draußen gegessen.

So aß ich meine Käsebrote und ein Schüsselchen Milchreis drinnen und duschte mir anschließend sehr viel Garten vom Leib. Die Fingerspitzen kribbeln noch immer vom Brennnesselkontakt und vielleicht habe ich morgen Muskelkater in den Muskeln, die jetzt einen langen Winter ruhten.

Morgen! Morgen mache ich das Rosa Gartenhüttchen wieder schön.

Auskehren, Staub wischen, die Bänke reinigen, die Polster und Kissen verteilen, den Kerzenleuchter mit neuen Kerzen bestücken, Schnickeldi verteilen und vielleicht am Abend mit dem Gatten darin sitzen, den Sonnenuntergang betrachten und „hach, unser Gartenhüttchen“ seufzen.

WMDEDGT im April

Frau Brüllen fragt: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“

Da heute das Fünf–Jahres–Jubiläum dieser Frage ist, hätte ich mich sehr, sehr gerne mit einem spannenden Tag beteiligt. Tatsächlich habe ich aber einen „hätte, wenn, täte“–Tag hinter mir, einen ganzer Tag, an dem ich nicht in die Pötte kam. Und das ausgerechnet mir, wo mir doch neulich klar wurde, dass ich nicht altersmilde lächeln kann, wenn mir erzählt wird, man würde gerne dies oder das tun, könne sich aber nicht aufraffen, wolle sich verändern, fände aber den Anfang nicht oder irgendwas lohne sich ja nicht, weil die Zeit zu knapp sei. Das nervt mich ungemein, wahrscheinlich deshalb, weil ich seit drei Jahren versuche, mir genau dieses Verhalten abzugewöhnen und lieber zu machen, statt zu redenplanenträumenjammern. Geschwurbel, pardon.

Ich begann den Tag recht energiegeladen, obwohl der gestrige Tag traurig und mit Himbeergeist endete. Wir hatten die Freunde zum Essen geladen und als wir essend und lachend zusammen saßen, kam der Anruf: Oma Ernel ist gestorben. Mit gesegneten 95 Jahren und nach qualvollen fünf Tagen letztlich sehr erlösendend. Sie war die Ziehmutter des Schreinerfreundes und der Schmerz in seinen Augen, während er von Erlösung sprach, geht mir sehr nahe. Zwei Jahre lang habe ich versucht, Oma Ernel in ihrem Garten zu vertreten, bevor ich, meinen Gärtnerinnenhut vor ihr ziehend, kapitulierte. Zu viel Arbeit. Sie hat mir so viel beigebracht und wäre es nach ihr gegangen, wäre sie einfach mitten im Kartoffelfeld umgekippt. Es wäre wohl in ihrem Sinne, Kartoffeln und Gemüse auf ihrem Grab zu pflanzen, doch ihre konservativen Töchter sehen das anders. Es wird sich aber ein Eckchen finden, in dem ein Zierkohl wachsen kann.

Während ich also heute morgen die Küche in Ordnung brachte, die Spülmaschine aus– und wieder einräumte, wurde mir klar, dass jetzt diese Zeit beginnt. Diese Zeit, in der wir unsere Eltern alt werden sehen und dann wohl auch zu Grabe tragen.

Um nicht schwermütig zu werden, schnappte ich mir den gar nicht mehr so kleinen Hund und zerrte ihn in den leichten Nieselregen hinaus. Lola ist absolut kein Hund, der scharrend, mit der Leine im Maul, an der Tür steht. Jedenfalls nicht vor zehn Uhr am Morgen. Bis dahin mag sie auf dem Küchensofa liegend dösen. Ich aber will spätestens um acht draußen sein und ich bin die Chefin, ich bestimme.

Wir liefen durchs Ried Richtung Schwabsburg. Der Nieselregen hörte auf, durch die grauen Wolken schimmerten ein paar hellblaue Flecken und ich beschloss, heute zu bloggen. Ich blogge täglich, doch irgendwie schaffen es die Texte nicht bis in die Tasten und je länger ich das so halte, desto schwieriger wird der nächste Einstieg.

Wir liefen durch die Wingerte hinter Schwabsburg. Derzeit wird in den Wingerten „gebogen“. Die Rebstöcke wurden in den letzten drei Wochen zurückgeschnitten, bis auf den „Stamm“, nur eine einzige „Rute“ bleibt stehen. Diese wird bogenförmig an Draht gebunden. Wer noch immer denkt, dass Winzer sein ein cooler, easy–peasy Job sei, der soll mal ein Jahr lang täglich einen Wingert beobachten und ab und zu mal ein Schwätzchen mit einem Winzer halten. Ein mit uns befreundeter Winzer erzählt den Touristen, die ihn fragen, was er denn außerhalb der Lese denn so täte, das: „Wenn die Lese vorbei ist und der Wein im Fass, fahre ich den Rest des Jahres auf die Malediven und verprasse meine Reichtümer, die ich durch den Verkauf erlange.“

Alle wilden Beerensträucher zwischen den Wingerten blühen und es duftet so wunderbar nach Frühling! Einige dicke Hummeln habe ich gesehen und die ersten Bienen. Leider war ich in den letzten Jahren nicht aufmerksam genug und somit weiß ich nicht, ob es wirklich weniger Gebrumm und Gesumm ist oder ob ich nur denke, dass es so ist, weil ich über den dramatischen Rückgang der Insektenpopulation las.

Rehe, Kaninchen, Fasane und Feldhasen sah ich vor Lola, so dass ich ihr sofort signalisieren konnte, dass jagen unerwünschtes Verhalten ist und sie an meiner Seite zu bleiben hat. Als dann der Erpel über unseren Kopf hinweg flog und neben uns im Bach landete, gab es kein Halten und sie sprintete los. Sie ließ sich aber direkt abrufen und kam sofort zurück. Jetzt bin ich ein bißchen stolz auf meine Hundeerziehungsfähigkeiten, denn immerhin steckt eine gute Portion Jagdhund in unserem Halbmatiner und sie lässt sich trotzdem abrufen!

Daheim gab es Frühstück für uns, von meinem Apfel fürs Müsli bekam sie zwei Stücke ab. Der Kater gesellte sich mit Beute dazu und ich war ja auch fast schon satt.

An dieser Stelle muss ich dann die detaillierte Schilderung beenden, denn wie oben beschrieben: hätte, wenn, täte. Ich lief von rechts nach links, runter und wieder rauf, nahm Dinge in die Hand und legte sie wieder weg. Hatte Ideen und verwarf sie wieder, alles was ich mir für heute vorgenommen hatte – passte nicht. Ich las ein bißchen was zum Thema Imkerei, schrieb ein paar Listen für den Garten, war doch ein bißchen und ein bißchen mehr schwermütig und dann war schon wieder Zeit für die Hunderunde am Abend. Der verlockende Sonnenschein verschwand, als ich im Wingert stand, wurde abgelöst von kaltem Wind und Regen. April eben, doch ich nahm das persönlich, weil doch dieser ganze Tag sowieso verkorkst war. Der Gatte kam heim und ging ohne mich in den Sport, denn ein hätte, wenn, täte – Tag muss natürlich mit Schokolade auf dem Sofa statt Muskelbeanspruchung auf der Gymnastikmatte enden.

Morgen, sage ich mir. Morgen ist alles wieder gut und vielleicht schreibe ich dann auch drüber.

Superpower!

Es ist so faszinierend, so unglaublich, so toll!

Seit ich mangels Regelblutung einen gut gefüllten Eisenspeicher habe, bin ich so dermaßen energiegeladen!

Heute morgen lief ich zehn Kilometer mit dem Hund, erledigte danach den Haushalt und wirbelte zwei Stunden durch den Garten. Ohne Erschöpfung, ohne Herzrasen, ohne schwirrende Punkte vor den Augen.

Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich diese Gebärmutterschleimhautverödung schon vor vielen Jahren machen lassen.

Internationaler Frauentag

Keine Glückwünsche an die Frauen hier, keine flammenden Gleichberechtigungsreden.

Nur ein kleiner Aufruf an uns Eltern: alles was Söhne können, können Töchter auch. Alles was Söhne dürfen, dürfen Töchter auch. Alles was Söhne müssen, müssen Töchter auch.

Es ist doch ganz leicht.

Nicht ganz so leicht, aber lohnenswert ist es, u.a. auf folgende Sprüche zu verzichten:

– ach ja, Mathe hab ich auch nie kapiert

– in den Sportstunden hatte ich immer meine Tage, hihi.

– diese Chemieformeln braucht man nie mehr im Leben

– Physik war für mich auch immer ein Buch mit sieben Siegeln

– Deutsch und Fremdsprachen liegen Mädchen einfach viel besser.

Vielleicht sind das nicht Ihre Sprüche, aber vielleicht die von Großeltern, Freunden, Nachbarn oder auch Lehrern. Mit denen zu streiten hilft meistens wenig, aber den eigenen Töchtern „doch!“ und „Aber!“ beizubringen, das hilft sehr viel.

„Doch!“ und „Aber!“ dürfen Sie übrigens auch Ihren Söhnen beibringen!

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Die Frau des Tages für mich:

Sie hat frustrierenden Unterricht in Mathematik und frauendiskriminierenden Unterricht in Physik mit ein wenig Unterstützung von uns überstanden. Hat allen Widrigkeiten zum Trotz Leistungskurse in beiden Fächern belegt und mit Bravour gemeistert. Sie studiert Informationssystemtechnik mit sehr wenigen Kommilitoninnen und wechselt im Herbst in ein duales Studium bei der DLR. Sie wird nicht ins All fliegen, aber vielleicht den nächsten Marsroboter bauen.

Weil sie ziemlich oft „Doch!“, „Aber!“ und „Jetzt erst recht!“ gesagt, geschrieen und geweint hat. Dieser Weg hätte so viel leichter sein können und ich wünsche mir Leichtigkeit für meine Enkelinnen.

Es gibt noch so viel zu schreiben, gerade auch über Söhne, die in dieser Gleichberechtigungswelle beinahe ein bißchen nach Luft schnappen müssen. Heute nicht.

Schnipsel vom Krankenlager

Der grippale Infekt, der den Gatten eine Woche umwarf und den er großzügig mit jüngstem Sohn und mir teilte, klingt dann jetzt doch langsam ab. Gestern war der Tag, an dem ich das Gefühl hatte, dass ich jeden zugeführten Schluck Tee wieder aus der Nase herausschnäuzte. Immerhin: die Brii laaft ab und das muss ja auch so. Heute morgen telefonierte ich kurz mit der Klinik, denn morgen soll ich ja den Genuss einer Darmspiegelung kommen und bevor ich mir heute den Spaß mit dem Abführsalz antue, um morgen wegen eines Infektes wieder heimgeschickt zu werden, wollte ich das abklären. Da ich mittlerweile fieberfrei und auf dem Weg der Besserung bin, darf die Untersuchung stattfinden. Die Freude über den stattfindenden Eingriff hält sich jetzt ganz gut die Waage mit der Sorge, dass irgendwas gefunden wird, was da so nicht sein soll. (Weil ich ja wieder einmal wider besseren Wissens gegoogelt habe, ist mein Kopfkino mit dem allergruseligsten Horrorfilmmaterial bestückt. Dass ich in diesem Jahr bereits acht Kilo abgenommen habe, mit weiterhin fallender Tendenz, passt da ganz super ins Bild, genauso wie die Hitzewallungen, die halt auch einfach nur hormonell sein können. Schweig still, Kopfkino.)

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Selbstverständlich darf man ja nicht nur über schlimme Sachen grübeln, man kann zum Beispiel auch die Reiseplanung für dieses Jahr beginnen. Und als am Mittwoch draußen noch einmal dichtes Schneetreiben war (sooo toll, dieser Winter! So viel Schnee!), sprach der Gatte: „Weißt du eigentlich, Liebste, dass wir nächsten Monat mitten im Wald schlafen?“ Ja, das wusste ich, hatte es aber angesichts der Wettersituation eher weggeschoben und als wir den Ausflug im Dezember planten, war „April“ halt näher an Frühling und Wärme, als es am Mittwoch mit den heftigen Minustemperaturen möglich schien.

Die Übernachtung „mitten im Wald“ klingt vermutlich sehr abenteuerlich. Letztlich ist es aber nur eine Nacht im Zelt mitten im Pfälzer Wald. Das wilde Zelten in deutschen Mittelgebirgen ist nicht gestattet, um aber trotzdem eine Nacht im Wald genießen zu können, gibt es im Pfälzer Wald „Trekking Plätze“. Diese Plätze kann man hier: „Trekking im Pfälzerwald“ buchen. Bei Platzzusage bekommt man die GPS-Daten des Platzes, eine Nacht darf man dort sein Zeit aufschlagen und am nächsten Tag weiterziehen. Alles was man mitgebracht hat, muss man auch wieder mitnehmen. Der Gatte hat zwei hübsche Wandertouren um die Übernachtung herum geplant, das Abenteuer „Übernachtung im Zelt mit Hund“ haben wir letzten Sommer erfolgreich im Garten bestanden und im April ist es ja garantiert viel wärmer. Ich freue mich drauf!

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Ende Juni wollen wir den Lechweg wandern, ein Fernwanderweg von der Quelle der Lech am Formarinsee bis zum Lechfall in Füssen. Es gibt die sportlich Variante, bei der der Weg in sechs Tagen gelaufen wird, die klassische Variante für sieben Tage und die gemütliche Variante in acht Tagen. Die sportliche Variante scheidet aus, wir sind beide Genusswanderer, wollen viel schauen, anfassen, riechen, sitzen, auf uns wirken lassen. Es geht nicht um Strecke machen, sondern darum, die Strecke zu erleben. Vorletztes Jahr wanderten wir den Wicklow Way in Irland und verzichteten auch dort auf die sportliche Variante. Das haben wir nicht bereut. (Ich füge hier demnächst noch den link zu meinen damaligen Berichten ein.)

Auf dem Wicklow Way haben wir unser Gepäck geschleppt, das war in Ordnung. Komfortabler lässt es sich natürlich wandern, wenn man nur Tagesgepäck dabei hat und da uns Lola mitsamt Hundefutter und Schlafdecke auf dem Lechweg begleitet, wäre ein Gepäcktransport eine prima Sache. Mal sehen, wie wir uns entscheiden und ob es einen solchen überhaupt gibt. Übernachtung mit Hund am Weg entlang ist unkompliziert, einzig die erste Übernachtung auf einer Hütte am Formarinsee wird etwas unkomfortabler, denn mit Hund dürfen wir nur im Winterlager schlafen. Da ist aber nur eine Nacht und somit nicht schlimm.

Mittlerweile habe ich wohl so ziemlich jeden Bericht über den Weg gelesen und alle einigermaßen erträglichen you Tube-Filmchen darüber gesehen, ich weiß also ungefähr, was da anstrengungsmäßig auf mich zukommt. Obwohl ich beinahe jeden Tag bis zu zehn Kilometer mit Lola unterwegs bin und den Wicklow Way prima und ohne nennenswerte Ausfälle geschafft habe, traue ich meinen Wanderfähigkeiten noch immer nicht. Die meiste Sorgen bereiten mir übrigens nicht Auf- oder Abstiege oder lange Etappen, sondern die Holzgauer Hängebrücke, die wir queren können, aber nicht müssen. Den Lechweg gab es schon vor der Brücke, es besteht also die Möglichkeit ab- und auf der anderen Talseite wieder aufzusteigen. Das kann ich aber im Vorfeld nicht planen, auch nach dem zehnten Drohnen-Überquerungsvideo bin ich absolut unschlüssig. Vermutlich wird Lola uns die Entscheidung abnehmen, denn der Boden der Brücke ist eine Gitterrost. Kurze Strecken läuft sie anstandslos auf Gitterrost, doch dort wären es über hundert Meter. Das bleibt also spannend.

Schon die Anreise wird spannend, denn wir reisen mit Bahn und Bus. Deshalb haben wir für Lola einen Maulkorb besorgen müssen und überlegen, welche Plätze wir wo reservieren, damit sie sechs Stunden entspannt liegen kann. Da wir sowieso eine Kinderfahrkarte für sie kaufen müssen, können wir ihr wohl auch einen Platz reservieren lassen, unter dem sie dann liegt. Wahrscheinlich in einem 6er-Abteil. Aber diese Entscheidung eilt noch nicht, es ist halt neu für uns mit Hund zu verreisen und deshalb aufregend.

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Jaaa und wenn diese ganze Wanderei gut ging, ich mich endlich mit Wanderstöcken angefreundet habe und weder Knie noch irgendein anderes Körperteil zu sehr muckt, dann erfüllen wir nächstes Jahr des Gatten Traum und wandern über die Alpen.

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Wussten Sie eigentlich, dass ich seit ungefähr zehn Jahren endlich mal so lange am Meer sein will, dass ich sagen kann: ok, nun ist es genug, ich bin satt. Und was tue ich seit zehn Jahren? Wandern. (mit drei viel zu kurzen Tagesausflügen an den atlantischen und den indischen Ozean, sowie die Irische See. Viel zu wenig.)

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Die Tochter kommt Mitte des Monats zu Besuch! Vorher absolviert sie aber noch ein RoboLab und muss dort Roboter programmieren, damit diese eine bestimmte Strecke zu einem Ziel fahren. Voll einfach, glaube ich.

Roboter finde ich faszinierend und toll, deshalb habe ich mich wirklich gefreut, als ich auf den YouTube-Kanal von Simone Giertz stieß. Ich lachte bereits etliche Tränen über sie und ihre sh*tty robots.

Bienen, Imkerei und Honig

Seit gestern wissen wir sicher: in den Ländereien der Grünen Villa wird es demnächst bis zu 40.000 neue Haustiere geben. 40.000 Bienen in einem Kasten, der in der Nähe des Rosa Gartenhüttchens stehen wird.

Wir bewegen den Gedanken unter die Imker zu gehen schon recht lange im Herzen, doch der letzte Schubs fehlte noch. Die vielen Meldungen über das Bienensterben und meine Beobachtungen, dass nur noch sehr wenige Honigbienen durch den Garten fliegen, trotz bienenfreundlicher Bepflanzung, gaben jetzt letztlich den Startschuss.

Wir (der Gatte und ich) meldeten uns zu einem Orientierungsseminar bei den Stadtbienen an, damit unsere ersten Fragen beantwortet werden können, bevor wir loslegen und feststellen: hm, das ist doch nix.

Ein ganz großartiges Orientierungsseminar! Einzig der Zeitmangel verhinderte, dass viele Themen rund um die Biene vertieft diskutiert werden konnten, doch alle unsere Ängste und Unsicherheiten sind ausgeräumt, wir werden Imker!

Das ist alles sehr aufregend, denn natürlich müssen jetzt etliche Sachen erledigt werden. Zum einen werde ich der Nachbarin erzählen, dass es endlich wieder mehr Bienen geben wird! Ich hoffe, sie freut sich genauso darüber wie wir.

Dann müssen wir uns entscheiden, in welchem Kasten unser Bienenvolk leben soll. Die Bienenbeute (= Kasten, in dem das Bienenvolk lebt), die man über den Verein der Stadtbienen kaufen kann, gefällt uns sehr gut, doch auch der Schreinerfreund kann Beuten bauen. Mal sehen, wir diskutieren noch.

Einen Schleier sollten wir anschaffen, als Anfänger wohl auch Handschuhe. Einen Stockmeißel, einen Besen und einen Smoker. Und Ameisensäure, um die Varroamilbe zu bekämpfen.

Was wir bereits wissen ist, dass wir ökologisch Imkern wollen, den Fokus also nicht auf die Honiggewinnung legen werden. Wobei diese Honigsache natürlich dazu gehört und wir uns sehr, sehr auf den ersten, eigenen Honig freuen! (und ich freue mich noch mehr darauf, zu gegebener Zeit einen ausführlichen Artikel zu schreiben, in dem ich erkläre, warum man den Bienen Honig wegnehmen muss.)

Einen Imker kenne ich bereits, ein anderer wohnt in der Nähe, ein Austausch sollte also zustande kommen und falls es wirklich einmal so viel Honig gibt, dass wir schleudern können (und nicht die Waben über ein Sieb austropfen lassen), wird sich bestimmt ein Schleuderbesitzer finden.

Mit dem Entschluss ein Bienenvolk im Garten zu beherbergen hat sich dann auch direkt die diesjährige Pflanzplanung ergeben. Es wird wild und bunt durcheinander blühen, dank des schweren Lehmbodens längst nicht so vielfältig wie ich mir das vorstelle. Doch Ringelblumen, Phacelia und verschiedenste Sonnenblumen wachsen gut und ab diesem Jahr dann auch in großer Menge. Was mich übrigens sehr freut ist, dass meine bereits hier lebenden Wildbienen und Hummeln nicht als Konkurrenz betrachtet werden. Es gibt genug für alle!

Wenn alles vorbereitet ist und die Bienenbeute steht … brauchen wir nur noch einen Schwarm. Letztes Jahr sah ich einen in einem Busch hängen. Vielleicht haben wir ja wieder Glück. Oder wir kaufen eben einen bei einem Winzer. Bis dahin wissen wir auch, ob Bienenhaltung in unserer Haftpflichtversicherung mitversichert ist. Das Bienenvolk wird dann brav beim Veterinäramt angemeldet und – was am Wichtigsten ist – fühlt sich hoffentlich in seinem Heim so wohl, dass es wächst und gedeiht. Und seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Sammeln, nachkommt. Bei Bienen kommt das Sammeln nämlich noch vor der Fortpflanzung, haben wir gelernt.

Es gibt also ein neues Thema hier, vermutlich ziemlich ausführlich, weil neu und spannend. Und gleich vorneweg: fünf Imker, fünf Meinungen. Es gibt kein „nur so ist es richtig!“ in der Bienenhaltung. Genauso wie in der Katzen- und Hundehaltung oder gar der Kindererziehung. Wissen Sie ja 😉

Sentimentalitis

24. Februar.

Traditionell schreibe ich an diesem Tag höchst sentimentale Blogartikel. Traditionen soll man pflegen, deshalb wenigstens ein Artikelchen.

Der Jüngste. Da ich derzeit Artikel für Artikel des alten Blogs zum Lesen wieder freischalte, sind die Erinnerungen an die Zeit mit den kleineren Kindelein aufgefrischt. Und ich kann ehrlich sagen: hui. Das Schöne an dieser Bloggerei ist tatsächlich, dass ich nicht nur nachlesen kann, sondern auch daran erinnert werde, was ich nicht geschrieben habe, was da nur zwischen den Zeilen steht.

Der Jüngste. Heute ist sein 19. Geburtstag! Wir werden ihn erst heute nachmittag sehen, denn er hat mit Freunden im Jugendkeller hineingefeiert und übernachtet dort. Wir haben ab zehn einen Termin, kommen erst zum Nachmittagskaffee, zusammen mit Omas und Opas, zurück.

Der Jüngste feiert mit Freunden! Allein dieser Satz macht mich glücklich! Es gab so viele Jahre, in denen er keine richtigen Freunde hatte. Die Herzen flogen ihm zu, weil sein Lächeln strahlte, doch Sprachauffälligkeit und „irgendwie anders“ gefiel Gleichaltrigen nicht. Kinder sind grausam. Ein Forrest Gump findet nur im Film die bedingungslose Freundschaft. In dieser Zeit waren die Geschwister Halt und Anker. Dafür bin ich so dankbar!

Heute hat der Jüngste einen echten Freundeskreis. Er trifft sich zum Quatschen, Billard spielen und zu irgendwelchen Turnieren mit Magic-Karten. Beinahe jedes Wochenende ist er unterwegs, das ist großartig!

Seine Ausbildung zieht er durch und ich ziehe meinen Hut. Jeden Morgen verlässt er kurz vor sechs das Haus, abends ist es manchmal schon nach sieben, bis er heimkommt. 200 Überstunden hatten sich angesammelt, einen Teil feierte er ab, der andere Teil wurde ausgezahlt. Überstunden lassen sich nicht vermeiden, denn die Anfahrt zu Baustellen ist oft lang. Er schleppt Rohre durch die Gegend und schraubt/dreht/lötet/schweißt sie aneinander, kriecht in Kellern herum, setzt Waschbecken und Toiletten, entsorgt Müll, richtet Werkzeug, arbeitet schwer, gruselt sich vor nix. Sein Kreuz ist breit geworden und seine Augen leuchten, wenn er berichtet, was er gearbeitet hat. Einer seiner verschlungenen Lebenspfade scheint da ans Ziel gelangt zu sein.

Trotz der harten Arbeitszeiten geht er montags zum Sport und mittwochs zum Klettern. (der Gatte berichtet neiderfüllt, wie leicht und kraftvoll sich der Jüngste von Griff zu Griff zieht und damit die wirklich schweren Routen schafft) Er übernimmt Hunderunden und erledigt das, was ich ihm im Haushalt auftrage, ohne zu Murren. Und neulich baute er mir eine Gartendusche für die Abkühlung nach dem Saunagang. Eine mit feiner, gleichmäßiger Brause, die des Gatten kippt Wasser wie aus einem Eimer, das mag ich nicht.

Der Jüngste ist groß (wenn seine Schwester nicht da ist aber doch der kleinste in der Familie), stark und, obwohl er das schicke Bärtchen wieder abrasiert hat, gutaussehend. Seit ein paar Wochen beobachten wir, dass es sprachlich noch immer Weiterentwicklungen und Fortschritte gibt. Das Stammeln und die vielen Ansätze, etwas sagen zu wollen, werden weniger und der wirklich sehr große Wortschatz kommt zum Vorschein. Ich wünsche mir manchmal, er würde den Menschen, die ungeduldig Sätze für ihn beenden, einfach „Moment, lass mich ausreden!“ zurufen.

In einer Familie, in der Wortwitz und schnelle, pointenreiche Dialoge, Sarkasmus und Ironie an der Tagesordnung sind, hatte er es viele Jahre sehr schwer. Er konnte nicht mithalten oder verstand Manches nicht. Heute hält er mit, gibt Kontra. Verblüfft uns. Lässt uns schallend lachen. Und vor Freude darüber fast platzen.

Er ist fast angekommen, in diesem selbständigen, erwachsenen Leben. Kochen kann er, backen kann er und über diesen ganzen Bank-, Versicherungs- und Vorsorgekram hat er einen besseren Überblick als ich.

Vor vielen Jahren schrieb ich mal, ich wünschte, ich könne nur ganz kurz mal in die Zukunft schauen. Nur um ein bißchen Hoffnung zu tanken. Heute ist dieser Wunsch nicht mehr dringend, heute schaue ich ziemlich gerne und begeistert auf den Weg zurück. Was wir alles gewuppt haben! Wie verzweifelt wir manchmal waren! Wie zäh es manchmal voran ging, drei Schritte vor, zwei zurück.

Wir haben es geschafft, der Jüngste und wir. 19 Jahre! Herzlichen Glückwunsch, Lieblingsjüngster!

Küchengeschichten

Übernächstes Wochenende wird in der Küche gestrichen. Die Wände und die Decke haben es sehr nötig! „Welche Farbe eigentlich?“, fragte der Gatte und war sehr überrascht, dass ich einfach nur weiß streichen möchte.

Im Baumarkt luden wir deshalb nur einen großen Eimer „weiß“ in den Wagen und ein neues Abstreifgitter.

Bei diesen Farben blieb ich zwar stehen …

allerdings nur um zu kichern. (Elfenbein-Rebellin! LOL!)

Ich überdenke jetzt eine Karriere als Farbtonnamenerfinderin …

Wobei … auf „Hüterin der Freiheit“ für einen Grünton zu kommen, das ist halt schon hohe Kunst.

Die Decke und die Wände werden (bleiben) weiß, das ist geklärt. Noch ungeklärt ist, wie wir die Regale anbringen. Wir haben derzeit zwei Oberschränke hängen, einen Zweitürer und einen einfachen. Dazwischen und daneben sind offene Regale. Die Oberschränke sollen nun ganz durch Regale ersetzt werden, doch das Schienen/Metallwinkelsystem finden wir nicht mehr. Ein anderes -ähnliches-, das wir gerade im Baumarkt sahen, ist nicht ganz so, wie wir uns das vorstellen. Immerhin fanden wir unsere gewünschten Regalböden: Buche, unbehandelt. Und weil Sie das neulich fragten: wir haben seit fast 19 Jahren offene Regale in der Küche, direkt über dem Herd (wir haben keine Dunstabzugshaube). Auf den Regalen steht das Geschirr, das täglich in Gebrauch ist. Es staubt oder schmaddert nicht voll. Die Regalbretter stauben ein und weil sie aus unbehandeltem (nur geöltem Holz) sind, ist das Reinigen ein bißchen aufwändiger aber nicht dramatisch.

Als wir das so durch den Baumarkt schlenderten, kamen wir auch an diesen wunderbaren Farbtonkarten vorbei und ich überlegte, ob die zart hellblauen Küchenschränke nicht doch eine Farbänderung brauchen.

Die eher violetten Töne habe ich hier daheim bereits aussortiert, die gefallen mir nicht zur Arbeitsplatte (geölte Buche). Der Rest ist sehr, sehr schön. Wobei ich minütlich zwischen sehr und kaum abgetönt schwanke. Sehr spannend! Außerdem habe ich gar keine Zeit zum Lackieren, denn am Wochenende nach der Küchensache ist das Wohnzimmer dran. Und das Wintergärtchen müsste auch. Und das Treppenhaus sowieso! Ach Zeit. Ach Gesundheit. Ach Kraft. Ach blödes Rumgejammere 🙂

Nähkästchenplauderei

Gestern zeigte ich bei Instagram meine eifrig im Garten helfenden Söhne und schrieb dazu, dass diese das doch freiwillig und freudig tun. Daraufhin wurde ich gebeten zu verraten, welche Zaubertricks ich da früher wohl angewandt hätte. Dann will ich das mal tun, die Tricks verraten, aus dem Nähkästchen plaudern.

Das Geheimnis lautet schlicht: Bedürfnisorientierung!

„Huch, Frau Mutti!“, werden Sie vielleicht jetzt anmerken, „Das gab es doch damals, vor 15, 20 Jahren, noch gar nicht, das ist doch eine Erfindung der jungen Mütter von heute!“

Doch, doch, muss ich dann leider einwenden, das gab es damals schon, aber es war alles ein bißchen anders. Aber der Begriff passt doch so prima, deshalb muss ich ihn verwenden. Das war nämlich, am Thema Gartenarbeit festgemacht, so:

„Kindelein,“, so sprachen wir Eltern, „unser aller Garten verwildert, da müssen wir ran. Der Sommerflieder muss runtergeschnitten, der Rasen gemäht, Brennnesseln gejätet, ein Stück umgegraben und außerdem müssen Straße und Terrasse gekehrt werden. Wer übernimmt was?“

Nach manchmal hitziger Diskussion hatte jeder, auch wir Eltern, eine oder mehrere Aufgaben. Wir gingen zusammen raus, arbeiteten gemeinsam und am Abend wurde gegrillt oder es gab Pizza vom Italiener.

Und was hat das jetzt mit Bedürfnisorientierung zu tun? Immerhin hatten die Kindelein sicherlich nicht das Bedürfnis im Garten zu schuften, sondern hätten doch viel lieber gespielt, gebastelt, sich mit Freunden getroffen?

Nun, das war zuerst mal das Bedürfnis des Gartens. Der musste in Ordnung gebracht werden, damit er weiterhin ein Ort der Freude und Erholung für uns alle sein konnte. Dann war da mein Bedürfnis, dass diese Arbeit zügig verrichtet wird. Nicht von mir alleine, denn es handelt sich ja um unseren Garten und mal ehrlich: alleine würde ich das nicht schaffen. Und das Bedürfnis des Gatten, mit allen gemeinsam etwas zu unternehmen. Das kann auch gemeinsames Arbeiten sein.

Ja, die Kindelein waren nicht begeistert von der Aussicht auf einen langen, arbeitsreichen Tag im Garten und hätten wir uns nach der modernen Bedürfnisorientierung gerichtet, wären wir vermutlich gemeinsam ins Kino gegangen. Das hätte die Kindelein sehr glücklich und zufrieden gemacht und im Kino sieht man ja auch den verwildernden Garten nicht.

Stattdessen haben die Kindelein

– einen ganzen Tag draußen verbracht

– sich körperlich verausgabt

– gelernt, sich bei der Aufgabenverteilung zu einigen

– Zeit mit uns verbracht

– Erfolgserlebnisse nach getaner Arbeit gehabt

– sehr viel über Gartenarbeit gelernt

– sehr viel über Pflanzen und Insekten gelernt

– mit uns am Abend zusammen das besondere (Belohnungs)Essen genossen

– und obendrein eine große Portion „gemeinsam haben wir echt was gestemmt“ bekommen

Ziemlich viel von dem was so ein Kind halt so braucht und lernen können sollte, ziemlich viel Bedürfnisorientierung, nebenbei.

Wir hatten, neben einem ordentlicheren Garten,

– einen wunderbaren Tag mit unseren Kindern verbracht

– viel erzählt bekommen, denn wenn die Hände beschäftigt sind, lockert sich die Zunge

– uns über unsere geschickten, freundlichen Kinder gefreut

Jedesmal wenn ich aus dem Nähkästchen plaudere, nenne ich unser Erziehungskonzept „bestechen, bedrohen, erpressen“, weil das klingt total witzig und provokativ gleichermaßen, doch im Grunde genommen stimmt das natürlich nicht. Wir haben gefordert und verlangt, waren (und sind) nervig und anstrengend. Gleichzeitig haben wir immer erklärt, warum wir alle zusammen für etwas arbeiten. Für _unser_ Haus, für _unseren_ Garten, für _unser_ gemeinsames Leben. Alle packen mit an und hinterher gibt es Kuchen. Oder Eis. Oder einem Film. Oder Döner. Egal, Belohnung und genießen für alle.

Das fing früh an mit „du räumst deine Bauklötze in die Kiste, ich wische Staub. Dann lesen wir ein Buch.“ Ging über „Ihr räumt eure Zimmer auf und saugt sie, ich putze in der Zwischenzeit das Bad und kehre die Treppe.“ Und heute heißt es „Du saugst durch, du gehst mit dem Hund und ich gehe einkaufen.“ Oder wir zählen auf was getan werden muss, und dann suchen wir uns halt etwas aus. Natürlich war das oft ganz platt schlimm verpönte „wenn-dann“-Erziehung, denn manchmal gab es auch kein „dann“, weil das „wenn“ nicht erledigt worden war und dann passt ja „bestechen, bedrohen, erpressen“ wieder.

Wir wollten vermitteln, wie es funktioniert, dass sich alle Familienmitglieder gleich wohl fühlen können. Das klappt nur, wenn die Bedürfnisse eines jeden Familienmitglieds berücksichtigt werden. Nicht zwangsläufig gleichzeitig. Das ist uns, glaube ich, ziemlich gut gelungen. Sagen auch die nun erwachsenen Kindelein.